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  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 53 / 16.5.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    anbei das Plädoyer von Daniela, welches sie am 12. Mai 2026 im Prozess gehalten hat.

    Die Urteilsverkündung ist am 27. Mai um 10.30 Uhr.

    Während der Urteilsverkündung findet eine Kundgebung in unmittelbarer Nähe des Eingangsbereiches (Weitzmühlener Straße 48, Verden-Eitze) mit anschließender Demo in die Innenstadt von Verden statt.

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

    Das Plädoyer von Daniela vom 12. Mai 2026

    Nun geht dieses erste lange Verfahren gegen mich zu Ende. Im Verlauf des Prozesses hat sich die Einschätzung, die es von Beginn an gab, bestätigt und es ist überdeutlich geworden: Fahndung und Verfahren sind politisch bestimmt. Es geht hier darum, unbedingt Herrschaft und Unterwerfung durchzusetzen. Das hat die Staatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer nochmal unterstrichen. Es geht nicht um einzelne Taten und auch nicht so sehr um mich, sondern darum, eine Geschichte radikalen linken Widerstands delegitimieren und abschreckend zu bestrafen.

    Ich danke allen, die mich solidarisch begleitet haben, hier im Saal, von außen, vor den Knastmauern, mit Briefen, Karten und Gedanken.und auch meinem Anwalt Ulrich von Klinggräff, der leider sehr krank geworden ist und deshalb nicht mehr hier sein kann.

    An sie alle sowie an den Teil der Öffentlichkeit, die sich dafür interessiert, richtet sich das, was ich heute sagen werde.

    Ich möchte kurz etwas zu meiner Geschichte sagen, die auch die Geschichte vieler anderer Genoss*innen ist. Viele, die mir geschrieben haben sind so jung, dass sie die Zeit in den frühen 70gern bis in die 90gern in Westdeutschland nicht miterlebt haben. Oder sie sind in Ostdeutschland aufgewachsen oder in anderen Orten der Welt. Ich habe das ohne den Anspruch auf Vollständigkeit geschrieben und hoffe aber, dass aus dem Gesagtem klar wird, warum ich die Suche nach einer besseren Welt in der Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat überwunden sind und den Kampf darum verteidige.

    Und warum ich hier auch das Recht, sich ein Leben in der Illegalität aufzubauen und zu erhalten, auch wenn es „nur“ darum geht, sich der Repression des Staates zu entziehen, verteidige. Das ist völlig unabhängig davon, dass Letzteres für mich seit mehr als 2 Jahren vorbei ist. Deshalb ist es meine Sache, dies alles soweit möglich von hier aus zu tun.

    Als Jugendliche spürte ich, dass ein Leben nach kapitalistischen Regeln zerstörerisch ist. Menschen sind soziale Wesen und auf Kooperation ausgerichtet. Aber die Unterwerfung unter die im Kapitalismus produzierten Zwänge der Vereinzelung durch Konkurrenz greift dies an und schafft Fremdheit und Distanz untereinander. Das funktionieren müssen, ohne zu fragen wofür, und das Nachjagen um irgendwelchen von diesem System produzierten Bildern und Normen zu entsprechen schafft Distanz zu sich selbst.

    Natürlich hatte ich dafür noch keinen Begriff und keine genaue Erklärung. Aber ich fühlte mich zerrieben durch den Druck und die Niedergeschlagenheit, die dies alles erzeugte und meine Abwehr dagegen wuchs, Deshalb bewegten mich schon früh Fragen nach einem anderen Leben, das doch möglich sein musste.

    Das war so, obwohl ich zu Hause großes Glück hatte. Meine Eltern waren offene Menschen. Meine Mutter war wohl schon immer so, Mein Vater, der als Junge in die HJ (Anmerkung: Hitlerjugend) kam und als Jugendlicher im Krieg auf der Seite der Nazis stand, hat sich nach 1945 intensiv mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandergesetzt und für sich daraus Konsequenzen gezogen. Beide wollten ihren Kindern menschliche Werte vermitteln. So durfte ich Freund*innen von überall her haben, sowohl was die Länder, die Hautfarbe als auch die gesellschaftliche Stellung betraf. In der Anfangszeit der Arbeitsmigration waren einige von ihnen aus Spanien, Italien, Portugal. Durch den Kontakt mit diesen Freund*innen hatte ich die Möglichkeit, etwas von ganz unterschiedlichen Lebensweisen mitzubekommen. Das war schon etwas Besonderes. Nur eine meiner Schulfreund*innen durfte mit uns raus auf die Straße. Wie überall waren auch in unserer Nachbarschaft rassistische Haltungen gegenüber Migrant*innen verbreitet. So mussten meine Eltern gegen die Kritik von Lehrer*innen standhalten, die besorgt meinen „Umgang“ beobachteten. Ich bekam auch sonst mit, wie ablehnend und ausgrenzend das Verhalten gegenüber Arbeitsmigrant*innen war. Ich habe Container gesehen, in denen türkische Bauarbeiter zu mehreren eingepfercht hausen mussten um dann wieder ihre Knochen bei der harten Arbeit kaputt zu malochen. Sie sollten sich zwar bei der Arbeit maximal auspressen lassen, aber bloß kein gleichberechtigter Teil dieser Gesellschaft werden. Auch diese Ungerechtigkeiten brachten mich auf. In der Schule ging es nicht ums Miteinander, nein, es sollte uns eingetrichtert werden, dass es immer ums „Besser sein“, besser selbst als die beste Freundin, ginge. Und darum mitzuhalten, um eine Karriere erreichen zu können, die es ermöglicht, am als erstrebenswert behaupteten Konsum teilnehmen zu können. Einem Konsum, der nicht an den wirklichen Bedürfnissen ausgerichtet ist, sondern für den die Bedürfnisse zur Steigerung des Gewinns der Konzerne künstlich erzeugt werden. Es ist heute noch genauso, dass einem vorgemacht wird, dass nicht zählt, wie du bist, sondern was du hast, wie du aussiehst und was du leistest. Für den wachsenden Profit des Kapitals, das bestimmt hier deinen Wert. Damals habe ich mich oft gefragt‚ was an mir falsch ist, weil ich keinerlei Anziehungskraft verspürte, mitzuhalten. Im Gegenteil entzogen mir alle Versuche, mich dem zu unterwerfen‚ jede Energie aus allen Fasern. Davon niedergedrückt zu sein, löste sich erst auf, als ich mit Freundinnen aus der Sponti- beziehungsweise undogmatischen Linken zusammenkam. Wir setzten uns mit Texten des sozialistischen Patientenkollektivs, wie zum Beispiel mit dem Buch „Aus der Krankheit eine Waffe machen“ auseinander, was mich sehr beeindruckt hat.

    Durch diese Auseinandersetzungen lernte ich, dass meinem Verlorensein kein individuelles Problem zugrunde lag, sondern in den gesellschaftlichen Verhältnissen begründet war. Dies zu begreifen, öffnete die Augen noch weiter für die Ungerechtigkeit um uns herum. Die brutale imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung in vielen Teilen der Welt und die Kriege, die von den reichen kapitalistischen Ländern ausgingen. Auf keinen Fall wollte ich dabei zur Komplizin werden. Es wurde zu meiner Überzeugung, dass in der Überwindung dieser Verhältnisse die Hoffnung auf ein freies und menschenwürdiges Leben für alle liegt, das es zu erobern gilt.

    Diese Überzeugung hat mich seitdem nie wieder verlassen. Denn jedes Jahrzehnt, jedes einzelne Jahr und jeder Tag bringt neue Belege dafür, dass innerhalb des Kapitalismus die Menschheitsprobleme nicht lösbar sind. Im Gegenteil: Sie spitzen sich immer weiter zu.

    Zusammen mit vielen anderen wollte ich mich diesem System, das die Menschen sich selbst entfremdet, nicht unterwerfen. Wir wollten als die gesehen werden, die wir sind, ohne Lügen und Bildern zu entsprechen, die von der Konsum- und Leistungsgesellschaft vorgesetzt wurden. Darin wollten wir nicht gefangen bleiben und uns selbst und die vom Kapitalismus bestimmte Gesellschaft verändern.

    Das war circa Mitte der 70er Jahre. Es wehte noch ein Hauch der 68 er Bewegung des Aufbegehrens gegen die noch immer beziehungsweise neu von Nazis durchsetzten Institutionen und Politikerposten und die vom Faschismus geprägten Denkweisen in der Gesellschaft.

    Es hatte den Aufbruch einer internationalistischen, revolutionären Linken gegeben, mit riesigen Demonstrationen in Solidarität mit dem vietnamesischen Befreiungskampf gegen die US-Aggression und mit dem damals stark von der revolutionären iranischen Linken getragenen Kampf gegen das faschistische Schah-Regime im Iran.

    Aber es hatte auch den ersten in diesem Aufbruch von der Polizei ermordeten Demonstranten gegeben. Am 2 Juni 1967 war der Student Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen die Komplizenschaft der BRD mit dem faschistischen Schah-Regime von einem Polizisten erschossen worden.

    Es hatten schon die Angriffe der RAF gegen die US-Hauptquartiere in Frankfurt und Heidelberg, von wo aus die Luftangriffe der US-Armee in Vietnam koordiniert wurden, stattgefunden. Auch die Bewegung zweiter Juni und die revolutionären Zellen hatten sich damals gegründet. Und später kam noch die von Frauen organisierte Rote Zora dazu.

    In der Schule waren noch Reste des 68er Aufbruchs zu spüren. Trotz der Berufsverbote gab es einige Lehrer*innen, die mit uns andere Formen des Unterrichts praktizierten, die auf zusammen lernen und nicht auf Konkurrenz ausgerichtet waren. Wir lasen Bücher wie z.B. von B. Traven über Widerstandsgeschichten aus Lateinamerika oder Katharina Blum von Heinrich Böll. In Religion erfuhren wir von der Befreiungstheologie in Lateinamerika und von Priestern, die sich dort dem Kampf um Befreiung angeschlossen hatten. Wie Don Helder Camara in Brasilien Und Camilo Torres in Kolumbien.

    Das alles, aber auch die Tatsache, dass diese Lehrerinnen vor unseren Augen diszipliniert und versetzt wurden, hat mich mehr über die weltweiten Verhältnisse und die Rolle und Realität der BRD lernen lassen. Uns empörte auch, dass es zu dieser Zeit kein Teil des Lehrplans war, sich umfassend mit dem Nazifaschismus auseinanderzusetzen. Geschweige denn über Konsequenzen, die daraus gezogen werden mussten. Im Nachhinein gesehen kein Wunder, denn es waren keine grundlegenden vorgesehen.

    Unser Wissen darüber eigneten wir uns außerhalb der Schule an. Ich erinnere mich an ein Ringbuch von linken Studentinnen zusammengestellt. „Lernen von unten“ hieß es glaube ich. Daraus erfuhren wir von der Verantwortung des Kapitals für die Machtübernahme des Faschismus und von der ganzen Dimension der menschlichen Katastrophe, der brutalen Verfolgung der linken Arbeiter*innenbewegung, und der linken Intellektuellen, der grausamen Vernichtungspolitik gegen die jüdische Bevölkerung, gegen Roma und Sinti, von KZ‘s und Euthanasie, der Ausmerzung jeglicher Opposition, vom zurückgeschlagenen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, der mehr als 25 Millionen Sowjetbürger*innen das Leben gekostet hat, von Überfällen und Besatzung in Ost- und Westeuropa, aber auch vom europaweiten antifaschistischen und kommunistischen Widerstand dagegen.

    In dieser Zeit luden ältere Schüler*innen auch zu Filmvorführungen und Diskussionen zum vietnamesischen Befreiungskampf ein. Wir bildeten ein Schulkollektiv, um im Schulalltag Forderungen durchsetzen zu können. Bis zum Alter von 15 Jahren hatte ich mich gegen den Gedanken gewehrt, dass Menschen, die für eine bessere Welt kämpfen wollen, diese mit Gewalt durchsetzen und verteidigen müssten. Mein Traum war eine gewaltfreie Veränderung. Der Blick in die Geschichte und in die Welt rückte immer klarer die Tatsache ins Bewusstsein, dass die mächtigen Nutznießer, die am meisten im kapitalistischen System verstrickt waren, jede grundlegende Veränderung mit brutalster Gewalt bekämpfen würden. Das Beispiel des von den USA aus gestütztem faschistischem Militärputsch und die Ermordung Salvador Allendes in Chile 1973 hatte gezeigt, dass die Möglichkeiten und die Existenz jeder gewählten sozialistischen Regierung zermalmt werden würden, wenn sie sich nicht bewaffnet verteidigen konnte.

    „Dass du dich wehren musst, wenn du nicht untergehen willst, das wirst du doch einsehen,“ war damals eine Parole auf vielen Flugblättern und an vielen Wänden.

    In den Jahren meiner Politisierung in Karlsruhe habe ich immer wieder durch Parolen oder Plakate an den Wänden etwas von der RAF mitbekommen. Auch vom Kampf der politischen Gefangenen gegen die Isolationsfolter und die Solidarität mit ihnen. Bald habe ich das alles, auch ihre Hungerstreiks bewusst mitverfolgt. Es hatte auf mich eine große Anziehungskraft, dass es da welche gab, die so entschieden gegen dieses System kämpften, von dem auch ich mich genau wie viele andere sich unterdrückt sah.

    Ich war 16, als ich mitbekam, dass man einen Menschen in Haft ermordete, der im Hungerstreik gegen die Folter der Isolationshaft kämpfte. Es war Holger Meins, der gegen die Verhältnisse aufgestanden war und im Gefängnis durch gezielte Unterernährung während der staatlichen Zwangsernährung und durch die Verweigerung von medizinischer Hilfe getötet wurde.

    Ich war 17, als der vietnamesische Befreiungskampf den US angeführten Imperialismus besiegte. Der unglaubliche Sieg wurde auch mit weltweiter Solidarität erkämpft. Trotz Napalm, trotz der enormen Militärmaschinerie, die der Befreiungsbewegung entgegenstand, und trotz der Massaker an der vietnamesischen Bevölkerung, die die US Militärs mit Hilfe und Komplizenschaft des Westens, allen voran Deutschlands, verübt hatten.

    Es war in vielen Ländern eine Zeit der Versuche der Befreiung und antikolonialer Kämpfe: Zum Beispiel die Black Panthers gegen die rassistische Unterdrückung und für die Revolution in den USA, der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika oder der FSLN in Nicaragua gegen die Diktatur. Ich begann zu verstehen, was die Menschheit von Kapitalismus und Imperialismus zu erwarten hat. Ja, ich sah mich als Teil der weltweiten Bewegungen, die für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung gegen Kapitalismus und Patriarchat und gegen Krieg und Militarismus kämpften.

    1976/77 habe ich angefangen, politische Gefangene zu besuchen. Der erste von ihnen war Johannes Thimme, der wegen angeblicher Unterstützung der RAF im Knast war und dort auch sofort in Isolationshaft kam. Dagegen wollte ich meine Solidarität ausdrücken und der Isolation etwas entgegensetzen. Als Antwort darauf begannen sie mich mit Observationen zu terrorisieren. 1977 standen zivile Polizeibeamte im Auto schon früh morgens vor meiner Haustür und folgten mir im Schritttempo bis zur Schule.

    Nach 1977, als der Befreiungsversuch von 11 Gefangenen aus der RAF gescheitert war, und von den Stammheimer Gefangenen nur Irmgard Möller die Nacht des 18. Oktober 1977 schwerverletzt überlebt hatte, entschied ich mich, nach Wiesbaden umzuziehen Dort hatte ich Genoss*innen kennengelernt, mit denen zusammen ich die Solidarität mit den politischen Gefangenen weiterführen wollte. Wir sahen das als einen wichtigen und dringend notwendigen Teil des antiimperialistischen und antifaschistischen Kampfes an.

    Es wurde ein Leben voller Widerstandsaktivitäten gegen Isolation und für die Zusammenlegung der Gefangenen, der Solidarität mit den Befreiungskämpfen in Palästina, Südafrika, Nicaragua und El Salvador, mit türkischen Genossinnen gegen den Nato-Putsch in der Türkei.

    Durch den Kampf in Solidarität mit den politischen Gefangenen entwickelten sich darüberhinausgehende Diskussionen und Freund*innenschaften mit weiteren Genoss*innen aus Irland, dem Baskenland, Italien, Spanien und Frankreich. Und es gab Kontakte mit dem linken iranischen Widerstand.

    Die internationalen Befreiungsbewegungen standen für uns auch für den weltweiten Frauenbefreiungskampf. Leyla Khaled von der PFLP in Palästina, Assata Shakur und Angela Davis aus der schwarzen Befreiungsbewegung in den USA und auch die Genossinnen aus den bewaffnet kämpfenden Gruppen in Westeuropa waren für uns Beispiele. Sie standen für Millionen Frauen weltweit.

    In den letzten Jahrzehnten zeigte das Beispiel der kurdischen Befreiungsbewegung, besonders in Rojava, wie viel Kraft für alle entsteht, wenn die Befreiung der Frauen ein bestimmender Teil des Kampfes ist.

    Wir lebten und organisierten unseren Alltag zusammen. Es gab Hausbesetzungen und den Kampf gegen die Startbahn West, gegen die Abholzung des Waldes und gegen die Kapazitätserweiterung des Frankfurter Flughafens und somit der US Air Base. Wir fuhren dorthin zu den teils friedlichen, teils militanten Sonntagsspaziergängen zur Startbahnmauer, machten politisches Theater, viele Treffen des Widerstands und Veranstaltungen, die sich gegen die imperialistische US und Nato-Politik richteten. Zusammen waren wir auf Demos in Solidarität mit den Befreiungsbewegungen in Nicaragua und El Salvador, gegen die Staatsbesuche von Reagan, dem damaligen US-Präsidenten und Haig, dem damaligen US Nato-Oberbefehlshaber, und in Solidarität mit den politischen Gefangenen. Die damals stattfindenden Angriffe der RAF gegen Haig und Kroesen sowie auf den US-Militärflughafen in Ramstein als Basis für deren Kriege in aller Welt und den Versuch in Oberammergau sahen wir in der Zeit der großen Mobilisierungen gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen und die US-Counterkriege gegen die Befreiungsbewegungen als Stärkung unseres Widerstands und umgekehrt.

    In dieser Zeit kam auch der Vorschlag von RAF und action directe zur Bildung einer gemeinsamen Widerstandsfront im Kampf gegen die Formierung Westeuropas zum imperialistischen Block und in Solidarität mit den Befreiungsbewegungen.

    Der Staatsschutz schlug hart mit verstärkter Repression zu. Mehrere dem Staatsschutz bekannte anti-imperialistische Genoss*innen wurden festgenommen. Die Bundesanwaltschaft schaffte sich mit der Konstruktion einer angeblich „legalen RAF“ das Instrument, das es möglich machte, Genoss*innen für viele Jahre in den Knast zu bringen durch Verurteilungen ohne Beweise für ihre angebliche Beteiligung an militanten Aktionen.

    Schon seit den Besuchen bei politischen Gefangenen wurden wir – und das wir beziehe ich auf viele Genoss*innen – damals nahezu auf Schritt und Tritt überwacht. Sie terrorisierten uns mit offensichtlichen Observationen, mit Kontrollen auch mehrmals am Tag, bei denen wir mit Namen angesprochen wurden und uns ausweisen sollten. In der Straße, in der wir wohnten, bauten sie oft Kontrollstellen auf, so dass keine Besucher*innen ohne Registrierung zu uns gelangen konnten. Die andere Variante war die verdeckten Observationen, die wir nicht bemerken sollten.

    Diese Observationen waren wie ansteckende Krankheiten, die sich von Person zu Person übertrugen. Wir mussten jedenfalls immer davon ausgehen, dass die „Herren des Morgengrauens“ irgendwo lauerten. Es bedurfte großen Aufwands, sich wenigstens für einige Stunden sicher dieser Überwachung entziehen zu können, sei es um sich mal ohne die Angst abgehört zu werden, unterhalten zu können, sei es um ein paar Parolen zu sprühen oder Plakate zu kleben. Es liegt ja auf der Hand, dass Widerstand sich niemals in solche Ketten legen lassen konnte, die bedeuten, jede Aktivität vom Staatsschutz kontrollieren zu lassen. Und selbstverständlich wollten wir auch nicht unser Gefühlsleben vor Bewachern ausbreiten.

    Schon in den 70er und 80er Jahren gab es immer wieder Genoss*innen, die bemerkten, wie das Netz um sie immer enger gezogen wurde, und die aus Angst und Verhaftung abtauchten, von der Bildfläche verschwanden und – einige, teilweise jahrelang – im Ausland lebten.

    Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war es offensichtlich, dass es eine Neubestimmung und grundlegende Reflektion revolutionärer Politik geben musste. Denn einerseits hatten sich die internationalen Rahmenbedingungen tiefgreifend verändert, anderseits ging es darum, vergangene Erfahrungen aufzuarbeiten. Ich war damals eine von vielen, denen es nicht in den Sinn kam, sich angesichts des Epochenbruchs zurückzuziehen. Wir wollten den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht als einen endgültigen Sieg des Kapitalismus akzeptieren. Es war klar, dass diese Schwächung der weltweiten sozialistischen Bewegung katastrophale haben würde. In der BRD führte sie zur Rückkehr der Bundeswehr als offen kriegsführende Armee und gleich in den völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien. Sie führte zur Einverleibung der DDR durch die BRD, die auch über die Köpfe derer durchgesetzt wurde, die ihren Aufbruch in der DDR mit dem Ziel einer positiven Veränderung dort und jenseits des kapitalistischen Systems und der westdeutschen Realität begonnen hatten, und brachte den neoliberalen Angriff gegen erkämpfte soziale Errungenschaften mit sich. Und eine von der CDU angefachte rassistische Mobilisierung als Umlenkung eventuell ausgelöster Wut und entstehenden Widerstands. Gleichzeitig wurde nationalistischer Freudentaumel zelebriert. Dies wurde von den Rechten eifrig aufgegriffen und führte im geeinten Deutschland in West und Ost zu tödlichen Brandanschlägen wie in Solingen und Mölln und Überfällen auf Migrant*innen,Geflüchtete und linke Menschen und deren Strukturen. Ich erinnere nur an Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda und an Berichte von zurzeit als Antifas vor Gericht Stehenden, die in ihrer Jugend dieser Atmosphäre im Osten Deutschlands ausgesetzt waren.

    Natürlich realisierten wir diese herbe Schwäche der Linken weltweit und auch deshalb waren wir mitdem Gefühl unterwegs, alle Anstrengungen aufbringen zu wollen, um Antworten auf die vor uns liegenden Fragen zu finden und als radikale linke Kraft weiterhin existent zu sein. Die Auseinandersetzungen darum fanden zusammen mit Illegalen statt. Auf Dauer war es zu gefährlich, sich wieder und wieder aus der Situation der Observation abzusetzen und dann wieder zurückzukehren.

    Ich entschied mich dazu, mich diesen Bedingungen nicht weiter anzusehen und blieb also weg. Das war die Entscheidung dafür, Widerstand ganz zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen und die Kontakte und Diskussionen mit anderen Genoss*innen, die sich die gleichen Gedanken über das wie weiter und die Neubestimmung revolutionärer Politik machten, waren für mich zur Priorität geworden.

    Dir RAF existiert seit 28 Jahren nicht mehr. Dass die RAF in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt hat, ergibt sich aus dem.was ich hier aufgeschrieben habe. Diese Genoss*innen standen für mich für die Möglichkeit, mit diesem System zu brechen und im fundamentalen Widerstand um Befreiung zu kämpfen.

    Durch die Auseinandersetzung über die ersten Aktionen der RAF während des Vietnamkrieges verstanden wir mehr über die Rolle der BRD und die weltweiten Machtverhältnisse und wie sich die Kämpfe international unterstützen können.

    Selbst aus den Gefängnissen heraus vermittelte der Kampf der Gefangenen gegen Isolationsfolter und um Kollektivität – zusammen sein und handeln zu können, mit denen die das für sich wollten – eine Spur dessen worum es überhaupt im Kampf um Befreiung geht. Nämlich um eine Gesellschaft, in der das „für alle“ im Mittelpunkt steht und nicht Profit, Geld, Macht – nicht das Haben, sondern das sein und zwar zusammen.

    Das blieb lange so für mich unabhängig von Kritik, die ich schon damals an einigen Aktionen und diesen zugrundeliegenden Bestimmungen hatte. Auch unabhängig von der Erkenntnis der Notwendigkeit, sich mit Fehlern der Geschichte der radikalen und militanten Linken, also auch in der RAF, auseinanderzusetzen.

    Es kam die Vorstellung auf, dass der bewaffnete Kampf politisch verbindlich in eine Gegenmacht von unten eingebunden werden müsste.

    Die gesamte politische Situation lies das aber nicht zu. Die Auflösung der RAF und ihre Begründung fand ich völlig richtig.

    Wir haben als radikale oder militante Linke sicher auch viele Fehler gemacht, sicher aber nicht den, das Elend unserer Zeit schulterzuckend hinzunehmen.

    Natürlich würde ich gerne an einer Diskussion und am liebsten Gesprächen über diese Epoche des Widerstands teilnehmen. Da hatte Burkhard Garweg völlig recht, als er das am Ende seines Briefes an Caroline Braunmühl schrieb.

    Eine Diskussion mit denen, die an irgendeinem Punkt Teil dieser Widerstandsgeschichte waren und all denen, die sich die Erfahrungen daraus für die Zukunft des Widerstands aneignen wollen.

    Den Gerichtssaal finde ich nicht als den richtigen Ort für einen tiefgehenden Diskussionsbeitrag dazu.

    So wird eine Diskussion für mich schon im Ansatz erschwert. Besuche von ehemaligen gefangenen aus der RAF und der Bewegung 2. Juni wurden mit dem irrsten Begründungen abgelehnt.. außerdem wird bei den Besuchen jeder Satz für den Staatsschutz festgehalten, noch bevor ich einen Gedanken mit Besucher*innen zusammen hin und her denken konnte.

    Die BAW lässt jede meiner auch allgemeinsten Äußerungen zur Widerstandsgeschichte als „Beweise“ einer Beteiligung an der RAF beschlagnahmen und die wiederum werten sie als Beweis für meine Beteiligung an dem mir von ihnen zugeschriebenen Aktionen.

    Ich sehe darin, sowie in den ausufernden Vorladungen, mit denen immer mehr Genoss*innen aus den 70er und 80er Jahren drangsaliert werden, eine Bedrohung nicht nur für mich. Natürlich haben sich die bewaffnet kämpfenden Gruppen der Linken damals nicht im luftleeren Raum bewegt. Wie mich haben sie viele Genoss*innen, die ihre eigene Widerstandspraxis hatten berührt, beeinflusst und ihre politische und/oder praktische Unterstützung , Solidarität und Kritik herausgefordert. Jetzt aber noch nach 40/50 Jahren Leute mit hohen Geldbußen zu belegen und mit Beugehaft zu bedrohen, wenn sie nicht gewillt sind, Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft aus ihrem Leben zu erzählen und weitere Namen zu nennen, die dann auch vorgeladen werden sollen und bei den Vorladungen den Gesundheitszustand einzelner Genoss*innen vollkommen zu übergehen, zeigt die Absicht, die Genoss*innen zur Abschreckung noch heute stellvertretend für die Geschichte des Widerstands zu strafen.

    Anfang der 90er, am 10. April 1992 erklärte die RAF, dass sie die tödlichen Angriffe auf Repräsentanten aus Staat und Wirtschaft für den notwendigen Diskussionsprozess einstellen wird und die Eskalation von ihrer Seite aus zurücknimmt.

    Zum gleichen Zeitpunkt wuchs die Solidarität mit dem Kampf der politischen Gefangenen und das Bedürfnis, sie in den Diskussionen der radikalen Linken dabei haben zu wollen. Es sah so aus, als würde der Staat sich bezogen auf die Forderungen zur Verbesserung der Haftbedingungen und zur Freilassung kranker Gefangener in eine positive Richtung bewegen. Sobald aber dem Staatsschutz auf höchster Ebene bekannt wurde, dass der Verfassungsschutz mit Klaus Steinmetz einen Spitzel mit Kontakt zu Illegalen an der Hand hatte, setzte er sofort wieder auf Eskalation. Gegenüber den Forderungen der Gefangenen wurde wieder dicht gemacht. Im März 1993 sprengte die RAF den sich kurz vor der Fertigstellung befindlichen Knastneubau in Weiterstadt. Der Staat bereitete gleichzeitig eine große Verhaftungswelle vor. Dann schlugen sie in Bad Kleinen zu. Wolfgang Grams wurde ermordet und Birgit Hogefeld festgenommen. Die Gefangenen aus RAF und Widerstand wurden mit neuen Prozessen und langen Haftstrafen überzogen.

    1998 löste sich die RAF aus eigenem Entschluss auf. Sowohl der Staatsschutz als auch seine viel zitierten Experten wie Butz Peters oder Alexander Strassner sprachen von bis zu 30 Personen, die die RAF in den letzten Jahren ihrer Existenz ausgemacht haben könnten. Sie sagten des Öfteren ganz offen, dass sie im Grunde keine Ahnung haben. Das soll auch so bleiben. Bei einer ernsthaften gesellschaftlichen Aufarbeitung und Auseinandersetzung um die Geschichte geht es nicht um einzelne Personen, sondern um den politischen Inhalt der Auseinandersetzung.

    Gefahndet wurde nach 1998 öffentlich nur nach Burkhard Garweg, Volker Staub und mir. Für niemanden, ob mit Fahndungslisten gejagt oder nicht, kam es in Frage, sich zu stellen. Von Seiten des Staates waren klare Fakten gesetzt worden, was was uns erwarten würde, wenn sie jemanden von uns in die Finger bekämen. An uns hätten sie gerne ihren Siegeszug gegen die RAF und mit ihr einem wichtigen Teil des fundamentalen Widerstands der BRD Geschichte zelebriert. Das zeigte sich selbst noch fast 30 Jahre später nach meiner Verhaftung sowohl an meiner Behandlung, Vorführung als auch der medialen Begleitung des Ganzen.

    So etwas wollten wir uns nicht aussetzen. Also drängte es sich geradezu auf, sich auf keinen Fall erwischen zu lassen. Weder wollten wir uns schon jahrelang praktizierten Verurteilungsritualen aussetzen. Noch für alle möglichen noch nicht verurteilten Aktionen von RAF und Widerstand lange Haftstrafen kassieren noch Gefahr laufen, bei einer Verhaftung erschossen zu werden.

    In der Illegalität hatten wir die Möglichkeit, als radikale Linke, wenn auch in Grenzen und zurückgezogen in Freiheit weiterzuleben. Hier konnten wir in selbstbestimmten, solidarischen Beziehungen mit Genoss*innen und Freund*innen leben und über unseren weiteren Weg entscheiden.

    Dieser Staat ist kein Freund von politischen Lösungen, sondern ein Freund des Kapitals. Alle müssen sich dem unterwerfen.
    Ein so langes Leben in der Illegalität ist aus dieser Geschichte entstanden. Nicht aus Abenteuerlust und schon gar nicht aus Bereicherung. Es war in den letzten Jahrzehnten und ist heute eine Defensivposition des Widerstands. Auch wenn mir das Leben, dem ich da entrissen wurde, sehr viel bedeutete, es gab keinen Plan zu versuchen, sich mit Gewalt und schießend aus der Situation zu befreien. Deswegen ist nichts dergleichen passiert.

    Als ich das Plädoyer der Staatsanwaltschaft hörte, dachte ich mir, wie viele Pirouetten musste sie drehen, um das alles weg zu lügen. Im Prozess wird nämlich trotzdem an einer angeblichen Tötungsbereitschaft festgehalten, um mit dem Hammer gegen mich aufzutreten. Hier werden alle, teils rachsüchtige, vor allem aber herrschaftstechnische Absichten ausgeführt. Dieser Widerspruch zeigt: Es geht um eine Dämonisierung, die die Fahndung nach angeblich gemeingefährlichen Verbrechern weiter legitimieren und ein Exempel statuieren soll.

    Dem stelle ich die Forderung entgegen: Schluss mit der Fahndung nach Burkhard Garweg und Volker Straub!

    Bezogen auf die hier im Prozess thematisierten psychischen Folgen für einige der Betroffenen der Überfälle, schließe ich mich der Aussage von Burkhard Garweg in seinen Grüßen aus der Illegalität im Oktober 2024 vollkommen an:

    „Traumatisierungen von Kassiererinnen und Geldboten sind zu bedauern.“

    Nachdem ich im Prozess mitbekommen habe, wie schlecht es einzelnen Betroffenen noch heute geht, wie beispielsweise dem Fahrer Mirko Kramer aus Wolfsburg oder Frau Ulmer aus Bochum, einer Kassenangestellten, muss ich sagen, dass sie mir wegen solcher im Prozess aufgeführten schwerwiegenden psychischen Verletzungen sehr leid tun.

    Bevor ich die Prozessakten gelesen hatte, hätte ich mir Traumatisierungen durch Überfälle eher bei Kassenpersonal vorstellen können, als bei einem bewaffneten Geldboten. Es ist verwunderlich, dass Geldbot*innen keine Ausbildung erhalten, die sie dazu befähigt, berechnend und kühl in so einer Situation zu handeln, anstatt total schockiert zurückzubleiben. Gerade wo der Job nur wegen der realen Gefahr von Raubüberfällen existiert. Und es ist bemerkenswert, dass sie im Fall eines Überfalls erstmal stundenlang alleine oder zu zweit im Auto ausharren müssen. Immer noch zum Schutz des Geldes, obwohl schon alles voll mit Polizei ist, anstatt dass sie eine psychologische Erstversorgung erhalten hätten. Ich bin erstmals in Zusammenhang mit diesem Prozess damit konfrontiert worden, dass Werttransportfahrer*innen und Geldbot*innen von Traumatisierungen sprechen.

    Als ich zusammen mit meinen Anwält*innen entschied, die psychischen Folgen bei den Zeug*innen im Prozess nicht zu hinterfragen, gab es dafür zwei Gründe. Der Hauptgrund dafür war, dass nichts getan werden sollte, was zu einer Retraumatisierung oder Verschlechterung beitragen könnte. Es geht hierbei auch um sehr Persönliches, gerade was Vorbelastungen aus der Lebensgeschichte der einzelnen Betroffenen angeht. Wir fanden es nicht korrekt, öffentlich daran herumzubohren.

    Der zweite Grund war dass ich es für möglich und generell gerechtfertigt halte, falls Betroffene sich nach so einem Raub beziehungsweise Raubversuch auf diesem Weg das Recht auf einen längeren bezahlten Urlaub genommen hätten. Dass so etwas vorkommt, belegte die Aussage des Fahrers Whitley, dessen Chef direkt nach dem Überfall in Duisburg eingriff, um so etwas einen Riegel vorzuschieben. Ich erwähne das hier nicht, weil ich das irgendeiner Person, die hier betroffen war unterstellen würde. Es geht mir nur darum ein Verhältnis klarzumachen: Sowohl Kassenpersonal als auch Geldwerttransport Bedienstete sind Proletarier*innen und keine Feind*innen.

    Es ist bekannt, dass die Arbeitsbedingungen in der Geldwerttransport Branche schlecht sind und die Arbeit nicht gut bezahlt wird. Dazu passt die Aussage des Fahrers Immes, dass die Geschäftsführung sich nach dem Überfall in Stuhr als erstes sofort nach dem Zustand des Autos, aber nicht nach dem Befinden der Menschen erkundigte. Es ist erstaunlich, dass manche Geldwerttransport Besatzungen trotzdem so viel für „ihre“ Firma riskieren. Zumal es die Direktive gibt, ihr Leben nicht für das Geld riskieren zu müssen.

    Der Exsoldat und Fahrer Whitley sagte aus, er hätte womöglich sogar eine Schießerei angefangen, hätte er seine Waffe bei sich gehabt. Dass es die Dienstanweisung gibt, den Läufer mit Räuber*innen zurückzulassen, falls der Fahrer wegfahren kann, hatte ich schon in einem Artikel nach der Sache in Wolfsburg gelesen. Allerdings habe ich das nicht für voll genommen, sondern nur als Behauptung des Firmenchefs, um seinen Fahrer, der für die Firma immerhin einen Haufen Geld gerettet hatte, in der Öffentlichkeit in Schutz zu nehmen. Denn, dass er seinen Kollegen im Stich gelassen hatte, wurde anfangs in der regionalen Presse moralisch angezweifelt. Erst, nachdem der Verdacht geäußert wurde, der versuchte Raub sei von der herauf beschworenen ehemaligen RAF durchgeführt worden, wurde in der Presse aufgedreht und von skrupellosen und brutalen Räuber*innen geschrieben.

    Als ich in den Akten von der posttraumatischen Belastungsstörung des Fahrers Immes aus Stuhr las, kam mir das von Anfang an schlüssig vor. Obwohl meine Anwält*innen etliche Male verdeutlicht haben, dass nicht auf ihn gezielt worden war und es sogar Teil seiner Therapie war, zu realisieren, dass ihn niemand töten wollte, bleibt stehen, dass er es so empfunden hat und schwer schockiert war, zumal er sich in einer Situation befand, die für jemanden, der Probleme in kleinen geschlossenen Räumen hatte, schon alleine durch das eingeschlossen sein ein Horror sein musste. Mirko Kramer, dem Fahrer in Wolfsburg habe ich anfangs beim Lesen der Akten kein Wort abgenommen.

    Er hatte nur Sekunden mit der Überfallsituation direkt zu tun. Er hatte sogar den Räuber*innen ein Schnippchen geschlagen und war schnell aus der konkreten Gefahrenzone heraus gewesen. Ich habe erst kurz vor seiner Aussage im Prozess begriffen, dass ihn tatsächlich etwas völlig aus der Bahn geworfen hatte. Der Auslöser war der Überfall, weil er dadurch erst in diese Situation kam, sich entscheiden zu müssen. Um das Geld der Chefs zu sichern, hat er sich für die Dienstanweisung entschieden, seinen Kollegen mit den Räuber*innen stehen zu lassen. Dieser sagte dazu, Herr Kramer hätte korrekt nach Dienstanweisung gehandelt, aber sagte auch sinngemäß, dass diese Dienstanweisung menschlich nicht korrekt ist. Genau das denke ich auch. Es ist Kapitalismus pur. Er selbst sagte dazu: „Ich musste mir anhören, das Geld ist wichtiger als die Person“. Das bringt es auf den Punkt.

    Den Aussagen des Fahrers in Cremlingen, Michael Sohn, habe ich entnommen, dass im Kolleg*innenkreis nach dem Überfall nicht auf Kramer zugegangen wurde. Selbst in der Presse wurde sein Handeln angezweifelt. Ich denke, er hatte selbst Zweifel daran. Nachdem er das Auto der Räuber*innen hat wegfahren sehen, ist er zurückgefahren, um nach seinem Kollegen zu schauen. Es ist lebhaft vorstellbar, wie sehr ihm der Schrecken eingefahren sein muss, als er ihn zuerst nirgends entdecken konnte. Wie ich vorher schon gesagt habe, hat er mir sehr leid getan, als ich gesehen und gehört habe, wie schlecht es ihm seither ging. Ich hoffe, dass es ihm bald wieder besser gehen wird. Auch der Fahrer Immes aus Stuhr tat mir sehr leid. Weil er sein Leben als bedroht empfunden und unter diesem Schock sehr lange Zeit gelitten hat.

    Im Kapitalismus werden das Eigentum und das Geld der Reichen mit massivem Aufwand vor der Bevölkerung geschützt. Umgekehrt werden in den Fällen von „weißer Kragen Kriminalität“ wie beispielsweise bei der Cum-Ex Affäre, bei der eine Beute von 30 Milliarden Euro gemacht wurde um Reiche noch reicher zu machen, vom Staat und der Justizstruktur mit Behinderung effektiver Ermittlungen, die Kriminellen geschützt.

    Sicher wird es immer wieder Situationen geben, in denen Menschen auf Grund von Verfolgung oder mangels anderer Möglichkeiten zu überleben, dazu gezwungen sein werden, als nicht Besitzende Geld rauben zu müssen. In der Geschichte der Linken gab es oft diese Notwendigkeit. Mit Leichtigkeit oder Abenteuer hat das nichts zu tun. Auf jeden Fall sind alle Möglichkeiten an Geld zu kommen vorzuziehen, bei denen die Gefährdung von Menschen so gering wie möglich gehalten werden kann. Letztlich geht es aber darum, Verhältnisse zu schaffen, in denen für Menschen keine Notwendigkeit mehr besteht, irgendwie an Geld kommen zu müssen, um zu überleben. Sei es durch sich bei der Lohnarbeit ausbeuten zu lassen, durch illegale Arbeit, Selbstausbeutung oder durch Raub und Diebstahl. Viel lieber als sich mit der Überlebenssicherung als Besitzlose zu befassen, hätten wir unsere Energie jederzeit in so viel Sinnvolles gesteckt, in Aufbauendes, in politische Auseinandersetzungen, in das Lernen von Nützlichem zusammen in Freund*innenschaften. Wir alle haben viele Interessen und Fähigkeiten, die unter anderem damit zu tun haben können, Antworten auf die Fragen der Zeit zu suchen, wie die Raserei der Zerstörung und Kriege zu stoppen und dagegen eine andere Realität aufzubauen ist.

    Einige Zeit, nachdem sich dieser Überfall in Stuhr ereignet hatte, wurden Volker, Burkhard und ich öffentlich wegen Mordversuch verfolgt.

    Mehrere Jahre stießen die Staatsanwaltschaft und das LKA Niedersachsen offensichtlich auf keine brauchbaren Spuren, weshalb sie verbissen nach 2023 wieder mächtig aufdrehten. Mit Vernehmungen von x wie vielen alten Freund*innen und Bekannten, Durchsuchungen bei Eltern und sonstigen Verwandten, Aufrufen in Aktenzeichen XY und weiteren Reportagen und schickten ihre Trupps jedem Hinweis hinterher. Sie sind dabei leider auf mich gestoßen. Seitdem brachte die Staatsanwaltshaft Schrecken in das Leben von Freund*innen und wieder Geschwistern, Eltern in Nachbarschaften, dem Bauwagenplatz mit regelrechten Aufmärschen, ohne jede Rücksichtnahme auf die Verursachung von Traumata. Aber das sind legale Überfälle, die von der Klassenjustiz gewollt sind und selbstverständlich nicht verfolgt werden. Damit haben die Ankläger*innen keine moralischen Probleme. Die Staatsanwaltschaft hat im Laufe des Prozesses deutlich gezeigt, dass es ihr keineswegs um das Wohlergehen der Zeug*innen bzw. von überfallen Betroffenen geht. Warum sonst bohrte sie bei Vernehmungen immer wieder nach, wenn Zeug*innen aussagten, dass es ihnen nach den jeweiligen Überfällen nicht so schlecht ging. Dass sie relativ schnell darüber hinwegkamen, da wurde auch durchaus mal pampig nachgesetzt, wenn jemand sagte, „es war ja klar, es ging nicht gegen mich“. Die Staatsanwaltschaft hätte gerne in jedem Fall etwas anderes gehört. Wie groß muss die Enttäuschung gewesen sein, dass der extra für viele Nebenkläger*innen reservierte Platz nicht voll besetzt war? Denn die Betroffenen sind für sie nur Mittel zum Zweck, um ein möglichst hohes Urteil gegen mich erreichen zu können sowie die Fahndung nach Burkhard und Volker weiterzutreiben. Dafür wären ihr offensichtlich mehrere retraumatisierte, schwergeschädigte Betroffene deutlich lieber gewesen.

    Dazu passt es auch, dass in diesem Prozess seitens der Anklage so getan wird, als sei es vollkommen egal, wie sich Räuber*innen verhalten, Es scheint sie sogar eher aufzubringen, wenn davon die Rede ist, dass deren Verhalten gegenüber den Betroffenen höflich und beruhigend war. Ich finde das abgründig, denn selbstverständlich ist es weder für Überfallene noch für Räuber*innen, egal wie sich verhalten wird, Ganz im Tenor der Anklage hat sich das Gericht nun vor ein paar Wochen bei der Ablehnung eines Antrags meiner Verteidigung eingeschaltet, da wurde behauptet, wer Überfälle macht, kalkuliert schwere Retraumatisierung mit ein, denn es sei ja bekannt, überall traumatisierte Menschen anzutreffen seien, von Geldbot*innen, Werttransporter*innen Kassierr*innen bis zum Spezialkommando und allen zufälligen Anwesenden sowieso. Auch bei Soldat*innen und Polizist*innen sei es bekanntermaßen schon zu Traumatisierungen gekommen. Letzteres war mir tatsächlich schon bekannt und zwar, wenn sie in Situationen gekommen waren, in denen Menschen, auch Kolleg*innen, bei Einsätzen umgekommen waren, wenn sie selbst an Massakern beteiligt waren oder Zeug*innen davon wurden.

    Solche Traumatisierten würde ich weder beim Polizeidienst noch als bewaffnete als Geldbotin erwarten, sondern in psychologischer Behandlung oder in Positionen, die zur Genesung geeignet sind. Aber was soll damit eigentlich ausgesagt werden? Es schwingt auch hier diese fatale Behauptung mit, es sei egal, ob Menschen bei solchen Überfällen brutal gewalttätig und aggressiv auftreten oder nicht, denn wenn sie auf Traumatisierte treffen, sei es sowieso das gleiche? Wie verantwortungslos und falsch sind solche Aussagen! Aber darüber hinaus: Was sagt das über den Zustand dieser Gesellschaft aus, wenn wir heute auf Schritt und Tritt auf traumatisierte und psychisch verletzte Menschen treffen, also nicht als seltene Ausnahme, sondern als zunehmende Regel? Es stimmt mit der permanent propagierten Kriegsertüchtigung und Militarisierung dem Hochhalten des Rechts des militärisch stärkeren in den internationalen Auseinandersetzungen um Macht und den Zugriff auf Rohstoffe und Land geht das Erstarken der Rechten und die Ausbreitung faschistoiden Denkens einher. Gewaltverherrlichende und patriarchale Vorstellungen werden gestärkt.

    Seit der Zeitenwände sind Femizide, Vergewaltigungen, sexualisierte Gewalt – auch bei Polizeieinsätzen – allgegenwärtig.

    In der Isolation während der Coronazeit nahmen die patriarchalen Gewaltausbrüche in den Familien zu.

    Dies sind ganz offensichtliche Quellen für Traumatisierungen. Ansonsten passiert so Vieles, das immer mehr Menschen mit einer großen Unsicherheit und wachsender Angst vor der Zukunft erfüllt. Jeden Tag wird über die bürgerlichen Medien und mit Sicherheit auch massiv im Internet verbreitet, dass das Geld, das eigentlich für Soziales und Ökologisches, für Gesundheit, Bildung und Kultur gebraucht würde, jetzt in die Aufrüstung gesteckt wird. Das kalte Aussortieren wird immer bestimmender in den Diskussionen der Main-Stream-Medien — Berechtigung auf Hilfe und Versorgung soll für immer größere Teile der Gesellschaft nicht mehr existieren. Diejenigen, die kein Geld für Privatversicherungen haben bedroht, immer reduzierter medizinisch versorgt zu werden — und – eine teure Therapie für Opa, das lohnt sich doch nicht mehr!

    Geflüchtete sollen sonst wohin abgeschoben werden bzw. gleich – auch gewalttätig – draußen gehalten werden. Außer sie werden gerade irgendwo in der Wirtschaft gebraucht.

    In der Krise setzen die kapitalistischen westlichen Staaten nach außen auf Aggression und nach innen auf die Zurichtung der Gesellschaften aufzunehmende soziale Verrohung. Dafür wird Geringschätzung eines wachsenden Teils der Bevölkerung, der als unnütz diffamiert wird, propagiert.

    Soziale Forderungen, ein soziales Umgehen, Inklusion und Fürsorge werden als wirtschaftsgefährdend – und das meint in Wirklichkeit Profitwachstum gefährdende – angegriffen. Das Wort „Reform“ steht heute für staatliche Schritte in Richtung Abschaffung des Sozialstaates.

    Der Staat unterdrückt heute durch Spaltung, Repression, Angst. Das funktioniert in einer Zeit, in der Tausende mit dem Verlust ihres relativen Wohlstands bedroht sind, also befürchten müssen, sich bald selbst auf der Seite der als „Schmarotzer“ Beschimpften wiederzufinden und auf Unterstützung angewiesen zu sein, die gerade schon zusammengestrichen wird.

    Es ist die Frage, ob das bei Vielen dazu führt, sich dazu erpressen oder ködern zu lassen, jeden Dreck für die Kriegsmaschinerie zu produzieren oder ob in den Auseinandersetzungen darum endlich diejenigen wahrgenommen werden, die Vorschläge für eine andere zivile und ökologische Produktion schon lange ausgearbeitet haben und ob sich daran gemeinsam organisiert und durchgesetzt werden kann.

    Jugendliche sollen sich mit einer Zukunftsperspektive als Kanonenfutter abfinden.

    Obwohl Friedensforscher*innen schon x-mal die Kriegsabsicht beziehungsweise Fähigkeit Russlands gegenüber der NATO widerlegt haben, werden diese weiterhin als Begründung für die Konzentration auf Militarisierung und die enorm erhöhten Ausgaben für das Militär und die Rüstungsindustrie und die fortgesetzte Befeuerung des Ukraine-Krieges durch die immensen Waffenlieferungen der Nato benutzt.

    Das Gefühl keine Entscheidungsmöglichkeiten zu haben bereitet sich aus. Wenn als einzige Perspektive das Ja! zum Krieg und zur Verarmung, einem Weiter-So! mit Naturzerstörung und Klimakatastrophe dasteht, erzeugt das Verzweiflung. Seit zweieinhalb Jahren wird in aller Brutalität weltweit sichtbar demonstriert, wie durch Vertreter der bis vor kurzem noch sich „Wertegesellschaft“ nennenden westlichen Regierungen mit Menschen umgegangen wird, die imperialistischen und kapitalistischen Interessen im Weg sind — nämlich am permanent weiter geführten Genozid an der palästinensischen Bevölkerung in Gaza sowie der ethnischen Säuberung durch blanken Terror im Westjordanland und nun auch im Libanon und Iran mit brutalster Zerstörung durch den Krieg Israels und den USA. Es ist die deutsche Regierung, die das bekanntermaßen durch Waffenlieferungen‚ Geschäftsbeziehungen und politische Verbeugungen unterstützt und diejenigen, die sich dem entgegensetzen verfolgt. Mit einem Bundeskanzler, der zur aggressiven Kriegsführung Israels schon vor der nun neuen völkerrechtswidrigen Kriegsausweitung bemerkte, es sei „Drecksarbeit, die Israel für uns macht.“

    Es stimmt also, wenn das Gericht feststellt, dass die Straßen voll von Traumatisierten sind, das sind sie durch Armut, Rassismus, Patriarchat, Polizeigewalt und imperialistische Kriege. Das mir vorzuwerfen instrumentalisiert das Elend und soll eine lange Haftstrafe begründen.

    Die Überwindung der massenhaften Traumata erfordert sofortige, aber auch tiefgreifende Veränderungen und zwar international. Denn es liegt auf der Hand, dass das Ausmaß der Traumata in den Ländern, die schon seit Jahren mit Krieg überzogen werden, wie Sudan, Palästina, Syrien, Libanon, Iran, Ukraine oder die der Erdrosselung durch Sanktionen ausgesetzt sind wie Kuba, unvorstellbar drastischer sein muss.

    Das können doch wirklich alle sehen und verstehen! Im Grunde wissen es die meisten.

    Doch leider haben viele mehr Angst vor Schritten in eine andere soziale Gesellschaft, die unbekannt wäre, als vor der deutlich am Horizont drohenden umfassenden Zerstörung der Lebensbedingungen bei einem „Weiter so!“ Es braucht dringend einen „System-change“, denn dem Kapitalismus wohnt über Konkurrenz, Ausbeutung und Unterdrückung hinaus auch Faschismus, Rassismus, Krieg, gewalttätiges Machtgebaren im politischen System und zwischen den Menschen, patriarchale Gewalt gegen Frauen und Queers, gegen Menschen mit Behinderung sowie die Zerstörung der Natur inne.

    All das tritt je nach Zustand der kapitalistischen Krise mehr in den Hintergrund oder mehr in den Vordergrund. Deshalb werden wir diese Leidensgeschichte erst hinter uns lassen, wenn wir dieses System überwunden haben. Im Moment befinden wir uns an einem extrem zerstörerischen Punkt dieser Krise. Die alte, falsche Weltordnung verliert ihre Hegemonie – endlich – denn sie ist absolut ungerecht gegen über der großen Mehrheit der Menschheit. Aber deshalb schlägt sie wild um sich. Für uns ganz unmittelbar muss es um die Umkehr weg von Kriegsertüchtigung und Militarisierung, weg von Aggression nach außen und der Repression und der Erniedrigungen nach innen, der sozialen Kälte, der Komplizenschaft bei den weltweiten kapitalistischen und imperialistischen Verbrechen gehen.

    Stopp der völkerrechtswidrigen Kriege und imperialen Gewalt! Stopp der unterdrückenden Sanktionen, die Hunter Verwüstung und Millionen von Toten zum Ergebnis haben!

    Stattdessen muss es um die Konzentration auf ökologisch sinnvolle Produktion gehen, die nicht auf den Profit für die wenigen ausgerichtet ist, sondern auf das Wohlbefinden aller und den Umbau der Gesellschaft in einer Weise, durch die Menschen international sozial abgesichert und in Geborgenheit leben können.

    „Die Alternative ist weltweit unsere Aufgabe und ist ein Sozialismus, der reich sein könnte an historischen Erfahrungen (und) auch durch die Überwindung der großen und kleinen Fehler der Geschichte, der großen und kleinen Revolutionsversuche, der Stadt-Guerilla, der Anarchist*innen der Kommunist*innen, der Sozialrevolutionäre und der antipatriarchalen und antikolonialen Kämpfe und Bewegungen. Dies zu erreichen, entscheidet letztlich drüber, ob Leben auf diesem Planeten weiter möglich sein wird und unter welchen Bedingungen. …Die Frage an uns alle weltweit nach der Alternative zum Kapitalismus und dem systemischen wie auch unseren Prozessen dahin ist existenziell und nicht aufschiebbar.“ Burkhard Garweg im Grußwort an die Rosa Luxemburg-Konferenz im Januar 2026.

    Die Spur davon lebt in all den verschiedenen Widerstandsaktivitäten derer.

    • die wissen, dass die Jugend, die Nicht-Reichen und Mächtigen in der Bevölkerung diejenigen sind, die im Krieg für Macht und Rohstoffe als Kanonenfutter herhalten sollen und sich deshalb gegen Mililitarlsierung, Wehrpflicht und Aufrüstung, also gegen den Krieg stellen,
    • die es ablehnen, für die Interessen des Kapitals ihr Leben zu geben oder das Anderer zu nehmen und die nicht akzeptieren, dass die Ressourcen statt für die Bevölkerung für Waffen, Militär, Polizei und den Profit der Konzerne da sein sollen,
    • die Militarisierung nicht hinnehmen, weil ihnen bewusst ist, dass in einer militarisierten Gesellschaft Gewalt gegen Frauen, Queers, Transmenschen und Menschen mit Behinderung zwangsläufig weiter zunehmen wird,
    • die sich als Schüler*innen direkt mit Schulstreiks gegen eine Zukunft als Kanonenfutter zur Wehr setzen,
    • die ihre Solidarität und ihren Internationalismus imperialer Politik und Verbrechen entgegensetzen und die staatliche Gewalt, die der Kampf um Macht und Rohstoffe im Kapitalismus braucht und von den Mächtigen immer offener vertreten und rücksichtsioser eingesetzt wird, nicht hinnehmen,
    • die sich nicht beugen, obwohl sie als Jüd*innen allen voran vom deutschen Staat und Medien massiv als angeblich antisemitisch angegriffen werden, weil ihnen in Zeiten des internationalen Widerstands gegen die extreme Gewalt gegen Palästinenser*innen das Recht genommen werden soll, den israelischen Siedlerkolonialismus und die Apartheitspolitik gegen die palästinensische Bevölkerung_g:13r! den Zionismus abzulehnen oder auch nur in Frage zu stellen, sowie die Komplizenschaft Deutschlands bei Kriegsverbrechen und Genozid zu benennen,
    • die als Aktivist*innen, Demonstrant*innen, Journalist*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen auf ihren Widerspruch dazu bestehen, obwohl als deutsche Staatsräson die unverbrüchliche Unterstützung jeder noch so terroristischen Politik Israels festgelegt wurde und alle, die sich dem entgegenstellen, Ausgrenzung und Kriminalisierung droht,
    • die Antisemitismus bekämpfen und selbstverständlich davon ausgehen, dass dies mit der Bekämpfung von Rassismus überhaupt zusammengehört,
    • die angesichts sich verschärfender Ungleichheit, Armut, Ausbeutung, nicht mehr bezahlbarer Mieten, Massenobdach- und Arbeitslosigkeit das kapitalistische System in Frage stellen und unmittelbar jetzt die Abschaffung des Systems der Profitwirtschaft mit Wohneigentum fordern
    • die der Politik des andauernden gepuschten Rassismus, Nationalismus und der Ausgrenzung der von sozialer Sicherung schon abgehängter Menschen eine Politik der Solidarität und den Kampf gegen Sozialabbau entgegensetzen; denn die einzige Möglichkeit zu verhindern‚ dass sich immer größere Teile der Bevölkerung nach rechts bewegen und die Faschisierung der sich im Niedergang befindlichen alten Kolonialstaaten und den USA zu stoppen, ist es, der rassistischen Hetze und einer Politik, die generell auf Spaltung und der Einladung beruht, sich selbst zu retten, indem man jeweils die weiter unten in der Gesellschaft wegtritt, anstatt sich nach oben gegen die Macht zu wehren, eine radikale linke Perspektive, die fassbare positive Veränderungen im Leben für die Vielen bringt, entgegen zu stellen,
    • die sich organisieren, um die schrittweise Zerstörung und Militarisierung der Gesundheitsversorgung aufzuhalten,
    • die sich direkt gegen Nazis stellen und Schutz organisieren und die zugleich sagen, dass es damit nicht getan ist, weil der Faschismus im Kapitalismus begründet ist,
    • die der im Kapitalismus zwangsläufigen ökologischen Zerstörung der Welt entgegentreten und sich für eine Organisierung der Menschheit einsetzen, die eine nachhaltige ökologische Produktion und damit das Überleben der Menschheit und der Natur ermöglichen wollen,
    • die angesichts von Systemen der Repression und Gefängnissen an unserer Seite, an der Seite der Gefangenen stehen und mit uns eine Perspektive der Freiheit fordern und schließlich die Abschaffung der Gefängnisse,
    • die nach Jahrzenten des Kampfes zum Schutz des Lebens von Mumia Abu Jamal, der schon seit 48 Jahren politischer Gefangener in den USA ist – nicht aufgeben und voller Solidarität alles daran setzen, seine Freiheit zu erkämpfen.

    Das sind längst nicht alle der vielfältigen Widerstandsaktivitäten, die sich heute und in den letzten Jahren an so vielen Widersprüchen entwickelt haben oder teilweise schon lange bestehen — wie die feministische und heute queerfeministische Organisierung gegen patriarchale Gewalt, die vielen Initiativen gegen das immer perfektere repressive Abschottungssystem an den Grenzen zur Abwehr von Geflüchteten, die dringend Hilfe benötigen, die Flottillas nach Gaza und Kuba, um das Aushungern und die Abschottung zu durchbrechen, die Hafenblockaden gegen Waffenlieferungen

    nach Gaza und gegen Militarisierung und Solidaritätsstreiks italienischer und griechischer Arbeiter*innen mit der palästinensischen Bevölkerung und ihrem Kampf gegen Besatzung und Vertreibung, die Proteste gegen die steigende Zahl von polizeilichen Todesschüssen gegen schwarze Menschen, nichtdeutsch oder unangepasst wirkender Menschen.

    Auch wenn ich – zum Glück – gar nicht alles aufzählen kann, was getan wird, wollte ich wenigstens einen Teil davon nennen, weil es so wichtig ist daran zu denken, an den Zielen und Gedanken zur Befreiung dranzubleiben und sich nicht durch die offen zur Schau getragene Brutalität der Herrschenden in Sprachlosigkeit herunterdrücken zu lassen. So wie es bei allen unterschiedlichen Initiativen um die konkrete Wirkung gegen die jeweiligen Verbrechen und um die Verteidigung von „Oasen menschlicher Kooperation“ und gleichzeitig deren Ausweitung und Weiterentwicklung auch innerhalb der eigenen Initiativen geht, so sehr kommt es darauf an, wie alle zusammen zu einer gemeinsamen Kraft kommen werden, die die Entwicklung zum 3. Weltkrieg und was er schon im Vorlauf mit sich bringt, stoppen kann. Denn durch diesen Krieg sind alle positiven Ansätze und Ideen international essentiell bedroht.

    Auch wenn diese Kraft noch nicht existiert, sind es doch alle diese Kämpfe, die ihre Entwicklung zumindest ermöglichen und die mir Hoffnung geben.

    Das ist auch diese-Hoffnung auf meine und unsere Freiheit und schließlich auch die Freiheit aller und auf eine Welt, die jede Form von Unterdrückung hinter sich lässt.

    Eine Welt, in der keine Gefängnisse fortexistieren, weder in der Form vielfältiger und miteinander verschränkter Gewaltverhältnisse, noch in der Form aus Beton, Stein und Stahl, in denen Menschen hinter Mauern und Stacheldraht einfach weggesperrt werden.

    Eine Welt, in der die Menschen einander zugewandt sowie im Einklang mit allen anderen Lebewesen der-Natur leben können.

    Wirklich frei sein können wir erst, wenn alle frei sind.

  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 52 / 16.5.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    anbei ein Artikel, den die junge Welt mal wieder nicht – wie so oft in den letzten Monaten – nicht veröffentlicht hat.

    Das Grußwort war bestimmt für die Kundgebung am Prozesstag, d. 12. Mai, die buchstäblich ins Wasser fiel, als Daniela ihr Plädoyer vorgetragen hatte. Ihr Plädoyer werden wir im nächsten Info am kommenden Samstag veröffentlichen.

    Die Urteilsverkündung ist am 27. Mai um 10.30 Uhr.

    Während der Urteilsverkündung findet eine Kundgebung in unmittelbarer Nähe des Eingangsbereiches (Weitzmühlener Straße 48, Verden-Eitze) mit anschließender Demo in die Innenstadt von Verden statt.

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

    Der Prozess gegen Daniela Klette

    Verteidiger fordern Freispruch und sofortige Haftentlassung

    Am vorletztem Prozesstag gegen Daniela Klette haben ihre Verteidiger Undine Weyers und Lukas Theune in ihren Plädoyers auf Freispruch in den acht Anklagepunkten wegen der Geldbeschaffungsaktionen plädiert. Nur in dem Verstoß gegen das Waffengesetz (vier Waffen waren in ihrer Berliner Wohnung gefunden worden, wobei die Munition separat gelagert war) sei ein Schuldspruch angemessen, die aber mit der Untersuchungshaft seit über 2 Jahren abgegolten ist und fordern daher die sofortige Haftentlassung.

    Ende Februar 2024 wurde Klette in Berlin in ihrer Wohnung in Berlin Kreuzberg verhaftet. Seit weit über 30 Jahren wurde Klette als vermeintliches Ex-Mitglied der 1998 aufgelösten Roten Armee Fraktion (RAF) wegen einer Aktion einer kämpfenden Einheit und zwei Aktionen der RAF Anfang der neunziger Jahre sowie wegen einigen Geldbeschaffungsaktionen in dem Zeitraum von 1999 bis 2016 gesucht. Der Prozess gegen Klette wegen der Geldbeschaffungsaktionen begann Ende März 2025 vor dem Landgericht Verden.

    Ein zweiter Prozess wegen der drei Aktionen der Kämpfenden Einheit und der RAF soll im Herbst 2026 vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt/M stattfinden. Die Anklageschrift wurde von der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe Ende März erstellt und dem OLG übergeben.

    Nach Ansicht der Verteidiger gibt es für eine Beteiligung Klettes an den acht Geldbeschaffungsaktionen keine Beweise.

    Das Gericht hat während des Verfahrens zudem gegen diverse Gesetze und Richtlinien verstoßen. Beim Auswerten der Daten ist eine kommerzielle KI-Software eines israelischen Unternehmens verwendet worden. Das sei rechtswidrig, die Daten dürften daher nicht für die Urteilsfindung verwendet werden, forderten die Verteidiger. Zudem seien von dieser KI nur belastende Daten herausgefiltert worden. Außerdem zweifelte die Verteidigung die Rechtmäßigkeit von Gutachten über DNA-Spuren an den Tatorten an. Mehrere Anträge der Verteidigung die zuständige Kriminalbeamtin beim LKA Niedersachsen Stefanie Santos vorzuladen, sind immer von den Richtern abgeschmettert worden. Nach Meinung vieler Beobachter *innen liegt hier ein triftiger Revisionsgrund vor, so dass das Urteil sicherlich aufgehoben werden wird.

    Die Verteidiger kritisierten ferner in ihren Plädoyer die überhöhten Sicherheitsvorkehrungen bei dem Prozess. „Wir verhandeln faktisch in einem Terrorismusverfahren“, so kritisierte der Anwalt Theune. Er begründete dies auch mit dem Sondergerichtssaal und dem Transport seiner Mandantin per Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen. Das habe mit einem normalen Strafverfahren nichts zu tun. Seine Mandantin werde vorverurteilt. Die ehemalige Reithalle in Verden-Eitze wurde für 3,6 Millionen Euro zu einem Gerichtssaal umgebaut.



    Einen Prozesstag zuvor hatte Klette ihr Plädoyer vor dem Landgericht Verden gehalten. Sie sagte, dass dieser Prozess ein politischer ist. Der berechtigte Widerstand soll delegitimiert werden. Am Ende ihres Plädoyers gab es von den Zuschauer*innen Beifall und ein kleines Transparent mit der Aufschrift „Free Ulm 5, Free Daniela“ wurde entrollt. Es kam zu einem kleinen Tumult, als Justizbeamt*innen das Transparent beschlagnahmten. Die jW wird ihre Erklärung in Kürze veröffentlichen. Die Richterkammer, die Staatsanwältin Marquardt und die drei Anwälte der Nebenklage behaupteten dagegen, dies sei ein ganz normaler Strafprozess. Die Staatsanwältin hatte in ihrem Plädoyer am 29. April die Höchststrafe von 15 Jahren gefordert. Am 27. Mai um 10.30 Uhr soll das Urteil verkündet werden. Nach der Urteilsverkündung wird eine Demo vom Gerichtsort in Verden-Eitze, Weitzmühlenerstrasse 48 in die Innenstadt von Verden stattfinden.

    Ariane Müller

    Grußwort für die Kundgebung am 12. Mai 2026 in Verden-Eitze

    Wir sind solidarisch mit Daniela, die heute Vormittag im Gerichtssaal ihr Plädoyer vorträgt und mit den Genoss*innen auf dieser parallel stattfindenden Kundgebung in unmittelbarer der Nähe des Prozessortes.

    Eine Genossin von der Gruppe Solidarität mit Daniela hatte am 20. und 21. Dezember 2025 auf der Internationalen Solidaritätskonferenz mit politischen Gefangenen in Paris, die von der TSP (Prisoners Voice Platform) organisiert wurde, teilgenommen und hatte über den laufenden Prozess gegen Daniela und über die Situation der Gefangenen von Ulm 5 berichtet.

    Auf der Konferenz haben wir die Stimmen von politischen Gefangenen aus 21 Ländern zusammengebracht – von Lateinamerika bis Afrika, von den USA bis Asien, von Europa bis zum Mittleren Osten.

    Die Konferenz hat es sich zum Ziel gesetzt, die Solidarität mit politischen Gefangenen weiter zu stärken und engere Beziehungen sowie Kooperationen zwischen Organisationen und Individuen, die sich weltweit für politische Gefangene einsetzen, zu entwickeln. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, ein Internationale Koordination für die Solidarität mit politischen Gefangenen zu gründen. Unsere Aufgabe ist es nun, diese Koordination funktional zu gestalten und die internationale Solidarität mit politischen Gefangenen weiter auszubauen.

    Das Exekutivkomitees zur Koordinierung der Arbeit:

    TSP (Plattform der Gefangenenstimmen)

    Internationale Koordination für die Befreiung politischer und revolutionärer Gefangener weltweit, Mexiko

    InSAF ((International Solidarity for Academic Freedom in India)

    Noel Hanrahan (Mumias Anwältin und Gründerin von Prison Radio), USA

    Solidarität mit Daniela

  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 51 / 10.5.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    wir möchten noch einmal auf die letzten 3 Prozesstage hinweisen:

    Dienstag, 12. Mai um 10 Uhr: Plädoyer des Anwaltes der Nebenklage, anschließend wird Daniela ihr Plädoyer halten und dann beginnen ihre Verteidiger mit ihren Plädoyers

    Mittwoch, 13. Mai um 9 Uhr: Plädoyers der Anwälte, Fortsetzung

    Mittwoch, 27. Mai 10 Uhr: Urteilsverkündung

    Am 12. Mai findet während des Prozesstages in unmittelbarer Nähe des Eingangsbereiches (Weitzmühlener Straße 48, Verden-Eitze) ein Kundgebung statt. Auch bei der Urteilsverkündung gibt es eine Kundgebung mit anschließender Demo in die Innenstadt von Verden.

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

    Ein Text von uns

    Der Prozess gegen Daniela Klette und der unendliche Terror mit den Zeugenvorladungen.

    Vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt am Main findet demnächst ein weiterer politischer Schauprozess gegen Daniela statt. Stellvertretend soll gegen sie, die Geschichte des fundamentalen Widerstandes in der BRD, die mit ihrem Leben, wie auch mit unserem Leben eng verbunden sind angegriffen werden. Daniela steht für einen bestimmten Zeitabschnitt der Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) vor Gericht, die sich 1998 aufgelöst hatte. Sie soll an zwei Aktionen der RAF beteiligt gewesen sein Es geht um den Beschuss der US-Botschaft in Bonn im Februar 1991 aus Protest gegen den völkerrechtswidrigen Einmarsch der US-Armee in den Irak und den Anschlag auf die noch nicht fertiggestellte JVA Weiterstadt im März 1993 sowie den versuchten Anschlag einer kämpfenden Einheit auf ein Computerzentrum der Deutschen Bank in Eschborn im Februar 1990. Daniela lebte weit über 30 Jahren in der Illegalität, ehe sie Ende Februar 2024 in Berlin verhaftet wurde. Die Mitgliedschaft in der RAF verjährt nach 25 Jahren. Im ersten Prozess gegen Daniela, der im März 2025 am Landgericht Verden begann, wegen diverser Geldbeschaffungsaktionen in dem Zeitraum von 1999 bis 2016 wird am 27. Mai 2026 das Urteil gesprochen. Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer Ende April 15 Jahre Knast.

    In der angespannten Lage der europäischen Kriegsvorbereitung will die Bundesanwaltschaft der obersten politischen Strafverfolgungsbehörde, für Staat und Kapital, verhindern dass der Funke überspringt und sich eine emanzipierte von Patriarchat befreite Gesellschaft gegen NATO, Staat und Kapital richtet. Wie sich zeigt, soll jedes menschliche Verhalten, jede Meinungsäußerung gegen ihre Kriege und Völkermorde erstickt oder gebrochen werden oder hinter einer dicken Betonmauern in den Knästen verschwinden. Weltweit stehen wir heute vor einer Herausforderung, wie sie die Menschheit noch nie erlebt hat! Daniela schrieb, es wird wichtig sein, «alles dafür zu tun, den 3. Weltkrieg und was er schon im Vorfeld mit sich bringt, zu verhindern.»

    Der Terror mit den Zeugenvorladungen wird weiter gehen und geht uns alle an, weshalb es notwendig wird, sich gemeinsam den Angriffen entgegenzustellen und die Einstellung des Prozesses gegen Daniela vor dem OLG Frankfurt im Herbst 2026 sowie die Aufhebung der Haftbefehle gegen Burkhard und Volker zu fordern. Gleiches gilt auch für die Antifa Ost, den Ulm-5 und den vielen anderen Verfahren. Somit trägt jeder Erfolg gegen ihre Repression, und sei er noch so klein, zur Stärkung des politischen Kräfteverhältnis auf unserer Seite bei und wirkt sich auch auf andere Verfahren aus.

    „Ohne politische Bestimmung und kollektive Zusammenhänge bleibt die Parole ‚Maul halten‘ jedoch nur eine unpolitische Direktive.“

    Die Parole «Anna und Arthur halten das Maul» verlangt somit heute wie früher ein öffentliches politisches Verhalten, um uns gemeinsam gegen ihre Angriffe zu wehren. Über 40 Menschen wurden bereits von der Bundesanwaltschaft (BAW) als Zeugen befragt und sollten durch Ordnungsgelder und drohender 6-monatiger Beugehaft zu Aussagen erpresst werden. Das politische Druckmittel Beugehaft gibt es in der EU nur in Deutschland und Österreich. Für Einlassungen gibt es aber keine Gründe, sie spielen nur den Verfolgungsbehörden in die Hände und sollen einschüchtern und verunsichern. Aus diesem Anlass wollen wir heute den weniger beachteten Verfahrensabläufen mehr Beachtung schenken, um unsere rechtlichen wie auch politischen Handlungsspielräume besser zu begreifen.

    Rechte, Pflichten und Spielräume

    Nach Paragraphen § 55 StPO besteht ein Aussageverweigerungsrecht bei Selbstbelastung, insbesondere wenn enge Angehörige betroffen sind. § 53 StPO regelt das Aussageverweigerungsrecht bestimmter Berufsgruppen. Das betrifft zum Beispiel Priester, Anwälte, Ärzte usw. Journalisten haben hingegen ein eingeschränktes Quellenschutzrecht. Und § 70 StPO regelt die Folgen einer unberechtigten Zeugnisverweigerung. Wird punktuell nur eine Aussage verweigert, die nicht darunterfällt, kann das zu einem Ordnungsgeld und unter Umständen auch zu einer Beugehaft führen. Hier muss im Einzelfall immer geprüft werden, ob eine Schweigepflicht vorlag. Bei sofortiger Vollziehung kann ein Antrag auf Aussetzung und Beschwerde gestellt werden.

    Wir gehen hier von einer «normalen» Zeugenbefragung aus, die uns mittels Vorladungen zugestellt wird, bei der keine Dringlichkeit auf Grund von unbegründetem Fernbleiben, Flucht usw. besteht. Oft lässt sich aber das, was zu einem «Bußgeld» geführt hat, nicht genau einschätzen. Der Umgang wird in diesem politischen Verfahren leider immer noch sehr privat gehandhabt. Mangelnde Transparenz unter uns kann zu falschen Einschätzungen und zur Verunsicherung führen, die uns alle betrifft.

    Wird ein Ordnungsgeld zum Beispiel nicht bezahlt, kann eine Ordnungshaft bis zu sechs Wochen drohen, die aber nichts mit einer Beugehaft zu tun hat. Entscheidend ist die Ermessensgrundlage: Das Gericht kann, muss aber nicht. Somit können sich aufgrund von politischem Druck, Ermessensspielräume ergeben, die uns zugutekommen.

    Verweigert eine Zeugin oder ein Zeuge allerdings ohne ein geltendes Zeugenverweigerungsrecht die Aussage, kann das Gericht zunächst wieder ein Ordnungsgeld verhängen. Bisher wurden Ordnungsgelder in Höhe von 500.- und 1000.- Euro verhängt. Derzeit lassen sich grob zwei Vorgehensweisen bei den Vorgeladenen erkennen, durch Anna & Arthur halten das Maul oder durch Erinnerungslücken und Nichtwissen. Beides ist für die Staatsanwaltschaft (StA) oder Bundesanwaltschaft (BAW) gerichtlich nicht verwertbar und kommt einer Nichtaussage gleich. An dieser Stelle müssen die Rechtsanwälte deutlicher von uns gefordert werden, rechtlich nicht zulässige Fragen abzuwehren. Tauscht euch auch während des Verhörs mit eurer Anwältin oder eurem Anwalt immer wieder aus!

    Im Verlauf der Zeugenvorladungen stellte sich raus, dass neben den Anwaltskosten auch die Bußgelder von Antirepressionsgruppen übernommen wurden. Somit fällt eine finanzielle Hürde weg und der unsinnige objektive Grund, sich bei den ersten Vorladungen auf die Befragung einzulassen.

    Die Anwälte können gleich zu Beginn der Vernehmung deutlich machen, dass generell die Aussage verweigert wird. Letzten Endes muss dies jede/jeder für sich selbst entscheiden. Legitim ist natürlich auch, die Aussage nicht gleich zu Beginn des Verhörs zu verweigern, sondern erst nach jeder Frage.

    Verlangt, dass mit der nächsten Frage fortgefahren wird, die ihr ebenso verweigern könnt. Der Grund dafür ist, dass euch zum Ende des Verhörs kein Protokoll ausgehändigt wird aber eure Anwälte die Möglichkeit haben, alle Fragen zu notieren, um später Rechtsmittel einzulegen. Anhand dieser Informationen könnt ihr eine Einschätzung machen und rechtlich wie auch politisch besser dagegen vorgehen.

    Fragen wie: Was haben sie vor 40 Jahren gemacht? Wie gut kennen sie Volker Staub oder Burkhard Garweg? Welche gemeinsamen Erlebnisse haben sie mit Daniela Klette? Wie stehen Sie zur RAF? haben nichts mit dem aktuellen Verfahren zu tun und dürften nicht gestellt werden. Dennoch kann das Gericht entscheiden, dass solche Fragen zulässig sind, um die „Glaubwürdigkeit der Zeugen“ zu prüfen. Doch woraus ergibt sich diese „Glaubwürdigkeit“? Unsere Anwälte müssen prüfen, ob solche Fragen rechtlich zulässig sind oder der Einschüchterung dienen. Nach § 241 Abs. 2 StPO dürfen Unzulässige, spekulative oder beleidigende Fragen verweigert werden.

    Eine Unterschrift solltet ihr und eure Anwälte am Ende des Verhörs unbedingt verweigern, zumal sie auch nicht verpflichtend ist. Hingegen hat eine Unterschrift eher negative Konsequenzen, die eure Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen kann und zu neuen Vorladungen führt. Als Zeugen solltet ihr nämlich darauf gefasst sein, mehrfach vorgeladen zu werden, das kann sich über Monate und Jahre hinziehen – solange das Verfahren läuft oder neu eröffnet werden kann. Es gibt also keine Ruhe im Karton!

    Beugehaft: Einschüchterung durch Eskalation

    Verhöre, Hausdurchsuchungen, Besuchsverbote und Zensur sollen uns isolieren, einschüchtern und von unseren Gefangenen entfremden. Mit der Beugehaft soll ein massiver Druck – existenziell, familiär, finanziell – aufgebaut werden, um uns als Zeugen für die Anklage dienstbar zu machen. Kommt es aber zu einer zweiten Vorladung, kann der Repression wieder mit der Aussageverweigerung begegnet werden. Grund dafür sind die gesetzlich geregelten Verfahrensabläufe.

    Nach einer Aussageverweigerung ohne rechtliche Grundlage kann das Gericht Beugehaft verhängen. Ein Beschluss darüber wird schriftlich zugestellt, wogegen Beschwerde mit aufschiebender Wirkung eingelegt werden kann. Erst wenn die Beschwerde abgelehnt wird, folgt eine Ladung zum Haftantritt.

    Die Beugehaft dauert maximal sechs Monate und wird unter regulären Haftbedingungen vollzogen – hat aber keinen Strafcharakter und muss sofort durch eine Aussagebereitschaft beendet werden. Daraufhin erfolgt erneut eine Vorladung zur Vernehmung, die wir in Begleitung unserer Anwälte wahrnehmen können.

    Einige werden sich vielleicht entscheiden, Fragen bei der Vernehmung zu beantworten, das muss aber nicht sein und ergibt auch keinen Sinn. Erinnerungslücken und Nichtwissen, sind strafrechtlich nicht verfolgbar und stehen einer Aussageverweigerung in nichts nach. Dass Erinnerungen nach so vielen Jahren getrübt sind und zu einer ungewollten selbstbelastenden Falschaussage führen können, ist den Gerichten hinlänglich bekannt. Selbstbelastende Aussagen dürfen rechtlich verweigert werden. Unbedachte Antworten können hingegen andere belasten – bereits die Aussage „Person X hat gesagt…“ kann eine weitere Vorladung auslösen. Durch die Verfahrensabläufe werden wir also rechtzeitig über jeden Schritt informiert und können unsere Entscheidungen in Ruhe zusammen mit anderen Menschen, die uns nahestehen überdenken. Die rechtliche Beratung unsere Anwälte hilft uns dabei weiter.

    Gegenöffentlichkeit und Mobilisierung

    Auch wenn die Klassenjustiz nicht in unserem Sinne entscheidet, können wir durch solidarisches Handeln politische Stärke entwickeln. Das dient nicht nur dem Eigenschutz, sondern auch anderen Menschen die politisch aktiv sind. Dazu sind aber vermehrt eigene Aktivitäten gefragt, die uns politisch fordern, während sich unsere Anwälte um die rechtliche Seite kümmern können. Gelingt es uns, uns aufeinander zu beziehen und Trennungen zu überwinden, stärkt das zudem unser Kräfteverhältnis und die Kämpfe gegen die Repression. Ob wir Erfolg haben, hängt maßgeblich von der Mobilisierung der Gegenöffentlichkeit und der Stärkung der Kämpfe ab. Natürlich werden nicht alle dabei sein, doch im kollektiven menschlichen Umgang wird sich Solidarität als Ort erweisen, an dem wir uns stärken können.

    Aussichten und Perspektiven

    Die Finanzierung von Anwälten und Bußgeldern sollte immerzu politisch öffentlich begleitet werden und lässt sich auch durch kreative Veranstaltungsformate umsetzen: Soli-Partys, Konzerte, Infoabende. Ob privat, in der WG oder öffentlich in einer Kneipe – wichtig ist, dass das Geld zurückfließt an die Stellen, die uns unterstützen. Flyer sind nach wie vor wirksam – besonders wenn sie persönlich übergeben werden. Gemeinsam mit der Roten Hilfe lassen sich Veranstaltungsorte finden, bei denen insbesondere auch zum Prozess von Daniela und den Zeugenvorladungen berichtet wird. Darüber hinaus sollte die aktuelle Kriminalisierung aller Protest- und Widerstandsbewegungen mit einbezogen werden. Es könnte eine riesige Party organisiert werden, bei der das Geld an die Rote Hilfe geht. Eine große, gemeinsame Soliparty wäre somit nicht nur finanziell sinnvoll, sondern auch ein starkes politisches Signal an uns alle, die wir gegen die Repression und für eine andere Gesellschaft zu kämpfen haben.

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Der erste Prozess gegen Daniela Klette wegen Geldbeschaffungsaktionen wird am 27. Mai 2026 vor dem Landgericht Verden mit der Urteilsverkündung am 68. Prozesstag zu Ende gehen. Der Prozess hatte am 25. März 2025 in Celle im Staatsschutzsaal des Oberlandesgerichts, ehe seit Ende Mai 2025 die Verhandlung in Verden-Eitze fortgeführt wurde. Dort wurde für 3,6 Millionen Euro eine ehemalige Reithalle zu einem Gerichtssaal umgebaut. Eine weiterer Prozess gegen Daniela wird im Herbst vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/M u.a. wegen der 2 Aktionen der Roten Armee Fraktion (RAF) Anfang der neunziger Jahre stattfinden. Daniela wurde Ende Februar 2024 in Berlin verhaftet und sitzt seitdem in der JVA Vechta für Frauen ein. Sie wurde als vermeintliches Ex-Mitglied der 1998 aufgelösten RAF seit über 30 Jahren gesucht.

    Kommt zum Prozesstag

    am 12. Mai 2026 um 10 Uhr,

    wenn Daniela ihr Plädoyer hält

    Ort: Weitzmühlener Straße 48, Verden-Eitze

    Daniela wird sich sehr freuen, wenn der Zuschauerraum (44 Plätze) von uns Freund*innen/Genoss*innen besetzt ist. Bitte seid an diesem Tag frühzeitig da, weil der Andrang auch durch die Medienvertreter*innen groß sein wird. Daher werden die Einlasskontrollen längere Zeit in Anspruch nehmen. Während des Prozesstages wird in unmittelbarer Nähe des Eingangs eine Kundgebung stattfinden.

    Auch zur Urteilsverkündung am 27. Mai 2026 rufen wir auf, zum Prozess zu kommen. Nach der Urteilsverkündung wird es eine Demo in die Innenstadt von Verden geben.

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    V.i.S.d.P.: solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 50 / 23.4.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    wir hatten im letzten Info erwähnt, dass der Prozess demnächst beendet ist. Die letzten 5 Prozesstage sind jetzt terminiert:

    am 28. April hält die Staatsanwaltschaft Verden durch die Staatsanwältin Marquardt ihr Plädoyer. An diesem Tag werden wir nicht vor Ort sein.

    Am 29. April werden zwei Anwälte der Nebenklage ihre Plädoyers vortragen.

    Am 12. Mai wird Daniela ihr Plädoyer halten. Allerdings wird der dritte Anwalt der Nebenklage vorher noch sein Plädoyer vortragen, da er am 29. April wegen eines anderen Gerichtstermin verhindert ist.

    Am 13. Mai werden die Verteiiger von Daniela, Undine Weyers und Lukas Theune ihre Abschlußplädoyers halten.

    Am 27. Mai ist dann die Urteilsverkündung.

    Wir hoffen, dass am 12. Mai um 10 Uhr die 44 Zuschauerplätze durch uns besetzt sind. An diesem Tag sollten wir schon recht früh da sein, weil die Einlasskontrollen für die Zuschauer*innen und die Presseleute wieder wie damals beim Prozessauftakt am 25. März 2025 in Celle längere Zeit dauern wird. Während dieses Prozesstages werden wir wieder in der Nähe des Eingangsbereiches eine Kundgebung abhalten. Der Mobilisierungsaufruf wird nächste Woche herumgeschickt. Auch zur Urteilsverkündung am 27. Mai um 10 Uhr werden wir mobilisieren und gleichzeitig auch wiederum eine Kundgebung anmelden. Ebenfalls an diesem Tag wird der Andrang riesengroß sein, denkt bitte daran. Nach der Urteilsverkündung gibt es eine Demo vom Prozessort in die Innenstadt.

    Gerichtsort: Weitzmühlener Straße 48 in Verden-Eitze

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

  • Pressemitteilung vom 10. April 2026

    JVA Vechta: Zensur und neue Schikanen gegen Daniela Klette

    Die Schikanen gegen das vermeintliche Ex-Mitglied der in 1998 aufgelösten Roten Armee Fraktion (RAF) Daniela Klette nehmen wieder zu. Sie wurde Ende Februar 2024 in Berlin verhaftet, nachdem sie über 30 Jahre von der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe wegen 2 Aktionen der RAF – 1991 die Schüsse auf die amerikanische Botschaft in Bonn-Bad Godesberg aus Protest gegen den völkerrechtswidrigen Einmarsch der USA-Armee in den Irak und 1993 gegen die erfolgreiche Sprengung des sich damals im Bau befindlichen Gefängnisses und Abschiebeknast in Weiterstadt sowie einer Aktion einer kämpfenden Einheit auf das Rechenzentrum der Deutschen Bank in Eschborn 1990 gesucht wurde. Außerdem soll Daniela Klette zusammen mit den noch gesuchten vermeintlichen Ex-RAF-Mitgliedern Burkhard Garweg und Volker Staub an 13 Geldbeschaffungsaktionen in den Jahren von 1999 bis 2016 beteiligt gewesen sein. Der Prozess wegen der Überfälle läuft seit Ende März 2025 am Landgericht Verden. Dieser Prozess wird höchstwahrscheinlich im Mai zu Ende gehen. Im Herbst wird ein weiterer Prozess gegen Daniela Klette wegen der Aktionen von 1990 bis 1993 vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/M beginnen. Die Anklage ist jetzt im März herausgegangen.

    Seit Ende Februar 2024 sitzt Daniela Klette in der niedersächsischen Justizanstalt für Frauen in Vechta ein. Sieben Wochen war sie in Einzelisolationshaft gewesen – ihre Zelle wurde 24 Stunden videoüberwacht, eine Metallblende war vor dem Fenster angebracht, so dass kein Sonnenlicht in ihre Zelle eindrang, Einzelhofgang und keinen einzigen Kontakt zu anderen Gefangenen. Erst nach öffentlichen Protesten unter anderem durch Kundgebungen vor der JVA hat Daniela Klette „normalere“ Haftbedingungen, die sich aber immer noch deutlich von den Haftbedingungen der anderen Untersuchungshäftlingen unterscheiden.

    Daniela Klette darf drei Publikationen beziehen. Sie hat u.a. ein Abo einer Tageszeitung aus Berlin. Gerade in letzter Zeit kommt öfters diese Tageszeitung aus welchen Gründen immer sehr unregelmäßig bei ihr an. Manchmal kommen sieben Ausgaben auf einmal. Da sie jetzt aber nur noch jeweils drei Zeitungen in ihrer Zelle haben darf, muss sie sich spontan für drei der sieben ankommenden Ausgaben entscheiden. Durch diese Zensurmaßnahme der Anstaltsleitung kann sich Daniela Klette nicht regelmäßig informieren.

    Ihre Zelle wurde bisher einmal in der Woche durchsucht. Jetzt aber wird seit kurzem mehrmals in der Woche die Zelle durchsucht und dies zu ungünstigen Zeiten wie z.B. wenn Klette in 10 Minuten zum Sport will und sie sich umziehen müsste. Sie darf einmal in der Woche Sport in der Halle betreiben.

    Auf den Transporten von der JVA zu dem Prozessort in Verden-Eitze und zurück gibt es die Anordnung aus Karlsruhe, Daniela Klette muss an den Händen und Füßen fixiert sein. Nun ist es aber so, dass jetzt die Fixierung auf diesen Fahrten besonders hart festgezurrt wird. Dies ist einem begleitenden Polizeibeamten am letzten Prozesstag am 8.April 2026 aufgefallen und hat diese Fixierung gelockert.

    Hier sei zu erinnern: Daniela Klette musste seit Beginn des Prozesses bis Mitte Juni 2025 auf Anordnung der JVA-Anstaltsleiterin auf den Fahrten eine 12 kg schwere Bleiweste tragen. Monatelang haben sie und ihre Anwälte auf dadurch verursachte anhaltende Kopf- und Nackenschmerzen hingewiesen. Die Gefängnisleitung begründete die Maßnahme damit, dass Daniela Klette auf den Transporten erschossen oder durch ein Sprengstoffattentat schwer verletzt werden könnte. Erst nachdem u.a. auch die Richter von dem Tragegewicht der Weste überzeugt waren – sie empfanden diese als schwer, belastend und unbequem. Die Richter stellten in einem Beschluss damals fest, dass »der Angeklagten, die über einen schlanken Körperbau verfügt«, durch die Weste und die Hand- und Fußfesseln »während des Transportes« geschadet werde. Daniela Klette könne ihre Sitzhaltung auf den zuletzt rund einstündigen Fahrten nicht ändern.

    Am 61. Prozesstag, dem 8. April 2026 haben die Verteidiger von Daniela Klette einen Antrag auf Vorladung der Anstaltsleiterin der Justizvollzugsanstalt Vechta für Frauen Frau Dr. Katharina Tebben gestellt, damit sie als Verantwortliche zu diesen Maßnahmen gegen Daniela Klette befragt werden kann.

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 49 / 1.4.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, ist die Anklage der Generalbundesanwaltschaft (GBA) gegen Daniela zum OLG Frankfurt rausgegangen.

    Dazu ein Artikel aus dem Legal Tribune Online (LTO);

    Generalbundesanwalt klagt Daniela Klette an „Das ist vor allem poli­tisch moti­viert“

    von Hasso Suliak

    Der mutmaßlichen Ex-Terroristin Daniela Klette wird die Beteiligung an drei RAF-Anschlägen Anfang der 90er-Jahre vorgeworfen. In zwei Fällen geht es um versuchten Mord. Ihr Anwalt spricht von einer „politisch motivierten“ Anklage.

    Ein Bank-Gebäude in Eschborn, eine Botschaft in Bad Godesberg, ein Gefängnis in Weiterstadt: In der Zeit von Februar 1990 bis März 1993 soll die im Februar 2024 in Berlin festgenommene Daniela Klette an drei Anschlägen der inzwischen aufgelösten Roten Armee Fraktion (RAF) mitgewirkt haben. Die Bundesanwaltschaft wirft der 67-Jährigen in ihrer Anklage in zwei Fällen versuchten Mord sowie versuchtes und vollendetes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, erpresserischen Menschenraub und besonderen schweren Raubes in Mittäterschaft vor. Die einschlägigen Strafvorschriften lauten: § 211 Abs. 2, § 311 Abs. 1 a. F., § 239a Abs. 1, §§ 249, 250 Abs. 2 Nr. 1, §§ 22, 23, 25 Abs. 2 Strafgesetzbuch (StGB).

    Eine mögliche Mitgliedschaft Klettes in einer terroristischen Vereinigung nach § 129a StGB ist nicht Gegenstand der Anklage. Die Tat gilt als verjährt.

    Einer von Klettes Anwälten, der Berliner Strafverteidiger Lukas Theune, kritisierte gegenüber LTO das Vorgehen der Bundesanwaltschaft als „vor allem politisch motiviert“. Die Anklage beruhe im Wesentlichen auf zweifelhaften Aussagen eines ehemaligen V-Manns.

    Klette befindet sich derzeit aufgrund eines Haftbefehls des Amtsgerichts Verden im Zusammenhang mit einem anderen Verfahren in Untersuchungshaft. Hinsichtlich der jetzt angeklagten Taten war Klette im März 2024 vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs ein Haftbefehl vom 9. Mai 2018 verkündet und sogenannte Überhaft vorgemerkt worden.

    Anschlag auf Deutsche-Bank-Gebäude scheiterte

    Der Generalbundesanwalt (GBA) geht in seiner auf den 23. datierten Anklageschrift davon aus, dass Klette der sogenannten dritten Generation der RAF angehört und sich in der Zeit von Februar 1990 bis März 1993 an drei Anschlägen der RAF maßgeblich beteiligt hat.

    Konkret habe Klette am Morgen des 25. Februar 1990 als Teil der „Kämpfenden Einheit Febe Elizabeth“ versucht, vor dem Verwaltungsgebäude der Deutschen Bank in Eschborn eine Sprengstoffexplosion auszulösen. „Hierzu stellten Mitglieder des Kommandos einen mit Doubletten-Kennzeichen versehenen Pkw VW Golf im Bereich der Toreinfahrt ab. Im Kofferraum des Fahrzeugs befanden sich insgesamt 45,05 Kilogramm Sprengstoff. Am Einbau des Sprengstoffs hatte Daniela Klette mitgewirkt“, ist die Anklagebehörde überzeugt.

    Zu einer Explosion kam es bei dem Anschlagsversuch nicht, weil letztlich die Zündvorrichtung versagte. Im Falle einer Detonation, so die Bundesanwaltschaft, hätte die Druckwelle aber den im Eingangsbereich des Gebäudes gelegenen Wachraum erfasst, in dem sich zu dieser Zeit drei Sicherheitsbedienstete der Deutschen Bank AG aufhielten.

    „250 Schüsse auf die amerikanische Botschaft“

    Der zweite Tatkomplex, der Klette zur Last gelegt wird, betrifft einen Anschlag im damaligen Bonner Diplomaten-Stadtteil Bad Godesberg.

    Am Abend des 13. Februar 1991 soll Klette dort zusammen mit anderen RAF-Mitgliedern als „Kommando Vincenzo Spano“ einen Schusswaffenanschlag auf die US-Botschaft ausgeführt haben. „Die Angeschuldigte feuerte gemeinsam mit zwei weiteren Schützen von der gegenüberliegenden Rheinseite aus mit automatischen Langwaffen mindestens 250 Schüsse auf das Botschaftsgebäude ab. Mindestens 57 Projektile trafen die Botschaft“, so die Anklage. Durch die Schüsse seien zwanzig Personen „unmittelbar gefährdet“ worden.

    Millionenschaden bei Anschlag auf JVA

    Der dritte Tatkomplex, der Klette zugerechnet wird, betrifft schließlich einen am 27. März 1993 auf die seinerzeit neu gebaute, aber noch nicht mit Gefangenen belegte Justizvollzugsanstalt (JVA) Weiterstadt. Dieser sei in den frühen Morgenstunden vom RAF-Kommando „Katharina Hammerschmidt“ durchgeführt worden. „Zu dem Kommando zählte auch Daniela Klette“, ist der GBA überzeugt.

    Mitglieder der Gruppe hätten bei dieser Tat die Anstaltsmauer überstiegen und unter Vorhalt einer Maschinenpistole das Wachpersonal sowie einige Vollzugsdienstanwärter überwältigt. Die Opfer seien gefesselt und in einem VW-Transporter vom Anstaltsgelände gebracht worden. Mitglieder des Kommandos hätten dann einem Geschädigten Fahrzeugschlüssel und Geldbörse abgenommen. „Später zündete das Kommando in der Justizvollzugsanstalt mehrere Sprengsätze, wobei Daniela Klette daran mitgewirkt hatte, die Sprengladungen anzubringen.“ Laut Bundesanwaltschaft entstand damals an dem Verwaltungsgebäude sowie an drei Zellengebäuden ein Gesamtschaden von etwa 63 Millionen Euro.

    Seit März 2025 Prozess am LG Verden

    Bei der Tat in Weiterstadt sollen auch Klettes mutmaßliche Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg dabei gewesen sein. Die beiden Männer sind weiter auf der Flucht, auch gegen sie wird ermittelt. Gemeinsam mit Klette sollen sie laut Staatsanwaltschaft Verden von 1999 bis 2016 Geldtransporter und Kassenbüros in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein überfallen haben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

    Wegen dieser Überfälle steht Klette schon seit Anfang März 2025 vor dem Landgericht Verden. Das Verfahren ist juristisch von dem der Bundesanwaltschaft getrennt und könnte bald enden. Möglicherweise beginnen die Plädoyers bereits nach Ostern.

    Verteidiger: BKA-Spurenauswertung entlastet Klette in zwei Fällen

    In einer ersten Reaktion kritisierte Klette-Verteidiger Theune die Anklageerhebung durch den GBA gegenüber LTO scharf. „Es ist bezeichnend, dass die Bundesanwaltschaft nunmehr doch noch Anklage erhebt, obwohl die DNA-Nachermittlungen größtenteils erfolglos verlaufen sind. Sie stützt sich dabei ganz wesentlich auf den Zeugen Klaus Steinmetz, obwohl der in der Vernehmung durch den sachbearbeitenden Staatsanwalt bereits angegeben hat, früher so viel gelogen zu haben, dass er nicht mehr sagen kann, was überhaupt jemals der Wahrheit entsprach.“ 

    Außerdem, so Theune, seien vom Bundeskriminalamt (BKA) mit hohem Aufwand 1.400 Spuren nachträglich untersucht worden – mit dem Ergebnis, dass jedenfalls bei zwei der drei vorgeworfenen Taten „keine der Spuren mit unserer Mandantin gematcht“ hätten. „Jetzt wird einfach trotzdem Anklage erhoben, als ob beides gar nicht passiert wäre. Das ist aus meiner Sicht vor allem politisch motiviert“, so Theune.

    Ehemaliger V-Mann als Hauptbelastungszeuge?

    Beim erwähnten Steinmetz, auf dessen Aussagen wohl die Anklage gegen Klette maßgeblich beruht, handelt es sich um einen ehemaligen V-Mann. Der heute 67-Jährige wurde bereits in den 80er-Jahren vom Verfassungsschutz angeworben. Unter dem Decknamen „Bruno“ bespitzelte er über Jahre die linksautonome Szene. Anfang der 90er-Jahre soll er dann Zugang zur Kommandoebene der RAF bekommen haben.

    Eine besondere Rolle spielte Steinmetz auch im Zusammenhang mit einem völlig aus dem Ruder gelaufenen GSG-Einsatz im mecklenburgischen Bad Kleinen im Juni 1993. Bei diesem starben der RAF-Terrorist Wolfgang Grams und ein GSG9-Beamter. V-Mann Steinmetz war damals als angeblicher Mit-Terrorist vor Ort und wurde zusammen mit RAF-Terroristin Birgit Hogefeld „überwältigt“. Bis heute steht der Fall für das Versagen von Behörden und Einsatzkräften: Der damalige Bundesinnenminister musste zurücktreten, der Generalbundesanwalt wurde des Amtes enthoben, hohe Beamte im Bundeskriminalamt wurden zwangsversetzt. 

    Steinmetz soll sich seit 1993 in einem Zeugenschutzprogramm des rheinland-pfälzischen Verfassungsschutzes befinden.

    OLG-Staatsschutzsenat erläutert die StPO

    Erhoben wurde die Anklage gegen Klette vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main (Az. 8 St 1/26). Zuständig ist dort der 8. Strafsenat (Staatsschutzsenat) unter Vorsitz von Jürgen Bonk. Dieser muss nun entscheiden, ob und wann es zum Prozess kommt.

    In einer eher ungewöhnlich ausführlichen Pressemitteilung erläuterte das Gericht am Freitag den üblichen Ablauf des weiteren Verfahrens: Nach der Anklageerhebung durch den GBA schließe sich nun das sogenannte Zwischenverfahren an. In diesem werde entschieden, ob das Hauptverfahren eröffnet und die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

    „Erster Schritt dieses üblicherweise einige Monate beanspruchenden Verfahrens ist, der Angeschuldigten Gelegenheit zu geben, sich zu den Anklagevorwürfen zu äußern“, so das Gericht. Nur wenn „die Wahrscheinlichkeit der Verurteilung die des Freispruchs überwiegt“, werde die Eröffnung des Hauptverfahrens nach § 203 Strafprozessordnung (StPO) gegen Klette beschlossen.

    Offenbar wegen des zu erwartenden Medienrummels hat sich der Senat mit der Pressemitteilung bewusst viel Mühe gegeben.

    Der Prozess in Verden geht nach der Osterpause weiter am 8. April 2026 um 10 Uhr weiter. An diesem Verhandlungstag dürfen die Verteidiger von Daniela noch einmal Anträge stellen. Der nächste Prozesstag ist dann ausnahmsweise am nächsten Montag, d. 13. April 2026 um 10 Uhr (am 14. und 15. April 2026 sind keine Prozesstage!). An diesem Tag werden voraussichtlich die Weichen gestellt, wann die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Anwälte der Nebenkläger gehalten werden. Wir gehen zur Zeit davon aus, dass dies an den Prozesstagen am 21. oder/und am 22. April sein wird. Höchstwahrscheinlich eine Woche später, am 28. April 2026, wird dann Daniela ihr Plädoyer abgeben. Danach werden ihre Verteidiger ihre Plädoyers vortragen. So wird dann wohl in der ersten Maihälfte mit der Urteilsverkündung der Prozess zu Ende gehen.

    Wichtig ist, dass an den beiden Prozesstagen, an dem Daniela ihr Plädoyer hält und an dem das Urteil gefällt wird, der Zuschauersaal voll besetzt ist. An diesen beiden Prozesstagen werden wir auch wieder in unmittelbarer Nähe des Gerichtsortes Kundgebungen abhalten.

    Es kann durchaus sein, dass wir nur eine sehr kurze Zeitphase für die Mobilisierung haben werden. Sobald die Termine fest sind, werden wir euch sofort über den Verteiler informieren.

    Hier in diesem Zusammenhang ein Aufruf aus Frankfurt:

    **Überall weiterleiten**

    Von Frankfurt nach Verden – Solidarität mit Daniela Klette!✊

    Rund ein Jahr läuft der Prozess gegen Daniela Klette. Inzwischen ist klar, dass im Mai ein Urteil gefällt werden und ein neuer Prozess ab Herbst 2026 am OLG Frankfurt stattfinden soll. Die Bundesanwaltschaft hat Anklage erhoben, Daniela werden drei Taten vorgeworfen, die der RAF zugerechnet werden. Vor den Gerichten, in unseren Vierteln und weltweit, egal wo wir hinschauen, sehen wir faschistische und autoritäre Bestrebungen, Krieg und strukturelle Gewalt.


    Für uns ist klar: Antifaschismus, linke Praxis und revolutionärer Widerstand waren und sind notwendig!  Deshalb rufen wir euch auf, fahrt zum Prozessende noch einmal gemeinsam mit uns nach Verden, um Daniela zu zeigen, sie ist nicht allein und kann auf unsere Solidarität zählen. Sie soll wissen, wenn sie für den nächsten Prozess in Frankfurt sein wird, kann sie auf uns zählen!

    ➡️ 28.04.2026, 8 Uhr, beim Gericht in Verden (52.909786,9.276439)

    Es wird vor Ort eine Kundgebung angemeldet für alle, die nicht mit ins Gericht können oder wollen. Wir empfehlen, mit dem Auto anzureisen; wenn ihr eine Mitfahrgelegenheit benötigt, meldet euch unter danielasoliffm@systemli.org oder fragt eure Freundinnen und Genossinnen.

    Solidarität mit Daniela Klette!✊🚩

    Die beiden Befangenheitsanträge von Daniela und ihrer Verteidiger gegen die drei Richter und den beiden Schöffen wurden letzte Woche von einer anderen Richterkammer am Landgericht zurückgewiesen.

    Am letzten Samstag, d. 21. März 2026 im Kontext zum 18. März haben wir wieder eine Demo und Kundgebung in Vechta abgehalten. Leider hat Daniela von der Kundgebung am Knast und der Demo um die JVA herum nichts mitbekommen. Während dieser Zeit wurde Daniela in der Zelle eingesperrt. Die anderen Mitgefangenen haben Daniela später von der Demo und Kundgebung berichtet. Es wurde ein Audiobeitrag von Mumia Abu-Jamal verlesen, den er extra für den 21. März verfasst hat. Außerdem wurden solidarische Grüße aus Frankreich live per Audioton übermittelt. An diesem Wochenende gab es dort ein Treffen zur Militarisierung des Gesundheitswesen in Europa mit Genoss*innen aus Frankreich, Italien, Kreta, der Schweiz, dem Baskenland und Deutschland. im Anhang dieses Info ist ein Solidaritätsfoto mit einigen Genoss*innen.

    Hier kommt jetzt Mumias Beitrag sowie drei weitere Redebeiträge für die Demo und Kundgebung am 21. März 2026 in Vechta – im Kontext zum weltweiten Tag der politischen Gefangenen am 18. März. Den vierten Beitrag haben wir leider nicht bekommen.

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    Kontakt: solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

    Grußbotschaft von Mumia Abu-Jamal für Daniela Klette, vorgetragen am 21. März 2026 auf der Solidaritätskundgebung vor dem Frauenknast in Vechta, Niedersachsen

    Hallo Daniela Klette!

    Ich sende dir hiermit meine solidarischen Grüße.

    Wir haben es mit einer wirklich bemerkenswerten Wendung in der Politik des Staates zu tun. Ich nenne das „Zurück in die Vergangenheit“. Ihr habt sicher von dem Film „Zurück in die Zukunft“ gehört. Was hier läuft, ist jedoch ein „Zurück in die Vergangenheit“, denn der Staat agiert, als wäre es wieder 1972 oder 1980. Dabei ist offensichtlich, dass es jetzt um die politische Verfolgung einer Person aufgrund ihrer früheren Verbindungen und politischen Handlungen geht, bei denen niemand persönlich zu Schaden gekommen oder verletzt worden ist. Es ist klar, dass dies ein politischer Prozess ist.

    Also Freispruch für Daniela Klette, und lasst sie endlich frei!

    Kehren wir nun endlich wieder in die Gegenwart zurück. Okay? Wir schreiben nicht mehr das Jahr 1972. Nicht einmal das Jahr 1982. Es ist an der Zeit, den Kalender umzublättern und das Leben im neuen Jahrhundert anzugehen. Das kapitalistische System versucht jetzt, Menschen zu bestrafen, deren Überzeugungen man vor Jahren abgelehnt hat und die man damals nicht zu fassen bekam. Sie heute für ihre Überzeugungen zu bestrafen, ist völlig absurd.

    Freiheit für Daniela Klette! Freispruch für Daniela Klette! Und zwar sofort!

    Danke sehr. Mit Liebe, nicht mit Furcht, hier spricht Mumia Abu-Jamal.

    Transkript der Audiobotschaft im Original
    (kursive Wörter wurden von Mumia auf Deutsch gesprochen):

    3 Redebeiträge von der Demo und Kundgebung in Vechta am 21. März 2026 in der Innenstadt:

    1.

    Moin zusammen

    Liebe MitstreiterInnen und Menschen in Vechta. Nun waren wir schon mehr als 10 Mal hier in Vechta und zeigen unsere Solidarität mit Daniela Klette. Ich möchte kurz darlegen, warum ich solidarisch mit Daniela bin. Zum Prozessbeginn vor einem Jahr habe ich darüber eine Rede in Celle gehalten. Seitdem ist viel passiert. Zum Prozessverlauf gab es ja gerade einen Beitrag. Daniela ist jetzt seit 2 Jahren hier in der JVA.

    Als ich vor zwei Jahren von Daniela’s Festnahme und der anschließenden Verhaftung gehört habe, hat mich das nicht unberührt gelassen.

    Warum?

    Daniela war und ist ein Teil des radikalen Widerstandes gegen die Zerstörungskraft des kapitalistischen Wertesystems.

    Wir haben in den letzten 40/50 Jahren für eine solidarische antikapitalistische, feministische und antifaschistische Gesellschaft gekämpft.

    Gegen das System der Ausbeutung, gegen das Patriarchat, gegen Atom und

    Kriegspolitik, imperialistische Angriffskriege und Rassismus konnten wir auch Erfolge erzielen.

    Hier in der BRD haben wir versucht Strukturen zu schaffen, in denen wir dass gelebt haben, für das wir kämpfen. Solidarisch, Feministisch und Kollektiv. Wir haben Häuser besetzt. Überall, so auch in Hamburg die Hafenstr. und in vielen anderen Städten in der BRD. Daniela war Teil dieser Bewegung.

    In den 80 iger Jahre haben wir uns mit den Gefangenen aus der RAF und des Widerstandes solidarisch gezeigt wie z. B. die Unterstützung der Hungestreiks. Daniela war Teil dieser Bewegung.

    Zu dem militanten Widerstand in den 70 iger 80iger und 90iger gehörten die RAF, die Bewegung zweiter Juni, die revolutionären Zellen, die Rote Zora und viele antiimperialistische und autonome Kleingruppen.

    Wir haben eine gemeinsame politische Vergangenheit und wir wissen, dass der Kapitalismus keine Antwort hat auf den Wahnsinn, den er selbst verursacht.

    Die Gier nach Profit zerstört weiter unsere Lebensgrundlage auf allen Ebenen und im rasanten Tempo. Diese Erkenntnis und der Kampf dagegen verbindet mich mit Daniela Klette.

    Es gibt einen schönen Satz

    Wenn du deinesgleichen im Stich lässt. lässt du dich nur selbst im Stich.

    In diesem Zusammenhang weise ich auf die vielen linken Menschen hin, die derzeit im Knast sitzen. Ich kann nicht alle aufzählen. Es sind vor allem Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand – Namentlich möchte ich Maya nennen, die unter unsäglichen Haftbedingungen in Budapest sitzt. Sie ist letztes Jahr illegal nach Budapest verschleppt worden. Vor ein paar Wochen wurde sie zu 8 Jahre Haft verurteilt. Stellvertretend erwähne ich noch

    Hanna, die in München zu 5 Jahren Haft verurteilt wurde. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

    In Düsseldorf und Dresden laufen zur Zeit noch weitere Verfahren gegen Antifaschisten.

    Trump und Orban haben die Antifa Ost, die es als Organisation so gar nicht gibt, als terroristische Vereinigung eingestuft. In diesem Zusammenhang wurde versucht, Konten der Roten Hilfe zu sperren.

    Wer zu dem sogenannten Antifa Ost Verfahren Fragen hat, kann sich gerne an uns wenden.

    Kriminalisiert werden Menschen aus der Klimabewegung, Menschen die sich für die Rechte von Kurdinnen und Kurden eingesetzt haben und Menschen die gegen die israelische Politik auf die Straße gehen.

    Ihnen allen gehört meine, unsere Solidarität.

    Wir erleben gerade eine Angriffswelle gegen linke Politik hier und weltweit. Angriffe auf ArbeitnehmeriInnenrechte, Angriffe weltweit auf Frauenrechte und für die Profitmaximierung weniger wird unsere Mitwelt/Umwelt zerstört. Gleichzeitig ein Erstarken der neuen und alten Rechten, Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft und völkerrechtswidrige Angriffskriege bestimmen das Nachrichten Geschehen und damit schlage ich wieder einen Bogen zu Daniela Klette. Der Kampf gegen diesen Wahnsinn hat uns verbunden und verbindet uns immer noch.

    An dieser Stelle auch einen Gruß an Volker und Burghard und allen Anderen Untergetauchten

    Freiheit, Glück und Gesundheit für Sie!

    Für eine Revolution, die für das Leben ist.

    Monika

    2.

    Ich möchte mich mit dem folgenden Redebeitrag insbesondere an die hoffentlich interessierten, leider aber wahrscheinlich eher nur einseitig informierten Einwohner*innen von Vechta wenden: Liebe Anwesende ! Wie Sie wahrscheinlich wissen, befindet sich Daniela Klette seit Februar 2024 hier in Vechta in der JVA für Frauen in Untersuchungshaft. Daniela Klette ist im Februar 2024 in Berlin festgenommen worden, weil ihr vorgeworfen wird, sich zusammen mit zwei weiteren Beschuldigten zwischen 1999 und 2016 an mehreren Überfällen auf Geldtransporter und Supermärkte beteiligt zu haben sowie als vermeindliches Mitglied der RAF bei mindestens zwei Aktionen der Gruppe zwischen 1991 und 1993 dabei gewesen zu sein. Möglicherweise können Sie sich daran erinnern, dass wir, die Gruppe „Solidarität mit Daniela“, schon mehrmals hier in Vechta demonstriert haben, um der Öffentlichkeit die politische Dimension eines Verfahrens aufzuzeigen, dem sich Daniela mittlerweile seit 35 Jahren ausgesetzt sieht – davon mehr als 30 Jahre gezwungenermaßen in der Illegalität, die letzten 2 Jahre in Untersuchungshaft und davon auch seit 1 Jahr vor Gericht. Auch wenn stets von Seiten der Repressionsbehörden betont wird, es sei ein ganz normales Verfahren: – die Art und Weise, wie mit öffentlicher Hetze Fahndungsmaßnahmen gegen Daniela, Burkhard Garweg und Volker Staub durchgeführt wurden und wie immer wieder eine angebliche Gewalt- und Tötungsbereitschaft der drei medial aufbereitet wurde, – die besonderen Haftbedingungen, insbesondere die anfängliche Isolationshaft, mit denen sich Daniela konfrontiert sieht, und – die extra für das Gerichtsverfahren in Verden für 3,6 Millionenen Euro zu einem Hochsicherheitstrakt umgebaute Reithalle, die von mit Maschinenpistolen bewaffneten SEK-Beamten bewacht werden …… sprechen eine andere Sprache! Es geht darum, die Geschichte des fundamentalen Widerstandes in Deutschland abzuurteilen, und der Verurteilungswille der staatlichen Repressionsmaschinerie wird immer dann auf Hochtouren gebracht, wenn politisch aktive Menschen das herrschende System nicht nur in Frage stellen, sondern auch erfolgreich dessen Strukturen angreifen – sei es durch Aktionen, erfolgreiches Leben in der notwendigen Illegalität oder dadurch, sich ihre politische Einstellung auch im Knast nicht brechen zu lassen! Zum aktuellen Stand des Verfahrens: Die Repressionsstrategen haben aus den o.g. Tatvorwürfen gegen Daniela nun zwei – zumindest auf dem Papier – voneinander unabhängige Verfahren gemacht und dabei offensichtlich mit der Auflösung der RAF 1998 die zeitliche Grenze gezogen. (Deutlich wird dies auch an den Zuständigkeiten der GBA für den ersten und der Staatsanwaltschaft Niedersachsen für den zweiten Teil der Verfahren.) Ein kurzer Faktencheck: 1.: Nachdem sich auch nach mehr als 30 Jahren Ermittlungen anscheinend nicht genügend Beweismaterial für eine Erfolg versprechende Anklage für ein Verfahren wegen der Tatvorwürfe aus der Zeit zwischen 1991-1993 ergeben hatte (nebenbei bemerkt: die vermeintliche Mitgliedschaft in einer kriminellen bzw. terroristischen Vereinigung wäre ohnehin verjährt, weshalb sicherheitshalber auch wegen versuchtem Mord ermittelt wird, der eben nicht verjährt) … nach den fehlenden Ermittlungsergebnissen also wurde entschieden, das von der zeitlichen Abfolge eigentlich 2. Verfahren dem 1. vorzuziehen. 2: Bei keiner der insgesamt 16 vorgeworfenen Taten kam es zu physischen Verletzungen eines Menschen. Dennoch lautet die Anklage in beiden Verfahren: versuchter Mord. (dazu später mehr)

    3.: Das Verfahren vor dem Landgericht Verden neigt sich seinem Ende entgegen. Daran, dass Daniela keine Anwesenheit an einem der Tatorte nachgewiesen werden kann, hat sich auch nach Ende der Beweisaufnahme nichts geändert. Ursprünglich waren Termine bis September 2026 angesetzt. Nun sind neben dem „Mordversuch“ 5 weitere Tatvorwürfe fallen gelassen wurden. Das Kartenhaus der Staatsanwaltschaft wackelt bedenklich. So haben sich das zumindest die Repressionsstrategen nicht vorgestellt. Sehr wahrscheinlich braucht es nun wohl doch noch ein zweites Verfahren, um Daniela möglichst lebenslang wegsperren zu können. Da bastelt die GBA allerdings offensichtlich immer noch an der Anklage. Drei Dinge noch zum Tatvorwurf „Mordversuch“, die auch zum Faktencheck gehören: 1. zu den Tatvorwürfen 1991-93, also zu einer Zeit, ab der Daniela die Mitgliedschaft in der RAF seitens der Repressionsbehörden unterstellt wird: Im April 1992 veröffentlichte die RAF eine „Deeskalationserklärung“, die besagt, dass es in Zukunft bei Aktionen der Gruppe zu keinen Angriffen auf führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat mehr kommen würde. Dies ist tatsächlich auch so eingehalten worden. Exemplarisch dafür ist, dass vor der Zerstörung des Neubaus der JVA Weiterstadt das Wachpersonal in ausreichende Entfernung wegtransportiert wurde, um nicht zu Schaden zu kommen. (Anmerkung dazu: von einer Deeskalition von Seiten des Staates kann hingegen nicht die Rede sein: bei der inszenierten Festnahme von 2 mutmaßlichen RAF-Mitgliedern am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen wurde einer der beiden, nämlich Wolgang Grams, von GSG-9-Beamten hingerichtet. Und, ganz aktuell: beim jetzigen Verfahren in Verden hat die Staatsanwaltschaft Daniela nahegelegt, die gesuchten Burkhard Garweg und Volker Staub aufzufordern, sich zu stellen , um „ein zweites Bad Kleinen zu verhindern.“) 2.: Daniela’s Festnahme in Berlin verlief völlig unspektakulär. Die später in ihrer Wohnung gefundenen Waffen waren nicht schussbereit, d.h. Waffen und Magazine getrennt voneinander sicher verstaut. In der Anklageschrift heißt es dann allerdings: „Großkalibrige Faustfeuerwaffen führten die Mitglieder der RAF ständig zugriffsbereit und geladen mit sich, wobei die Übereinkunft bestand, bei drohender Festnahme ohne Rücksicht von der Waffe Gebrauch zu machen, um eine Festnahme zu verhindern.“ (Ganz nebenbei: Am Anfang des Prozesses hat der Vorsitzende immer wieder betont: „Dies ist kein RAF-Prozess“) Wie gesagt: die Festnahme verlief völlig unspektakulär.

    3.: Sowohl Daniela als auch Burkhard Garweg haben in Prozesserklärungen bzw. mehreren öffentlichen Statements erklärt, dass (Zitat Daniela) „die Tötung von Menschen zur Geldbeschaffung unserem Selbstverständnis als radikale Linke vollkommen entgegensteht“. Und (Zitat Burkhard): „Für uns war es zu jeder Zeit undenkbar, ausgeschlossen und fern, für Geld zu töten oder jemanden deswegen physisch zu verletzen. Dafür stehen alle Jahrzehnte unserer Illegalität.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen und auch die Beweisaufnahme spricht Bände… All diese Informationen werden aber der Öffentlichkeit von den bürgerlichen Medien vorenthalten. Stattdessen wird die Vorverurteilung von Daniela mit einer medialen Hetzkampagne weiter vorangetrieben und eine genauere Betrachtung dessen, was hier passiert, verhindert. Unsere Aufforderung an Sie: Sehen Sie genauer hin! Hören Sie zu! Fragen Sie nach! Wie schon gesagt: wir demonstrieren hier und werden das auch immer wieder tun, um uns dieser Hetzkampagne entgegenzustellen. Denn: Unsere Solidarität ist stärker als ihre Repression! Wir lassen die Gefangenen nicht allein! Freiheit für Daniela Klette! Freiheit für alle inhaftierten Genoss*innen!

    Manfred

    3.

    Grußwort des Bundesvorstands der Roten Hilfe e. V. zum 18. März 2026

    Liebe Genoss*innen, liebe Freund*innen, liebe Rote Helfer*innen,

    wir freuen uns, dass in diesen Tagen so viele Veranstaltungen zum Tag der politischen Gefangenen stattfinden. Wir senden euch unsere solidarischen Grüße und wünschen euch allen einen erfolgreichen und kämpferischen Verlauf. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass so viele Menschen bei Kundgebungen in den Innenstädten und Demonstrationen vor den Knästen, bei Vorträgen und gemeinsamem Postkartenschreiben deutlich machen, dass die gefangenen Genoss*innen nicht vergessen sind, dass sie Teil unserer Kämpfe sind. Das ist umso wichtiger in Zeiten wie den jetzigen. Wir erleben eine Eskalation imperialistischer Ambitionen von Autokrat*innen, die sich auf der Straße in Gewalt und Unterdrückung übersetzt. Wir erleben Genozide in Palästina, im Sudan und andernorts, die kein Ende nehmen. Wir erleben die Angriffe auf die selbstverwalteten Strukturen in Kurdistan. Wir erleben einen neuen Krieg gegen den Iran. Wir müssen mit ansehen, wie autoritäre Staaten gegen ihre Zivilbevölkerung vorgehen – in den USA, im Iran, aber auch in Europa und der BRD. Damit wollen wir kein Schreckgespenst an die Wand malen, ganz im Gegenteil. Als politische Subjekte zeigen diese Entwicklungen uns nur, wie essenziell unsere politische Arbeit ist, geben uns Anlass, diese zu reflektieren und gemeinsam und solidarisch an neuen Perspektiven zu arbeiten, denn Hoffnung gibt es nur in Solidarität miteinander, und

    Solidarität ist unsere Waffe!

    Praktische und gelebte Solidarität ist noch notwendiger, wenn sich die Repression weiter verschärft, wenn die Zahl der Ermittlungsverfahren und Prozesse gegen linke Aktivist*innen weiter steigt, wenn immer häufiger Haftstrafen verhängt werden. Nicht nur weltweit sitzen zahllose Genoss*innen hinter Gittern, sondern auch hier – in Europa und in Deutschland. In den letzten Jahren müssen wir immer mehr politische Gefangene in hiesigen Knästen verzeichnen. Immer mehr Mitstreiter*innen werden aus unserer Mitte gerissen, brauchen unsere Unterstützung und unsere Solidarität. Seit Jahrzehnten war die Zahl der gefangenen Antifaschist*innen in Deutschland nicht so hoch wie heute – die meisten von ihnen sind in absurden Großverfahren angeklagt, und die Bundesanwaltschaft schreckt nicht einmal vor konstruierten Mordvorwürfen zurück. Zudem sitzen kurdische Politiker in Haft, die wegen Mitgliedschaft in der PKK mit Terrorverfahren überzogen werden. Die Ulm5 sind eingesperrt, weil sie gegen einen Rüstungskonzern protestiert haben, der den Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung mit neuen Waffen befeuert. Türkische Kommunist*innen sind ebenso in deutschen Gefängnissen wie Daniela, die im vergangenen Jahrhundert der Stadtguerilla angehört haben soll.

    Für sie alle und all die anderen inhaftierten Genoss*innen weltweit gehen wir am 18. März auf die Straße und kommen zusammen bei unterschiedlichsten Veranstaltungen. Der 18. März ist der Kampftag für die Freilassung der politischen Gefangenen und geht auf die Pariser Commune zurück, den revolutionären Stadtrat, der sich am 18. März 1871 bildete. Doch die Reaktion erstickte dieses sozialistische Projekt in Blut: Zehntausende Kommunard*innen wurden ermordet, zahllose weitere zu hohen Haftstrafen verurteilt oder in Strafkolonien deportiert. Der 18. März wurde damit sowohl zum Symbol dieses Leuchtfeuers emanzipatorischer Bewegungen als auch zum Inbegriff staatlicher Verfolgung. 1923 erklärte die Internationale Rote Hilfe das Datum zum Tag der politischen Gefangenen und initiierte jedes Jahr weltweit Solidaritätsaktionen – eine Tradition, die wir seit 1996 wieder aufgegriffen haben. Am 18. März gehen wir auf die Straße für unsere gefangenen Genoss*innen weltweit und rufen uns ihre Kämpfe ins Bewusstsein, denn ihre Kämpfe sind unsere Kämpfe. Zugleich sind die Demonstrationen und sonstigen Veranstaltungen rund um den 18. März nur ein Kristallisationspunkt: Wir müssen die gefangenen Genoss*innen immer in unsere Kämpfe einbinden, müssen immer unsere Solidarität praktisch werden lassen – 365 Tage im Jahr, bis alle frei sind.

    Für [Gefangene*n die*den ihr besucht!], für Emmi, für Daniela, für Mehmet, für Maja, für Mumia Abu-Jamal und für alle anderen,

    Freiheit für alle politischen Gefangenen!

  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 48 / 25.3.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    nach der Osterpause geht der Prozess am 8. April 2026 um 10 Uhr weiter. An diesem Verhandlungstag dürfen die Verteidiger von Daniela noch einmal Anträge stellen. Der nächste Prozesstag ist dann ausnahmsweise am nächsten Montag, d. 13. April 2026 um 10 Uhr (am 14. und 15. April 2026 sind keine Prozesstage!). An diesem Tag werden voraussichtlich die Weichen gestellt, wann die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Anwälte der Nebenkläger gehalten werden. Wir gehen zur Zeit davon aus, dass dies an den Prozesstagen am 21. oder/und am 22. April sein wird. Höchstwahrscheinlich eine Woche später, am 28. April 2026, wird dann Daniela ihr Plädoyer abgeben. Danach werden ihre Verteidiger ihre Plädoyers vortragen. So wird dann wohl in der ersten Maihälfte mit der Urteilsverkündung der Prozess zu Ende gehen.

    Wichtig ist, dass an den beiden Prozesstagen, an dem Daniela ihr Plädoyer hält und an dem das Urteil gefällt wird, der Zuschauersaal voll besetzt ist. An diesen beiden Prozesstagen werden wir auch wieder in unmittelbarer Nähe des Gerichtsortes Kundgebungen abhalten.

    Es kann durchaus sein, dass wir nur eine sehr kurze Zeitphase für die Mobilisierung haben werden. Sobald die Termine fest sind, werden wir euch sofort über den Verteiler informieren.

    Die beiden Befangenheitsanträge von Daniela und ihrer Verteidiger gegen die drei Richter und den beiden Schöffen wurden letzte Woche von einer anderen Richterkammer am Landgericht zurückgewiesen.

    Am letzten Samstag, d. 21. März 2026 im Kontext zum 18. März haben wir wieder eine Demo und Kundgebung in Vechta abgehalten. Leider hat Daniela von der Kundgebung am Knast und der Demo um die JVA herum nichts mitbekommen. Während dieser Zeit wurde Daniela in der Zelle eingesperrt. Die anderen Mitgefangenen haben Daniela später von der Demo und Kundgebung berichtet. Es wurde ein Audiobeitrag von Mumia Abu-Jamal verlesen, den er extra für den 21. März verfasst hat. Außerdem wurden solidarische Grüße aus Frankreich live per Audioton übermittelt. An diesem Wochenende gab es dort ein Treffen zur Militarisierung des Gesundheitswesen in Europa mit Genoss*innen aus Frankreich, Italien, Kreta, der Schweiz und Deutschland.

    Wir werden in Kürze den Beitrag von Mumia und weitere Redebeiträge von der Demo und Kundgebung in nächsten Info veröffentlichen.

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 47 / 10.2.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    Daniela hatte ein Grußwort für die Rosa Luxemburg Konferenz (RLK) am 10.1.2026 geschrieben, welches Alex und Ariane vortragen sollten. Die Grußbotschaft ist als Brief von Daniela an Ariane geschickt worden, der dann vor dem 10.1.2026 von der Generalbundesanwaltschaft (GBA) als Beweismittel beschlagnahmt wurde.Der Staatsschutz wollte wohl verhindern, dass der Beitrag von Daniela nicht auf der RKL verlesen werden kann, nachdem ihre Grußbotschaft auf der RLK 2025 begeistert aufgenommen wurde. Jetzt endlich ist der Brief angekommen. Die Grußbotschaft veröffentlichen wir hier, ebenso wie die junge Welt auszugsweise in der Printausgabe und vollständig auf der Online-Seite vom 11. 2.2026.

    Hier die aktualisierten Prozesstermine im Februar (Prozessort: Weitzmühlenerstr. 48 in Verden-Eitze):

    17.2.2026 um 10 Uhr

    24.2.2026 um 10 Uhr

    25.2.2026 um 9 Uhr

    Mit solidarischen Grüßen

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

    Grußwort von Daniela Klette auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin am 10. Januar 2026

    Liebe Genoss*innen.

    Vor einem Jahr übermittelte Rolf Becker auf der 30. internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz mein Grußwort. Viele haben mir danach begeistert davon erzählt, wie ausdrucksvoll er das gemacht hat und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass es bei ihm in so guten Händen war. Während ich hier sitze und schreibe, habe ich in den Nachrichten gehört, dass Rolf Becker gestorben ist. Ein so großer Verlust – ein besonderer Mensch, Genosse. Dessen Leben immer mit dem Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse verbunden war. Er fehlt heute und wird doch präsent bleiben. Mein Mitgefühl gilt besonders denen, die nah mit ihm lebten, seinen Freund*innen, Genoss*innen und seiner Familie.

    Ich war im Februar 2024 nach 3 Jahrzehnten solidarisch erfüllten Lebens in der Illegalität festgenommen worden. Nun bin ich im 2. Jahr Gefangene in Vechta. Ein Urteil im 1. Justizverfahren soll in wenigen Monaten gegen mich gesprochen werden. Ein Ende meiner Gefangenschaft ist nicht abzusehen. An 49 Tagen wurde ich 2025 an Händen und Füßen gefesselt mit einem Polizeiaufgebot zur eigens für diesen Prozess umgebauten 3,6 Millionen Euro teuren ehemaligen Reithalle transportiert.dieser ebenfalls von einem Polizeiaufgebot belagerte Ort ist so gewählt, dass es für Prozessbeobachter

    *innen eine große Herausforderung ist, ihn überhaupt zu erreichen. Ein zweifellos abschreckendes Szenario, dass dem Zweck dient, meine angebliche „Gemeingefährlichkeit“ vorzuführen, die eine Fiktion staatlicher Behörden und der bürgerlichen Medien ist. Stets wird vertont, es sei ein ganz normales Verfahren, was sich bereits durch dieses Szenario widerlegt. Es widerlegt sich auch durch das unbedingte Bemühen der Staatsanwaltschaft, trotz besseres Wissens unsere Gefährlichkeit und angebliche Gewalt- und Tötungsbereitschaft für den Raub von Geld herbei zu fabulieren.

    Wenn etwa im Prozess sogar eine tragischerweise durch den Überfall retraumatisierte Zeugin das höfliche und zurückhaltende Auftreten derer, die ihr bei einem der Überfälle begegneten, betont, was in diesen Moment beruhigend auf sie wirkte, ist das nicht das, was die Staatsanwaltschaft hören will. Auch nicht, dass dieses beruhigende Verhalten durch weitere Aussagen bestätigt wird. Kein Wunder, denn ihr Ziel ist es, die Fahndungshetze gegen Burkhard und Volker weiterhin zu legitimieren sowie eine möglichst hartes Urteil mit möglich langer Haftdauer gegen mich zu erreichen. Damit folgt sie der traditionsreichen Geschichte der deutschen Justiz – wer sich nicht unterwirft und nicht verrät und nicht als gebrochener Mensch vorgeführt werden kann, wird durch staatliche Macht abgestraft.

    Dieser Angriff, mit dem ich hier konfrontiert bin, ergibt sich nicht nur aus den mir vorgeworfenen Taten, sondern er richtet sich gleichzeitig auch gegen die Geschichte des fundamentalen Widerstandes in der BRD, mit der auch mein Leben verbunden ist. Diese ist Teil der Widerstandsgeschichte, in der in Jahrzehnten weltweit Menschen in unterschiedlichsten Formen und Bewegungen wegen Kapitalismus, Imperialismus und Patriarchat aufgestanden sind. Und es ist zugleich die Geschichte von Versuchen, Emanzipation und Befreiung zu erreichen, die seit Jahrhunderten existiert. In den nicht versiegenden Träumen von einer gerechten Welt, in der die Menschen einander zugewandt und mit Respekt und in Einklang mit allen anderen Lebewesen und der Natur leben und in den heutigen Versuchen, dies zu erreichen, lebt sie fort.

    Die BAW (Bundesanwaltschaft) steht für den nächsten Prozess gegen mich schon in den Start- löchern.

    Hierbei soll ich angeklagt werden

    -1. für einen versuchten militanten Angriff am Anfang der 1990er Jahregegen die damals wohl mächtigste Bank Westeuropas

    -2. wegen der Zerstörung eines Gefängnisneubaus in Weiterstadt durch die RAF 1993

    -3. wegen einer bewaffneten Antikriegsaktion der RAF gegen den Irakkrieg 1991

    In den beiden seit 1991 von den USA geführten Kriegen gegen den Irak und wegen der nachfolgenden Sanktionen wurden viele tausende Kinder getötet. Jahre später darauf angesprochen antwortete die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright, diese Kriege seien trotzdem richtig gewesen. Kein/e Verantwortliche/r für die vielen tausenden getöteten Menschen und einem zerstörten Land und für die weitere Kette der westlichen Krieg im Nahen Osten bis hin zum heutigen Genozid in Gaza und für die durch Waffengewalt und Sanktionen verursachten Millionen von Toten verbrachte auch nur einen Tag seines/ihres Lebens in einem Gefängnis. Die mir vorgeworfenen Widerstandsaktionen richteten sich gegen wesentliche Aspekte des ganzen brutalen Irrsinns dieses Systems.

    Gegen Kriege, die nur dem Profit der Wenigen dienen, gegen die Macht des Kapitals, und gegen ein Gefängnissystem, dass Arme, Aufmüpfige, Migrant*innen in Abschiebehaft, Widerständige und politische Gefangene disziplinieren, brechen und wegsperren soll. Alles, wogegen sie sich auflehnten, existiert heute heftiger fort denn je zuvor. Wenn ich nur darauf schaue, in welch rasender Geschwindigkeit sich die Einschätzungen von vor einem Jahr zu Militarisierung und Kriegsertüchtigung dem dafür auf allen Ebenen notwendigen Umbau der Metropolenesellschaften bewahrheitet haben. Diese Militarisierung bedeutet auch das Ausblenden und Verdrängung aller sozialen Belange und ökologischer Dringlichkeiten aus dem gesellschaftlichen Diskurs. Stattdessen soll Angst erzeugt werden – vor den die sozialen Systeme angeblich überfordernden Hilfesuchenden, ob Geflüchtete oder arme Menschen, die zudem meist Kriminelle oder zumindest Schmarotzer seien

    – vor dem Verlust der Existenzberechtigung bei ausbleibender Steigerung der Profite der Konzerne

    – vor dem angeblich kriegsdürstenden Russland und der wachsenden Stärke Chinas.

    Das soll den Boden dafür bereiten, auf dem die Menschen alles akzeptieren, oder, falls nicht, mit wachsender Repression unterdrückt werden.

    Davon sind derzeit in der BRD die Palästina-Solidaritätsbewegung, die antikapitalistische Antikriegsbewegung und Teile der Antifa-Bewegung besonders betroffen sind. Auch mit politischen Gefangenen solidarische Menschen werden durch die staatliche Repression angegriffen.

    Die Probleme durch die Krise des westlichen kapitalistischen Systems sollen auf den unteren Teil der Gesellschaften durch Lohnabbau, Einsparungen und Beschneidung in sozialen gesundheitlichen und fürsorgenden Bereichen abgewälzt werden – trotz der Gewissheit, dass sich durch Armut, Krankheit und Verzweiflung ausbreiten werden.

    Nach Außen setzt die sogenannte „Westliche Wertegemeinschaft“ auf die militärische Option zum Erhalt bzw. zur Durchsetzung von Macht. In der Perspektive dieser Politik der Macht des militärisch Stärkeren sollen Millionen zum Kanonenfutter werden und diesmal auch wieder in den westeuropäischen Kernländern, wie wir es schon aus den beiden von Deutschland begonnenen Weltkriegen wissen. Auch wenn es noch so irrational ist – die Bereitschaft, die Welt für den Profit der Wenigen in den Abgrund zu befördern, liegt in der Logik kapitalistischer Herrschaft.

    „Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“

    es sind Viele, die im Zusammenhang vielfältiger Widerstandsgeschichten gegen den kapitalistischen Irrsinn in den weltweiten Gefängniskomplexen eingesperrt sind. Mumia Abu Jamal, seit 44 Jahren politischer Gefangener in den USA, Ahmad Sa`adat, Gefangener aus dem palästinensischen Widerstand der PFLP in Israel, die Filton 24 – Gefangene aus der Bewegung Palestine Action in England (die zum Zeitpunkt der RLK im Hungerstreik sind), die Ulm 5, Maja, Hanna und alle anderen Antifas, Andreas Krebs und die gefangenen Gefährt*innen Marianna, Dimitra und Dimitris Chatzivasileiadis in Griechenland, die seit Jahrzehnten Gefangenen aus der Grapo/PCR in Spanien und den BR in Italien, die gefangenen Genoss*innen in der Türkei, die seit Monaten gegen Isolationsfolter und Sonderhaftgefängnisse im Hungerstreik sind, die inhaftierten kurdischen Genoss*innen in den deutschen Knästen und die tausenden Gefangenen aller Kontinente, die ich hier nicht aufzählen kann. Sie alle leben inmitten dieses kapitalistischen irrsinns. Alle brauchen eine Perspektive internationaler gesellschaftlicher Befreiung und die Perspektive der Freiheit.

    Solidarität gibt Kraft, diesen Irrsinn zu überleben und Gegenöffentlichkeit schützt.

    Überall auf der Welt bewegt Menschen dringlicher denn je die Frage, wie die turbulent auf Zerstörung hinauslaufende Verhältnisse zu überwinden sind.

    Und diese Frage bewegt auch mich.

    Ich denke, dafür wird Verschiedenes wichtig sein: Alles dafür zu tun, den 3. Weltkrieg und was er schon im Vorfeld mit sich bringt, zu verhindern. Weiterhin gegen den hinter einem angeblichen Waffenstillstand versteckt fortgeführten Genozid in Gaza und der schrittweisen Annektion des Westjordanlands durch Israel Widerstand zu leisten und die fortschreitende Vernichtung der ökologischen Lebensgrundlagen aufzuhalten. Die Aggressionen und Zerstörungen zu stoppen wird uns nur in großen Bewegungen gemeinsam und internationalistisch gelingen.

    Ich finde es auch wichtig, dass diejenigen, die schon lange in den Kämpfen dabei sind, die Verantwortung übernehmen, die Fragen der Jüngeren danach zu beantworten, woran es liegt, dass wir bis heute nicht durchgekommen sind …….. so klar und behutsam wie möglich herauszuarbeiten, was Fehler waren, die nicht wiederholt werden müssen und was objektive Hürden, die wir auf neu herauszufindenden Weisen überwinden müssen. Das ist selbstverständlich ein Prozess, der Zeit braucht. Und es muss auch ganz bewusst wieder um Wege menschlicher Emanzipation gehen, herauszufinden, was wir in die Welt setzen können, das über ein Leben in der kapitalistischen Gesellschaft und unter ihren Regeln hinausweist und den Glauben an die Quasi naturgegebene (oder neuerdings wieder Gott gegebene) Macht dieses Systems überwinden kann.

    Danke für die Gelegenheit mit meinen Gedanken hier sein zu können, trotz meiner isolierenden Lebensbedingungen, die mich von den politischen Diskussion ausschließen sollen.

    Ich bin gespannt darauf, von den internationalen Beiträgen und euren Auseinandersetzungen zu erfahren und wünsche euch interessante und produktive Diskussionen und eine gute Zeit auf der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz.

    Herzliche, solidarische und kämpferische Grüße

    Daniela Klette

  • Solidarität mit Daniela

    Info Nr. 46 / 1.2.2026

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    Die Solidarität lässt für sie, so sagt Daniela, die Sonne aufgehen“

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    Hallo,

    das neue Info ist diesmal wieder sehr umfangreich:

    1. Ein paar News

    2. Wolfgang aus Hamburg: Ordnungsstrafe, Bericht zu seiner Zeugenvorladung

    3. Das Grußwort von Daniela für die Trauerfeier von Rolf Becker

    4. Das Grußwort von Burkhard für die Rosa Luxemburg Konferenz

    5. Konferenz mit politischen Gefangenen in Paris:

    Rede von Zaid

    – Redebeitrag von Ariane

    Interview mit Paola

    6. Budapest-Komplex

    1.

    Daniela hatte ein Grußwort für die Rosa Luxemburg Konferenz (RLK) am 10.1.2026 geschrieben, welches Alex und Ariane vortragen sollten. Die Grußbotschaft ist als Brief von Daniela an Ariane geschickt worden. Der Redebeitrag ist von der Generalbundesanwaltschaft (GBA) als Beweismittel beschlagnahmt worden. Der Brief mit dem Redebeitrag soll dann aber weiter an Ariane weitergeleitet werden. Bis Ende Januar ist der Brief bei Ariane noch nicht angekommen. Sobald er da ist, wird das Grußwort von Daniela in der jungen Welt veröffentlicht. Fakt ist, der Staatsschutz wollte wohl verhindern, dass der Beitrag von Daniela nicht auf der RKL verlesen werden kann, nachdem ihre Grußbotschaft auf der RLK 2025 begeistert aufgenommen wurde.

    Wir wissen nicht, wie lange der Prozess gegen Daniela in Verden-Eitze noch gehen wird. Wir rechnen mit einem Prozessende gegen Ende März oder April. Der letzte Zeuge war am 20. Januar geladen worden. Hier die Prozesstermine im Februar (Prozessort: Weitzmühlenerstr. 48 in Verden-Eitze):

    10.2.2026 um 10 Uhr

    11.2.2026 um 9 Uhr

    17.2.2026 um 10 Uhr

    18.2.2026 um 9 Uhr

    24.2.2026 um 10 Uhr

    25.2.2026 um 9 Uhr

    Am 7. Februar 2026 wird das nächste bundesweite Solidaritätstreffen stattfinden. Wer Interesse an einer Teilnahme hat, schreibt bitte eine Mail an die Gruppe.

    Im Kontext mit dem Tag der politischen Gefangenen am 18. März wird es am 21. März 2026 in Vechta wieder eine Demo und Kundgebung geben.

    Mit solidarischen Grüßen

    Gruppe: Solidarität mit Daniela

    solidarisch-mit-daniela@t-online.de / www.solidarisch-mit-Daniela.de

    2.

    1000 Euro Ordnungsstrafe für Wolfgang:

    1000€ Bußgeld wegen „Anna und Artur“
    Gegen Wolfgang, Mitglied  des Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen und des Gefangenen Info, ist wegen Aussageverweigerung ein Bußgeld von über 1000 € verhängt worden, wie er durch seinen Anwalt  erfuhr. Das Schreiben aus Karlsruhe von Generalbundesanwaltschaft  erhielt er nicht! Er sollte wegen des seit über 30 Jahren gesuchten Volker Staub aussagen!
    Die GBA greifen vor allem seinen öffentlichen Bericht von der Anhörung vom 10.12. in Hamburg an und „kritisieren“ u.a. auch seinen offensiven Umgang zu Aussageverweigerung: Anna und Artur halten das Maul!
    Es könnte weitere Repression folgen!
    Wolfgang hat aber viel Solidarität erfahren. Zuletzt auch von der Anti-Imperialistische
    n Front:
    https://political-prisoners.net/wir-sind-solidarisch-mit-wolfgang-lettow/36906/
    Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen

    Auch die Rote Hilfe Belgien solidarisiert sich mit Wolfgang, der auch Mitgliede der RHI ist
    https://political-prisoners.net/deutschland-solidaritaet-mit-wolfgang-lettow-angesichts-staatlicher-repression/36924/

    Bericht von meiner Zeugenvorladung am 10.12.25 in Hamburg:

    Am Mittwoch, den 10.Dezember hatte ich eine Vorladung in einem Hamburger Polizeirevier in Billstedt:
    Meine Zeugenvorladung lief über die Generalbundesanwaltschaft (GBA) wegen Volker Staub und „Mord“.
    Dabei soll es sich wohl um die Aktion 1991 des Kommandos Ulrich Wessel der RAF gegen den Treuhandchef Rohwedder handeln. Durch diese Behörde haben viele Arbeiter:innen ihren Job in der ehemaligen DDR verloren.
    Ich war in Begleitung meines Anwaltes Johannes Santen. Anwesend von der Gegenseite waren drei junge Beamte des BKA aus Meckenheim.
    Für mich war klar, ich werde nichts sagen. Also Aussageverweigerung.
    Was wollten sie denn wissen, fragte mein Anwalt?
    Sie hatten daraufhin eine Menge Fragen und Fotos für mich parat.
    Es ging dabei um eine Wohngemeinschaft 1978 in Hamburg, in der Volker und ich gelebt haben sollen:
    Wie waren da die persönlichen und politische Verhältnisse untereinander ?
    Dazu muss ich sagen, dass nur durch Aussagen 2 ehemaliger WG-Mitglieder, die Bullen auf uns beide gestoßen sind.
    Später wurden diese Denunziationen im Münchener RAF-Prozess gegen Volker verwendet. Er wurde zu 4 Jahren Knast verurteilt und 1988 entlassen!
    Eine weitere Frage war: Wie habe ich ihn kennengelernt?
    Da ich Aussageverweigerung praktizierte, wurde die Befragung beendet .Die ganze Verhandlung wurde schriftlich von den Beamten festgehalten.

    Wie geht es weiter?
    Es droht evtl. weitere Vorladungen und Bußgelder und schlussendlich Beugehaft bis zu 6 Monaten.

    Fazit
    Schon 1984 nach der Verhaftung von Volker hatte ich eine Vorladung. Habe damals auch die Aussage verweigert.
    Auch wenn die Fragen bald 50 Jahre zurückliegen:
    Wie damals unsere politischen Beziehungen waren, geht der Klassenjustiz auch akut nichts an.
    Die ganzen zirka bisher 40 Vorladungen wegen Daniela, Burkhard und Volker dienen zu Abschreckung nicht nur für die älteren, sondern auch für alle jüngeren Kämpfer:innen: Wie sind alle akut von Repression, Vorladungen und Knast wegen unserer antifaschistischen, internationalistischen, antimilitaristischen und klassenkämpferischen Aktivitäten gegen das herrschende System betroffen.
    Auch heute ist mir und hoffentlich auch allen anderen noch einmal klar geworden, wie wichtig es ist, nichts zu sagen: War schon 1984 so und heute ebenso!Aussageverweigerung ist immer ein notwendiger Widerstand!
    Zusätzlicher Grund der Vorladungen: Die Klassenjustiz blickt nicht durch, will deshalb alles erfassen und erforschen, wie und warum sich immer wieder Widerstand – früher wie heute – gegen diese imperialistische Bestie BRD erhebt.
    Anna und Arthur halten das Maul!
    Freiheit für Daniela Klette!
    Solidarität mit Volker, der seit über 30 Jahren gesucht wird und allen weiteren Untergetauchten!
    Freiheit ist nur durch Widerstand möglich!

    Wolfgang
    (ist Mitglied im Netzwerk Freiheit für alle politische Gefangenen)

    3.

    Ein Grußwort von Daniela für die Trauerfeier von Rolf Becker am 7. Januar 2026 in Hamburg:

    Liebe Freund*innen, liebe Genoss*innen und liebe Familie Rolf Becker, die heute zusammengekommen sind, um gemeinsam zu trauern, an ihn zu denken und dabei sein Leben zu feiern.

    Ich habe erst nach der letzten Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar 2025 mehr über ihn erfahren. Er hat damals mein Grußwort für die Konferenz vorgelesen. Danach haben mir viele so begeistert davon berichtet, in welch beeindruckender Weise er das gemacht hat.

    Er hatte durch seine eigene Verbundenheit zum Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse im Lesen eine Verbindung für mich zu den zuhörenden auf der Konferenz geschaffen.

    Darüber habe ich mich sehr gefreut und ab da viel aufmerksamer alles aufgenommen, was ich über ihn lesen konnte oder erzählt bekam.

    Da war letztes Jahr die rosa-Luxemburg-Preisverleihung durch die junge Welt, ich hörte von seiner Solidarität mit Palästina, mit politischen Gefangenen , seinen Antifaschismus und Antimilitarismus, von den Bettlermärschen (in Hamburg, SmD) und Beiträgen auf linken Straßenfesten und seiner Liebe zur Musik von Daniel Viglietti.

    Ich hätte allen gewünscht, dass er wieder gesund werden und noch länger dabei sein hätte können. Ein besonderer Mensch und solidarischer Genosse, der uns bei allem, was noch vor uns liegt, fehlen wird und trotzdem präsent bleiben wird.

    Das wird er, wenn wir weiter um die Ziele, die ihm am Herzen lagen, kämpfen – wie die Freiheit für Mumia Abu-Jamal.

    Ich grüße euch herzlich und mit meinen tiefen Mitgefühl

    Daniela Klette

    4.

    Grußwort von Burkhard:

    Auf der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 11. Januar wurde in Auszügen ein Grußwort des in der Illegalität lebenden früheren RAF-Militanten Burkhard Garweg verlesen (Wir veröffentlichen die vollständige Grußbotschaft):

    Liebe Genoss*innen,

    ich grüße euch herzlich aus der Illegalität.

    Wir, die wir als Militante vergangener Zeiten verfolgt werden, wie auch die gesuchten antifaschistischen Genoss*innen, sind heute zu einem Leben in der Illegalität durch die Repression eines sich immer weiter autoritär entwickelnden Staates gezwungen. Die Illegalität ist heute in der BRD eine notwendige Position der Defensive.

    Wir hatten 30 Jahre trotz mancher Widrigkeit ein Leben, das von Solidarität geprägt war – jenseits von Vereinzelung und Verwertung im Kapitalismus. Das nimmt man uns jetzt übel.

    Trotzdem könnten wir uns auch was anderes vorstellen, als uns durch das zuweilen auch dornige Dickicht der Illegalität und sowieso des Knastes zu schlagen. So war es und so ist es.

    Es war und ist der Repressionsapparat, der uns zu Illegalität zwingt und dafür die alleinige Verantwortung trägt. Oder sollten wir uns einem Staat ausliefern, dessen Polizei und Staatsanwaltschaft uns ganz offen mit Erschießung durch Spezialeinheiten bei einer Festnahme drohen? Dessen Polizei und Staatsanwaltschaften lügen, dass sich die Balken biegen, damit auch der*die letzte der Staatsversion unserer Brutalität glaubt. Widerstandsgeschichte soll damit denunziert werden. Man versucht, uns vom Rest der Welt zu spalten, man trachtet danach, uns auf ewig in ihren Knästen einzubetonieren. Ich kann dazu nur sagen: Glaubt denen kein Wort. Angesichts der Realität von Repression und Staatsterrorismus haben wir natürlich ein Recht auf Illegalität.

    Wir sind in drei Jahrzehnten verantwortungsvoll mit der Notwendigkeit umgegangen, unser Leben und unser Überleben zu organisieren. Das beweist auch das Ergebnis, was die polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Erzählung unserer Gefährlichkeit entlarvt als das, was sie ist: eine konstruierte Lügengeschichte. Man müsste es nicht weiter ernst nehmen, wenn sie damit nicht unsere gefangene Genossin Daniela Klette mit langer Haft bedrohen würden. Das Geschwätz über unsere Gefährlichkeit als Konstruktion in demnächst zwei Justizprozessen gegen Daniela ist nichts als Denunziation.

    Wir, die wir als »Terroristen« im Knast wie auch in der Illegalität verfolgt und drangsaliert werden, haben nichts mit Terror oder Terrorismus zu tun. Es sind nicht wir, die wir mit den Mitteln der Polizei, der Justiz, des Militärs, der Geheimdienste und der Politik ein System durchzusetzen gewillt sind, das im gegenwärtigen Erosionsprozess des Kapitalismus nur noch mehr Elend der Gewaltverhältnisse produzieren wird. Es ist grotesk, uns als »Terroristen« zu bezeichnen. Der wirkliche Terror liegt in der Normalität des kapitalistischen Systems. Und Terroristen wären doch demnach wohl eher die, die diesen Terror zur Vollendung bringen.

    Es ist die Zeit der Ablösung des »sozialstaatlichen« Systems einer vergangenen Epoche, in der die Befriedung der Metropolen auf dem Rücken der Kolonialisierten und Ausgebeuteten der Welt die Vorherrschaft des Westens ermöglichte. An seiner Statt erleben wir die Errichtung des militarisierten, auf Krieg ausgerichteten, repressiven und autoritären Ordnungs- und Kontrollstaates der heutigen Zeit. Es ist die wiedergekehrte Zeit des Proletariats als Kanonenfutter für die Macht der Milliardäre und Aktionäre, der Verschärfung der Ausbeutung in den Produktionsverhältnissen, des Niedergangs des Sozialstaates, der Verschärfung patriarchaler Gewaltverhältnisse und des staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus, der große Teile der Bevölkerung drangsaliert und bedroht.

    Ein*e untergetauchte Genoss*in schrieb für eine Kundgebung aus einer Perspektive des antifaschistischen Widerstandes zutreffend: »Im Zuge der Zuspitzung wird der Faschismus wieder zur Herrschaftsoption. Antifaschistische Praxis bedeutet eben nicht nur, gegen die Nazis militant vorzugehen, sondern dies im Schulterschluss mit revolutionärer Basisarbeit zu tun, um eine Alternative bieten zu können. Wir müssen verstehen, dass ein gutes Leben für alle, niemals in der kapitalistischen Scheindemokratie zu finden sein wird …«

    Die Alternative ist weltweit unsere Aufgabe und ist ein Sozialismus, der reich sein könnte an historischen Erfahrungen und auch durch die Überwindung der großen und der kleinen Fehler der Geschichte der großen und der kleinen Revolutionsversuche, der Stadtguerillas, der Anarchist*innen, der Kommunist*innen, der Sozialrevolutionäre und der antipatriarchalen und antikolonialen Kämpfe und Bewegungen. Dies zu erreichen entscheidet letztlich darüber, ob Leben auf diesem Planeten weiter möglich sein wird und unter welchen Bedingungen. Wir befinden uns global an einem kritischen Punkt. Die Frage an uns alle weltweit nach der Alternative zum Kapitalismus und den systemischen wie auch unseren Prozessen dahin ist existentiell und nicht aufschiebbar.

    Das System der Repression wird sich im Zuge der Krise des Kapitalismus absehbar weiter verschärfen. Wir sehen das auch an der Repression gegen unsere Freundin und Genossin Daniela Klette. Eine von der Polizei und Staatsanwaltschaft konstruierte und erlogene Tötungsabsicht und eine absurde Darstellung unserer Gefährlichkeit sollen eine lange Inhaftierung mit entsprechendem Urteil gegen Daniela begründen.

    Dieser staatliche Wille ergibt sich trotz anderer Beteuerung der Justizbehörden daraus, dass der Feind für diesen Staat und seine Exekutive grundsätzlich da steht, wo Kapitalismus und das staatliche Gewaltmonopol in Frage gestellt werden. Es ist diese Justiz, die, angeführt durch die Bundesanwaltschaft, in wenigen Monaten einen weiteren Prozess gegen Daniela eröffnen wird und sie auch dort mit ewiger Haft bedroht für militante Aktionen, die mehr als 30 Jahre zurückliegen.

    Ein wahrer Hohn, dass die Bundesanwaltschaft für Jahrzehnte zurückliegende und Daniela zur Last gelegte Aktionen lange Haft gegen sie zu erwirken trachtet. Bei den Widerstandsaktionen gegen Krieg, Knast und Kapitalismus kam kein Mensch zu Schaden. Das Unrecht, gegen das sich diese Aktionen der damaligen Zeit richteten, tötete hingegen Millionen Menschen durch Krieg, brachte Millionen den Hunger oder errichtete ein weiteres Monster des Gefängnissystems.

    Die staatliche Seite ist gewillt, Widerstandsgeschichte auch nach Jahrzehnten abzuurteilen. Das führt sie in ein aggressives und repressives polizeiliches und justizielles Verhaltensmuster, dessen vorrangiges Ziel heute Daniela ist. Das staatliche Unterfangen, Daniela lange Jahre wegzusperren, betrifft uns alle als Linke der verschiedenen Bewegungen. Die Inhaftierung und die drohenden Urteile sind Unrecht. Der erste Prozess steht vor seinem Ende: Unterstützt Daniela! Schaut der Justiz auf die Finger, begleitet die Prozesse in welcher Form auch immer. Solidarisiert euch. Schafft gesellschaftlich wahrnehmbare Öffentlichkeit. Stellt euch dem kollektiv entgegen und findet Formen des Widerstandes dagegen. Das offensichtliche Vorhaben einer Aburteilung von Widerstandsgeschichte in den Prozessen gegen Daniela und der Versuch, in Zeiten der Krise mit Mitteln der Repression eine abschreckende Wirkung im Hinblick auf die sich zuspitzenden Gewaltverhältnisse zu erzielen, erfordern Solidarität und den Schutz, der sich nur durch Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit erzielen lässt. Nichts anderes als die Freiheit für Daniela Klette ist gerechtfertigt. Alle gefangenen Genoss*innen, wo auch immer in der Welt, verdienen nichts anderes als die Freiheit, während das gesamte Gefängnissystem es verdient, zur Hölle zu fahren.

    Ein Moment großer Trauer für die revolutionären Bewegungen ist der Tod von Rolf Becker, dessen große und tiefe Solidarität wir auch in der Illegalität wahrnahmen und schätzten. Er wird dieser Linken, er wird uns fehlen. Ich denke auch an Devran, an Brigitte Asdonk und Assata Shakur, die uns jüngst verlassen haben. Auch sie werden uns fehlen. Ihr alle, die ihr als Teil unserer langen, weltweiten Widerstandsgeschichte gestorben seid, bleibt in den Befreiungskämpfen der Gegenwart und der Zukunft unsterblich.

    Widerstand gegen Genozid, Apartheid, die Komplizenschaft Deutschlands, gegen die »Kriegstüchtigkeit« der Herrschenden, gegen Ausbeutung, Sozialabbau und gegen patriarchale Gewaltstrukturen ist notwendig und gerechtfertigt! Gemeinsam für eine Welt ohne Kapitalismus, Krieg und Patriarchat!

    Fuck off, deutsche Staatsraison und jede Art von Vaterland! Freiheit für alle unsere gefangenen Genoss*innen und Gefährt*innen weltweit, und das Ende des gesamten Gefängnissystems für alle! Freiheit für Mumia Abu-Jamal! Freiheit für Daniela Klette!

    Burkhard, 10. Januar 2026

    5.

    Internationale Konferenz in Paris: Solidarität mit den politischen Gefangenen

    Redebeitrag von Zaid:

    Liebe Genoss:innen,

    Ich bin Zaid, Angeklagter und ehemals Gefangener aus dem Budapest Komplex.

    2014 bin ich nach Deutschland gekommen und habe zunächst in Nürnberg gelebt, wo ich

    mich auch politisiert hab, dabei haben viele Ereignisse eine Rolle gespielt. Unter anderem

    das Aufwachsen in einer aufständischen Zeit um den arabischen Frühling und die

    Revolutionen in der arabischen Welt. Dazu war die palästinensische Familie meiner Mutter

    stark in den palästinensischen Kämpfen beteiligt. Dazu hab ich Zusammenhänge gezogen,

    zwischen meiner Flucht und dem Krieg in unseren Ländern, und die kapitalistischen und

    Imperialistischen Interessen der Mächtigen dieser Welt.

    Zunächst war ich hauptsächlich im deutschen Kontext aktiv. In dieser Zeit vermehrten sich

    militante Aktionen in Ostdeutschland gegen faschistische Strukturen und den Staat, und in

    Städten wie Leipzig etablierte sich eine dynamische militante Kultur, auf vielen Ebenen

    wurde auch die Arbeit professionalisiert wie bspw. der Umgang mit digitaler und physischer

    Überwachung. An dieser autonomen Zeit gibt es allerdings auch politisch viel zu kritisieren,

    es gab viele Lücken und Versäumnisse, was man auch daran festhalten kann, dass am Ende

    leider nicht viel von dieser Dynamik übrig geblieben ist.

    2023 kam es in Budapest zu Angriffen auf Faschist:innen bei einem der größten

    Vernetzungsevents von Neonazis in Europa. Unmittelbar danach wurde schon öffentlich

    gefahndet und die Genoss:innen Ilaria und Tobias sind in Ungarn festgenommen worden. Es

    musste schnell gehen und bis zu 10 Personen mussten untertauchen. Der ungarische Staat

    hat bis zu 24 Jahren Haft gefordert, um dies zu rechtfertigen wird bis heute versucht, eine

    kriminelle gar terroristische Vereinigung zu konstruieren. Auf der Flucht wurde Maja 10

    Monate später festgenommen und ist in Haft gekommen. 6 Monate später wurde Maja mit

    einem Helikopter nachts nach Ungarn Illegal ausgeliefert. Inzwischen ist Maja seit 1.5 Jahren

    in ungarischer Isolationshaft und kämpft immer wieder gegen diesen an. Diesen Sommer

    ging Maja für 6 Wochen in den Hungerstreik, um eine Rücküberstellung nach Deutschland

    einzufordern und ein Ende der ungarischen Haftbedingungen wie dauerhafte Isolation,

    Unterernährung und Entwürdigung durch Wärter ein Ende zu setzen.

    Ende 2023 wurde nach einem weiteren Genossen öffentlich gefahndet, sein Gesicht war auf

    allen Deutschen Bahnhöfen und Städte zu sehen, sogar als pop up Nachricht auf Handys, so

    etwas findet in Deutschland selten statt.

    Ich habe mich mit 7 anderen Genossinnen diesen Januar gestellt, da kam ich ins Gefängnis

    und wurde im Mai wieder entlassen, die anderen Genossinnen sind weiterhin in deutschen

    Gefängnissen. Momentan befinden sich rund um das Antifa Ost und Budapest Verfahren 17

    Genoss:innen in Haft. Die Genossin Hanna wurde diesen Herbst zu 5 Jahren Haft verurteilt.

    Unser Genosse Gino wurde vor 4 Tagen hier in Paris festgenommen und soll nun auch nach

    Deutschland ausgeliefert werden, weil die Faschisten, die er angegriffen haben soll, Deutsche

    sind.

    Für uns stellt sich die Frage wie wir diese Repression politisch einordnen, was wir aus diesen

    Erfahrungen lernen können und wie wir in Zukunft damit umgehen. Es war interessant zu

    sehen mit welcher härte der Staat auf diesen Fall reagiert, obwohl die linke Bewegung in den

    letzten Jahren in Deutschland zu der Zeit und auch momentan weder in ihrer Größe noch

    ihrer Schlagkraft eine realistische Gefahr für diesen Staat darstellt und in vielen Bereichen

    handlungsunfähig war. Das ändert sich momentan.

    Nicht nur die Repression des deutschen Staats, auch seine Zusammenarbeit mit dem

    ungarischen Staat und die Tatsache, dass jetzt auch die USA uns und … (Namen der anderen

    Gruppen) auf ihre Terrorliste setzen, sind Ausdruck einer globalen Entwicklung und des

    aktuellen globalen Klimas. In einer wirtschaftlichen Entwicklung, die es Staaten ermöglicht,

    die vorherige imperialistische Staatenordnung in Frage zu stellen, sich alte Weltmächte

    gezwungen sehen, ihre Stellung zu verteidigen, ist der Nationalismus nicht nur Mittel

    kapitalistischer Herrschaft, sondern auch notwendige Ideologie für den Selbsterhalt des

    imperialistischen/kapitalistischen Nationalstaats. Egal wie real also die Bedrohung von links

    ist, ist es sowohl den USA als auch DE und sämtlichen dieser Staaten wichtig, jedes

    Narrativ/jede Idee, die ihrem Konzept von Nationalismus, Kapitalismus, Imperialismus

    widerspricht, zu delegitimieren und zu kriminalisieren. Dass herrschende, rechte Akteure

    weltweit also ein Bild einer antifaschistischen Bedrohung zeichnen, Antifas auf Terrorlisten

    setzen und in Gefängnisse stecken, ist die Folge dieser wirtschaftlichen und machtpolitischen

    Entwicklung.

    Dieser Autoritarismus, die Härte in der Justiz und auf der Straße wird zunehmen, genauso

    wie die rassistische Migrations- und Abschottungspolitik. Auch die vielen Angriffe und

    Verfahren auf die Palästinasolidarische Bewegung machen klar, dass auf diesem Weg

    jeglicher Widerstand bekämpft und für die Massen delegitimiert wird. Durch solche

    Verfahren will der Staat vor Handlung und Widerstand, der sich als progressiv,

    antifaschistisch oder antikapitalistisch versteht, abschrecken.

    Trotz des relativ schwachen Zustands in dem sich die revolutionäre Bewegung in Deutschland

    momentan befindet, konnte die Solidaritätsarbeit diese Fälle gut begleiten. Auch ich habe in

    Haft viel Unterstützung erfahren dürfen, von innen als auch außen. Dass es innerhalb der

    Knastmauern soviel Zuspruch gab zu den vorgeworfenen Taten hätte ich so nicht gedacht,

    tatsächlich herrscht ein gewisses politisches potential in den Gefängnissen.

    Und was wir auch sehen ist, dass es in Deutschland möglich ist, selbstbestimmt die

    Konfrontation mit der Justiz zu vermeiden. Es ist möglich in diesen Jahren in der Illegalität zu

    leben, auch auf längere Zeit. Diese Option wird möglicherweise öfter Realität sein, sollten wir

    weiter und vermehrter kämpfen. Wir werden aber dem Staat auch zeigen können, dass er

    uns nicht immer kriegen kann, dass wir bei Repression auch aus dem Untergrund heraus

    weiter handeln können, dass wir eigene Methoden haben und ihre Ermittlungen ins Leere

    laufen. Gleichzeitig werden unsere Genoss*innen in den Gefängnissen weiterkämpfen.

    Antifaschistische Arbeit hat sich in Deutschland zu lange auf einzelne Faschist*innen oder

    rechte konzentriert. Doch es muss darüber hinaus gehen. Sie muss eine soziale Bewegung

    sein, die die kapitalistischen Grundlagen der nationalistischen Ideologie beseitigt, die für

    Solidarität in der Gesellschaft und Nachbarschaft kämpft.

    Zaid, Paris 20./21. Dezember 2025

    Redebeitrag von Ariane:

    Ich bin Ariane aus Bremen, Deutschland. Ich beobachte als Journalistin in erster Linie für die Tageszeitung junge Welt den Prozess gegen Daniela und bin in der Solidaritätsarbeit aktiv. Leider kann ich hier nur wenige Punkte anschneiden.

    Ich soll euch von Daniela solidarische Grüße ausrichten. Sie wünscht uns einen erfolgreichen Verlauf der Konferenz. Sie hat es in den letzten Tagen nicht mehr geschafft, ein paar Grußworte zu formulieren, weil in den letzten Tagen noch der Prozess lief und weil sie traurig und erschüttert ist über den Tod von Rolf Becker, den solidarischen Genossen und Schauspieler. Rolf hatte ja auf der Rosa Luxemburg Konferenz im Januar 2025 die Grußbotschaft von Daniela vorgetragen.

    Daniela sowie Volker und Burkhard wurden bzw. werden seit 34/35 Jahren wegen verschiedener Aktionen der RAF sowie nach der Auflösung der RAF 1998 etlichen Geldbeschaffungsaktionen gesucht. Es hat sich gezeigt, dass ein illegales leben in der Metropole, in der Frontstadt Berlin möglich ist.

    Nach ihrer Verhaftung Ende Februar 2024 war Daniela 7 Wochen lang in Einzelisolationshaft (24 Std. Videoüberwachung, eine Metallblende vor dem Zellenfenster, so dass kein Tageslicht, kein Sonnenlicht in die Zelle kam, keinen Kontakt zu anderen Frauen, Einzelhofgang morgens.

    Erst nach öffentlichen Protesten wie Demo, Interviews und der ersten Kundgebung vor dem Knast in Vechta hat Daniela einigermaßen normale Haftbedingungen. Durch die Anmeldung der Kundgebung im Kontext zum 18. März 2024 – internationaler Tag der politischen Gefangenen – habe ich meine Arbeit als Intensivkrankenschwester nach über 50 Jahren Arbeit im Krankenhaus und als freigestellte Betriebsrätin verloren. Es ist nicht mein erstes Berufsverbot, das erste hatte ich 1978 bis 79.

    Seit Ende März 2025 läuft der Prozess vor dem Landgericht gegen Daniela wegen 13 Geldbeschaffungsaktionen in einer für 3,6 Millionen Euro umgebauten Reithalle zu einer Festung weit weg vom Zentrum Verden. Vor kurzem sind 5 Anklagepunkte gestrichen worden, so dass wohl im März/April 2026 dieser erste Prozess zu Ende geht. Dann aber wird etwa im Spätsommer oder Herbst der zweite Prozess beginnen wegen zwei Aktionen der RAF, die Schüsse auf die amerikanische Botschaft in Bonn nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der US-Armee in den Irak 1991 und der Sprengung des sich Bau befindlichen Gefängnisses und Abschiebeknastes in Weiterstadt 1993 sowie wegen einer Aktion einer Kämpfenden Einheit gegen das Technische Zentrum Eschborn der Deutschen Bank 1990. Die Anklage der Bundesanwaltschaft (BAW), soll im Frühjahr/Frühsommer erfolgen. Deswegen wird der erste Prozess verkürzt werden, ursprünglich war er schon bis Oktober 2026 terminiert.

    Seit Jahren wurden Zeugenvorladungen verschickt, von der Staatsanwaltschaft Verden und der Bundesanwaltschaft durch den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA). Seit Mitte des Jahres 2024 und vor allem jetzt seit einigen Monaten verstärkt werden Menschen, Freund*innen, Genoss*innen, die entweder Daniela von früher her kennen oder sie besuchen oder besucht haben, als Zeug*innen in dem verfahren gegen Daniela vorgeladen. Wir schätzen, dass es bis jetzt über 40 Vorladungen gab, einige davon hatten schon ihre zweite Vorladung. Es haben leider auch einige aussagen gemacht, andere wiederum die aussagen verweigert. Die meisten gehen damit individuell damit um. Eine politische offensive dagegen gibt es kaum, noch nicht. Ich war die erste, die eine Zeugenvorladungen politisch öffentlich gemacht hat, drei weitere Genossen danach auch. Ich selbst hatte nach dem Besuchsverbot bei Daniela ende August 2024 2 Vorladungen, eine im Oktober 2024 und die andere im August 2025. in der Regel gab es 500 Euro Ordnungsstrafe, Beugehaft bisher noch nicht. Das Besuchsverbot gegen eine Genossin aus Hamburg und gegen mich begründen sie damit, dass wir die Vermittlerinnen zwischen drinnen und draußen, also Volker und Burkhard, sind, so dass Daniela ihre Flucht planen könne. Wir beide konnten noch im Sommer 2024 mehrmals sie besuchen. Zwei ehemalige Gefangene aus der RAF und eine ehemalige von der Bewegung 2. Juni haben generell ein Besuchsverbot.

    Zuletzt möchte ich noch die gefangenen, die Ulm 5, unbedingt erwähnen. Wer in der BRD gegen Völkermord und Kriegsverbrechen protestiert, bekommt es mit der vollen Wucht des Staates zu tun: Ulm 5.
    Gewaltfrei blockieren fünf Menschen mutmaßlich einen deutschen Standort des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems – und landen in Untersuchungshaft unter teils entwürdigenden Bedingungen. Der Fall der „Ulm 5“ zeigt exemplarisch, wie der deutsche Staat durch Repression, Rechtsbeugung und die Kriminalisierung der Palästina-solidarischen Bewegung seine Unterstützung für Israels Kriegspolitik absichert.

    Am 8. September 2025 betraten fünf Personen unterschiedlicher Nationalitäten das Gelände von Elbit Systems in der Stadt Ulm in Süddeutschland. Dort führten sie – während sie sich selbst filmten und ihre Gesichter unverdeckt waren – eine gewaltfreie Aktion durch, die darauf abzielte, die Fortsetzung des Völkermords in Gaza zu verhindern. In weiteren Videos formulierten sie ihre Forderungen und erklärten, warum sie den deutschen Standort von Israels größtem Rüstungsunternehmen Elbit Systems gewählt hatten – ein Unternehmen, das für einen erheblichen Teil der Waffen und Technologien verantwortlich ist, die beim Völkermord in Gaza eingesetzt werden, wie es ein jüngster UN-Bericht dokumentierte. Sie warteten darauf, von der Polizei festgenommen zu werden, ohne Widerstand zu leisten oder zu fliehen. Seitdem befinden sich diese fünf irischen, britischen, deutschen und argentinisch-spanischen Personen in Untersuchungshaft.

    Diese direkte Aktion einer gewaltfreien angeblichen Sachbeschädigung machte nicht nur die Untätigkeit der deutschen Regierung sichtbar – einer Unterzeichnerin der UN-Völkermordkonvention –, sondern auch ihre aktive Beteiligung: durch diplomatische Unterstützung, Waffenhandel mit Israel und die Produktion von Waffen auf deutschem Boden, die direkt beim Völkermord am palästinensischen Volk eingesetzt werden. Deutschland, das sich sowohl im eigenen Land als auch vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag mehreren juristischen Verfahren wegen seiner Mitschuld am Völkermord stellen muss, reagierte auf diese fünf Personen mit der ganzen Härte seiner institutionellen Gewalt.

    Seit ihrer Festnahme an diesem Tag, bei der ihnen unter anderem das Recht auf anwaltliche Vertretung sowie auf Kontakt zu Familie oder Freunden zugesichert wurde, berichten die inhaftierten Aktivisti*innen, ihre Anwält*innen und ihre Unterstützungsnetzwerke von Misshandlungen und Rechtsverweigerungen:

    Zwang, sich auszuziehen und stundenlang in einer Zelle nur in Unterwäsche (ohne BHs) eingesperrt zu sein.
    30 Stunden Haft ohne ausreichende Verpflegung.
    Einer der fünf Personen wurde der Zugang zu ärztlich verschriebenen Medikamenten durch die Polizei über einen Zeitraum von 20 Stunden verweigert.
    Polizeiliche Verhöre ohne Anwesenheit eines Anwalts.
    Allen fünf Personen wurde bis wenige Minuten vor der ersten Anhörung der Zugang zu Anwält*innen verweigert – trotz wiederholter Bitten der Inhaftierten und wiederholter Versuche der Anwält*innen, sie zu erreichen.
    Mindestens eine Person durfte zwei Wochen lang keinen Kontakt zu ihrem Anwalt haben.
    Mindestens einer Person wurde einen Monat lang der Kontakt zu Familie oder Freund*innen verwehrt.
    Nach der Anhörung wurden sie voneinander getrennt und in fünf verschiedenen Städten in unterschiedliche Gefängnisse verlegt.
    Mehrere werden in Einzelzellen mit 23-stündigem Einschluss isoliert.
    Besuchsrechte für Familie und Freund*innen wurden stark eingeschränkt, teilweise auf nur eine Stunde Besuch pro Monat.
    Telefonate wurden auf Gespräche mit Anwält*innen beschränkt.
    Freilassung auf Kaution wurde verweigert, obwohl sie keine Vorstrafen haben und keine Gefahr für die Gesellschaft darstellen.
    Eingehende Briefe werden vier Wochen oder länger zurückgehalten, bevor sie ausgehändigt werden.
    Sämtliche Kommunikation unterliegt strenger Überwachung.
    Der deutsche Staat behandelt diese fünf Aktivist*innen wie gefährliche Kriminelle und will sie ohne Beweise wegen der Bildung oder Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung (§ 129 StGB) anklagen – ein Straftatbestand, der mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden kann. Aufgrund der Beweislosigkeit hat die Staatsanwaltschaft Schwierigkeiten, einen tragfähigen Fall zu konstruieren. Dies führt zu einer längeren Haftdauer für die Aktivist*innen unter den oben beschriebenen katastrophalen Bedingungen.

    Die Verteidiger*innen argumentieren, dass es – wie bereits erwähnt – zahlreiche Unregelmäßigkeiten im Ermittlungs- und Kautionsverfahren gibt. Dies deutet darauf hin, dass politischer Druck und eine eine politische Motivation hinter dem Verfahren stehen – ganz im Einklang mit dem Vorgehen des deutschen Staates gegen die pro-palästinensische Bewegung in den letzten Jahren.

    Der Vorwurf der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung wurde bereits gegen Klimaaktivist*innen eingesetzt, wofür Deutschland von der UN-Sonderberichterstatterin zur Lage von Menschenrechtsverteidigern gerügt wurde. Die Bundesregierung verteidigte sich gegen diese Vorwürfe in einem peinlichen und entlarvenden Schreiben, in dem es einräumt, die Aktivist*innenüberwacht zu haben – allerdings ohne den Einsatz von V-Leuten.

    Der offenkundige Machtmissbrauch und die Einschüchterungstaktiken des deutschen Staates haben die Anwält*innen der Ulm 5 dazu veranlasst, den unten veröffentlichten Brief zu verfassen. Darin fordern sie nicht nur die sofortige Entlassung ihrer Mandant*innen aus der Untersuchungshaft, sondern auch die Untersuchung von Elbit Systems Deutschland wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die weltweit – insbesondere in Palästina – begangen wurden.

    Es ist unerlässlich, dass diese fünf Aktivist*innen fair behandelt werden und ein faires Verfahren erhalten. Dafür müssen wir nationale und internationale Aufmerksamkeit auf diesen Fall lenken, der ein weiterer Nagel im Sarg des angeschlagenen deutschen Rechtsstaats sein könnte.

    Am 30. und 31 Dezember finden in verschiedenen Städten Deutschlands Demos und Kundgebungen um u.a. Solidarität mit Daniela, mit den Ulmer 5 und den Genoss*innen aus dem Budapest Komplex statt.


    Wenn ihr weitere Fragen habt und mehr wissen wollt, spricht mich bitte an. Ich danke für eure Aufmerksamkeit und danke, dass ich hier berichten konnte.

    Freiheit für Daniela!

    Freiheit für die Ulm 5!

    Freiheit für alle politischen Gefangenen weltweit!

    Ariane, Paris 20./21. Dezember 2025

    Zu Ulm 5 ein aktuelles Interview

    Junge Welt: Ausgabe vom 31.01.2026, Seite 3 / Inland

    »Ulm 5«-Prozess

    Warum wird in Stammheim verhandelt?

    Im »Ulm 5«-Prozess wird versucht, politischen Protest exemplarisch zu kriminalisieren, sagt Nina Onèr

    Nina Onèr ist Rechtsanwältin und verteidigt eine Aktivistin der »Ulm 5« Interview: Paul Neumann

    Sie behaupten, dass die »Ulm 5«, also fünf der Personen, die Anfang September in eine Niederlassung des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems in Ulm eingedrungen sind, gerechtfertigte Nothilfe geleistet haben. Was bedeutet das juristisch?

    Die Verteidigung wird argumentieren, dass ein rechtfertigender Notstand vorlag. Elbit Systems ist in den Genozid in Gaza verstrickt. Durch dessen Duldung missachtet die Bundesregierung ihre völkerrechtlichen Pflichten. Es wird im Prozess herauszuarbeiten sein, dass die Aktion ein finales Mittel zum Protest gegen diese Duldung war. Wir sehen die Generalstaatsanwaltschaft in der Pflicht, in diese Richtung zu ermitteln. Da Unternehmen wie Elbit Systems kaum freiwillig offenlegen, wie genau ihre »combat proven« (im Kampf bewährten, jW) Waffen eben »combat proven« werden, müsste die Justiz auch diese Fakten ermitteln. Dass dies unterbleibt, erschwert die Verteidigung ungemein.

    Sie bezeichnen das Verfahren als einen Versuch, politischen Protest exemplarisch zu kriminalisieren. Welche Rolle spielt dabei der Verhandlungsort Stammheim?

    Die Wahl Stammheims ist absolut politisch motiviert und zieht sich wie ein roter Faden durch das Verfahren. Die historische Bedeutung dieses Ortes passt genau in das Muster der Kriminalisierung. Schon die Überstellungen der Mandanten durch die Polizei, bei denen die JVA von maskierten SEK-Einheiten umstellt war, erinnerten an inszenierte Vorführungen in den USA, etwa bei Luigi Mangione. Stammheim wurde dabei ganz gezielt gewählt. Da die Räume dort nicht früher frei sind, spielt auch eine Rolle bei der späten Terminierung des Prozesses. Zudem müssen wir für die Verhandlungstage zwei- bis dreimal pro Woche dorthin fahren, was die Arbeit der Verteidigung abermals erschwert.

    Warum ist die Untersuchungshaft Ihrer Mandantin unverhältnismäßig?

    Grundsätzlich gibt es für den Erlass eines Haftbefehls klare Voraussetzungen. Dabei muss das Freiheitsrecht der Mandantin gegen das Interesse der Justiz an der Sicherung des Verfahrens abgewogen werden. Angesichts der Tatvorwürfe steht die Haft für uns in keinem Verhältnis. Das Gericht stützt sich primär auf eine angebliche Fluchtgefahr, die wir für völlig haltlos erachten. Die Beteiligten haben sich während der Tat gefilmt und anschließend darauf gewartet, festgenommen zu werden. Politischen Verfahren ist es oft inhärent, dass die Betroffenen sich dem Prozess stellen wollen, um ihre Position zu verteidigen.

    Welche konkreten Rechtsverletzungen sehen Sie in der bisherigen Haftdauer und dem späten Prozessbeginn im April 2026?

    Bei Untersuchungshaft gilt: Je länger sie andauert, desto tiefergehender muss das Gericht von Amts wegen prüfen, ob sie noch verhältnismäßig ist. Die Gründe für eine Fortdauer müssten mit der Zeit immer schwerwiegender werden, doch hier hat sich im Laufe der Ermittlungen nichts Neues ergeben. Die gesetzliche Höchstfrist für U-Haft liegt eigentlich bei sechs Monaten. Wir bemängeln sehr, dass das Landgericht bis zum letzten Moment wartet, um die Sache dem Oberlandesgericht zur Verlängerungsentscheidung vorzulegen. Durch dieses Zögern wird die Haft faktisch verlängert, ohne dass man weiß, ob das Oberlandesgericht den Haftbefehl vielleicht aufheben würde. Das ist eine Verschleppung zulasten der Inhaftierten, obwohl in Haftverfahren ein strenger Beschleunigungsgrundsatz gilt.

    Wie beurteilen Sie die aktuellen Haftbedingungen Ihrer Mandantin?

    Die Bedingungen sind extrem verschärft. Manche Beteiligte dürfen gar nicht telefonieren. Bei anderen werden sämtliche Telefonate und Besuche lückenlos durch das Landeskriminalamt und die Kriminalpolizei überwacht, teilweise unter Hinzuziehung von Dolmetschern. Dass die Kripo statt des Justizwachtmeisters dabei sitzt, ist sehr ungewöhnlich. »Politische Zeitungen« sind gänzlich verboten. Es ist offensichtlich, dass hier Bedingungen geschaffen werden, die weit über das übliche Maß hinausgehen, obwohl es im Kern nur um einen Sachschaden geht.

    Ein Interview, erschienen in der jungen Welt:

    Aus: Ausgabe vom 21.01.2026, Seite 2 / Inland

    Internationale Konferenz in Paris

    Wie sieht praktische Solidarität aus?

    Der Widerstand gegen global vernetzte staatliche Repression muss ebenfalls international sein, sagt Paola Interview: Ariane Müller

    Sie waren am 20. und 21. Dezember 2025 auf der Konferenz »Solidarität mit politischen Gefangenen« in Paris. Wer hat diese Zusammenkunft organisiert?

    Die Konferenz wurde von der Plattform Stimme der politischen Gefangenen (TSP) organisiert. TSP wurde gegründet, um politische Häftlinge in den Gefängnissen des türkischen Staates zu unterstützen, ihre Kämpfe sichtbar zu machen und ihre Stimmen in die Öffentlichkeit zu tragen.

    Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Paris gefahren?

    Ich bin mit der Erwartung nach Paris gefahren, in einen Austausch über politische Gefangene zu treten, mehr über die Haftbedingungen von betroffenen Frauen und LGBTI+ zu erfahren sowie etwas über die konkreten Auswirkungen staatlicher Repression zu lernen. Gleichzeitig war es mir wichtig zu hören, wie andere Kräfte mit politischen Gefangenen umgehen, welche Formen der Solidarität sie entwickeln und wie Gefangene aktiv in die politischen Kämpfe eingebunden werden.

    Aus welchen Ländern kamen die Teilnehmenden?

    An der Konferenz nahmen ehemalige politische Gefangene und Genossinnen und Genossen etlicher Organisationen aus der ganzen Welt teil, darunter aus Palästina, Kurdistan, der Türkei, aber auch aus Italien, Deutschland und selbstverständlich Frankreich, um nur einige zu nennen.

    Was war für Sie das Besondere an dieser Konferenz?

    Ihr vollkommen internationalistischer Charakter. Im Mittelpunkt standen die politischen Gefangenen und ihre Kämpfe. Wir hörten zahlreiche Grußworte politisch Inhaftierter, die entweder verlesen oder als Tonaufnahmen abgespielt wurden, unter anderem von Dimitris Koufontinas, Mumia Abu-Jamal und Daniela Klette.

    Besonders eindrucksvoll und mutig war der Beitrag einer jungen Sozialistin der Organisation Zora. Sie war Teil der »Global Sumud Flotilla«, die versucht hatte, die Seeblockade Palästinas zu durchbrechen. Nach der Festsetzung der Flotilla wurde sie für fünf Tage inhaftiert. Während eines Gefangenentransports zwischen zwei Haftanstalten wurde sie von israelischen Soldaten vergewaltigt. Diese Erfahrung teilte sie auf der Konferenz und wurde damit zur Stimme jener, die in den Gefängnissen des israelischen Staates sitzen und nicht über sexualisierte Gewalt sprechen können. Sie machte deutlich, dass ihr Wille nicht gebrochen ist und dass sie nicht aufhören wird, für Gerechtigkeit zu kämpfen – bis zum Ende der Gewalt und bis alle Frauen frei sind.

    Welche Ergebnisse des Austausches haben Sie mit nach Hause genommen?

    Weltweit spitzen sich die Krisen zu. Die Herrschenden rüsten auf und bereiten sich auf kommende Kriege um Ressourcen und Einfluss vor. In diesem Zusammenhang erheben sich Arbeiterinnen und Arbeiter, insbesondere die Jugend und Frauen. International entstehen Massenproteste und Aufstände gegen diese Zustände, die jedoch von den jeweiligen Herrschenden häufig brutal niedergeschlagen werden. Parallel dazu werden Überwachung und Repression gravierend ausgeweitet. Haft und Repression sind Teil der Geschichte politischer Kämpfe weltweit.

    In einer gemeinsamen Abschlusserklärung wurde deutlich gemacht, dass sich die Art und Weise der Repression zwar von Land zu Land unterscheiden, ihr Ziel jedoch überall dasselbe ist. Das bedeutet, dass die praktische Solidarität mit politischen Gefangenen untrennbar mit den Kämpfen aller revolutionären Kräfte verbunden ist, die auf eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft abzielen. Politische Gefangene spielen eine besondere Rolle für den Widerstand. Sie stellen sich Isolation, psychischer und physischer Gewalt, Kommunikationsverboten, medizinischer Unterversorgung, Verlegungen, sexuellen Übergriffen und umfassender Entrechtung entgegen.

    Wir tragen mit all unserer Arbeit und unserem Bewusstsein eine Verantwortung für politische Kämpfe weltweit. Die kapitalistischen Staaten sind mit ihren Repressionsorganen global vernetzt, deswegen muss auch unsere Solidarität international organisiert sein. Geplant sind koordinierte Aktionen an wichtigen Tagen des politischen Kampfes für Gefangene wie dem 8. März, dem 18. März, dem 17. April, dem 19. Juni und dem 3. Dezember.

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    Der Budapester Prozess gegen Maja steht kurz vor dem Abschluss. Am 4. Februar 2026 soll das Urteil gefällt werden. Hierzu ein Artikel:

    https://www.rosalux.de/news/id/54415/gefangen-im-labyrinth-der-vorverurteilung

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    Erklärung einiger der vom GBA als Antifaschist*innen Verfolgten

    1. Einige der vom GBA als Antifaschist_innen Verfolgten haben entschieden, sich zum Auftakt des Prozesses zu äußern. Ein Grund dafür ist, dass in den letzten Jahren vieles über uns und die uns vorgeworfenen Taten geschrieben und gesagt wurde, was wir nicht einfach so stehen lassen möchten. Wir wollen die Gelegenheit ergreifen, der Öffentlichkeit gegenüber ein paar Dinge richtig zustellen. In den vergangenen Jahren wurde viel über unsere Beziehungen zueinander, unsere Persönlichkeiten und über unsere Biographien spekuliert. Wir wurden als die „Hammerbande“ oder als „Rote Rächer“ bezeichnet, uns wurden ein Hang zur Selbstjustiz oder eine enorme Brutalität unterstellt. Immer wieder wurde die Behauptung in den Raum gestellt, wir würden sogar den Tod von Nazis billigend in Kauf nehmen. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass noch niemand durch die uns zugeschriebenen Interventionen zu Tode gekommen ist. Dabei wurde die Annahme, dass wir die uns vorgeworfenen Taten auch tatsächlich begangen hätten, in der Regel als Tatsache behandelt, ebenso wie die angeblich dahinterstehende Vereinigung.weniger anzeigen

    Erschreckend war zu beobachten, wie zwischen Akteuren der rechten Szene und bürgerlichen Medien – teilweise auch solchen mit seriösem Anspruch – Synergien entstanden. Behauptungen, die von extrem rechten Kanälen verbreitet wurden, fanden schon bald auch Einzug in bürgerliche Berichterstattung. Eindrücklich war dies etwa zu beobachten, als sogenannte „Recherche“-Beiträge auf der neurechten Plattform „Ein Prozent“ veröffentlicht wurden und nur einen Tag später der fast exakt selbe Inhalt in einem prominent platzierten Bildzeitungsartikel ausgebreitet wurde. Immer wieder wurde dabei unsere vermeintliche Skrupellosigkeit und Brutalität betont, die sich wahllos gegen „vermeintliche Rechte“ richten würde. Von Neonazis wurden diese Zuschreibungen freudig zur Kenntnis genommen, unterstützten sie doch das von ihnen gepflegte Narrativ.

    Bei aller Kritik wollen wir aber nicht unterschlagen, dass es auch journalistische Versuche gab, die gesellschaftlichen Probleme, die den vorgeworfenen Taten zugrunde liegen, zu thematisieren und die Frage aufzuwerfen, wie mit diesen umgegangen werden kann.

    2. In diesem Prozess hier wird es die meiste Zeit um konkrete Körperverletzungsdelikte gehen. Es wird über Indizien und Beweise gestritten, es werden Zeugen vernommen, Gutachten verlesen und Anträge gestellt werden, und am Ende wird das Gericht zu seinem Urteil über die Schuld oder Unschuld der hier Angeklagten kommen. Was hier jedoch voraussichtlich – wie auch in der medialen Berichterstattung – kaum geschehen wird, ist eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und geschichtlichen Problemen, die den Hintergrund der hier verhandelten Tatvorwürfe darstellen. Dabei steht fest, dass dieser Prozess nicht im luftleeren Raum stattfindet. Er findet statt in einer Zeit, in der erstmals seit 1945 eine extrem rechte Partei wieder konkrete Machtergreifungsambitionen entwickelt. Er findet statt in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und autoritärer Entwicklung, die als Rechtsruck zu betrachten sind – in Deutschland und darüber hinaus in fastganz Europa.

    3. Wir leben in einem Land, dessen Regierung unter bereitwilliger Hilfe und Zustimmung großer Teile der Bevölkerung bis vor 80 Jahren viele Millionen Menschen auf Basis einer wahnhaften Ideologie ermordet hat. Der Holocaust und die Verbrechen des Nationalsozialismus sind eine Zäsur in der menschlichen Geschichte. Niemals sonst wurden Menschen in derart industrieller Weise, gezielt und mit detaillierter Planung vernichtet. Dem deutschen Krieg zwischen 1941 und 1945 fielen alleine in der Sowjetunion mindestens 27 Millionen Menschen zum Opfer. Die Verbrechen des Nationalsozialismus sind die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Sie haben gezeigt, was geschehen kann, wenn Faschisten an der Macht sind und wozu ihre kranke Ideologie sie potentiell führt. Und sie verlangen von allen nachfolgenden Generationen, sich zu fragen, wie das Ziel, dass so etwas nie wieder geschehen darf, umgesetzt werden kann. Die Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald legten nach der Befreiung folgenden Schwur ab: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.„Dieser Schwur sollte allen Antifaschist:innen, insbesondere in Deutschland, bis heute zur Mahnung dienen und die Grundlage ihres Handelns sein.

    Fakt ist: Eine wirkliche Entnazifizierung hat, insbesondere in Westdeutschland, kaum stattgefunden. Auch nach 1945 bekleideten Nazis hohe Ämter in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und vor allem dem Sicherheitsapparat. Auch wenn die Nationalsozialisten nicht mehr an der Macht waren, so gab es doch auch nach 1945 unzählige Kontinuitäten. Viele Institutionen in Deutschland haben diese bis heute nicht wirklich aufgearbeitet. Zwei prominentere Beispiele, die auch in jüngerer Vergangenheit medial thematisiert wurden, sind der Bundesnachrichtendienst, der noch in den 1950er und 60er Jahren gezielt ehemalige Naziverbrecher rekrutierte, und die Bundesanwaltschaft, deren Führungsriege bis in die 60er Jahre zu 90% aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern bestand. Derartige Institutionen sind es jedoch, die in den vergangenen Jahren selbstorganisierten Antifaschismus immer wieder als quasi-terroristische Bedrohung für die Demokratie gebrandmarkt haben. Sie sind es, die der Gesellschaft erklären wollen, welche Formen von Antifaschismus als legitim anzuerkennen sind und welche wiederum als extremistische Bedrohung der Gesellschaft zu sehen sind. Dabei wird eine Spaltung in guten, weil staatlich verordneten und gesetzeskonformen Antifaschismus, und bösen, weil linksextremen und potentiell gewalttätigen Antifaschismus aufgemacht. Doch diese Unterteilung ignoriert nicht nur historische Erfahrungen, sondern verkennt auch die gesellschaftliche Realität, mit der wir in der Gegenwart konfrontiert sind.

    4. In weiten Teilen der Welt erleben wir momentan ein Wiedererstarken des Faschismus. Dieses Wiedererstarken findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. In den letzten Jahren war neben islamistischem Terrorismus auch eine Zunahme von Rechtsterrorismus und rechtsterroristischen Bestrebungen zu beobachten. Zwischen 2000 und 2007 ermordete der NSU zehn Menschen, teilweise mit der Unterstützung bzw. unter Augen des Verfassungsschutzes, aus rassistischen Motiven. Die vollständige Aufklärung dieser Morde wird bis heute gezielt verhindert. In den Jahren 2019 und 2020 folgten mehrere rechtsterroristische Anschläge, die überregionale Aufmerksamkeit erhielten. In Kassel erschoss 2019 ein Rechtsterrorist den CDU-Politiker Walter Lübcke, weil er sich für einen humanistischen Umgang mit Geflüchteten eingesetzt hatte. In Halle versuchte ein Rechtsterrorist, ebenfalls 2019, zu Jom Kippur in eine Synagoge einzudringen und die darin befindlichen Menschen zu töten. Er scheiterte und ermordete stattdessen zwei andere Personen. 2020 erschoss ein Rechtsterrorist in Hanau aus rassistischen Gründen neun Menschen. In Deutschland starben nach Zählung der Amadeu Antonio- Stiftung seit 1990 weit über 200 Menschen durch rechte Gewaltverbrechen. Diese Liste ließe sich lange fortführen und hinter all diesen Zahlen stehen die Schicksale von Menschen. Menschen, die trauernde Familien und Freunde hinterlassen. Menschen, die sterben mussten, weil sie nicht in das wahnhafte Weltbild von Faschisten passen. Doch nicht jede rechte Gewalttat endet mit dem Tod eines Menschen, wird Gegenstand von medialer und politischer Aufmerksamkeit. Und nicht jede wird überhaupt als solche erfasst und anerkannt. Oft wird der politische Hintergrund rechter Übergriffe geleugnet und werden diese verharmlost. Unzählige Menschen erleben jeden Tag Anfeindungen, Bedrohungen und Gewalt durch Nazis und andere Rechte, die versuchen ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Gerade in Ostdeutschland ist für viele Menschen das Bewegen im öffentlichen Raum wieder zu einer Herausforderung und ist rechte Gewalt zu einer Normalität geworden. Das, was wir heute als Baseball-Schläger-Jahre kennen, die Gewalt der 90er Jahre, findet mehr und mehr wieder Einzug in den Alltag vieler Dörfer und Kleinstädte. 2024 hat die Anzahl an extrem rechten Straftaten den höchsten Stand seit ihrer Erfassung

    All das geschieht vor dem Hintergrund eines sich immer weiter nach rechts verschiebenden gesellschaftlichen Diskurses. Rechte Positionen, die vor einigen Jahren noch geächtet waren, werden mittlerweile voller Selbstbewusstsein öffentlich geäußert. Faschisten, die vor einigen Jahren von vielen noch als unbedeutende Spinner abgetan wurden, arbeiten mittlerweile im Bundestag, besetzen politische Positionen und üben Einfluss aus. Die AfD, über deren politischen Charakter und deren Ziele mittlerweile keine Zweifel mehr bestehen, entwickelt zunehmend Machtergreifungsambitionen und treibt einen Großteil des parlamentarischen Spektrums mit ihrer populistischen Strategie vor sich her. Hinzu kommt die zunehmende Vernetzung und Organisierung von Rechten mit Umsturzplänen sowie deren Bewaffnung, die unter anderem durch antifaschistische Recherche-Arbeit in den letzten Jahren immer wieder offengelegt wurde. Neben den konkreten Vorbereitungen auf einen Tag X durch rechte Gruppierungen, die Leichensäcke sammeln und Todeslisten anfertigen, fallen dabei vor allem die Verbindungen dieser Gruppen zu Polizei und Bundeswehr auf, die in den letzten Jahren in unzähligen Fällen aufgedeckt wurden. Inwieweit vor diesem Hintergrund von Opfern und potentiell Betroffenen rechter Gewalt erwartet werden kann, sich in der aufgezwungenen Konfrontation mit Nazis auf den Staat zu verlassen, erscheint mehr als fragwürdig.

    5. Wem es schwerfällt, anhand der Geschichte die Anfänge und Etablierung einer faschistoiden Regierung zu begreifen, der kann sich mit Ungarn ansehen, was es bedeutet, wenn Rechtspopulisten an der Macht sind. Seit der Machtübernahme durch die Fidesz-Partei ist Ungarns Politik geprägt von der Verunglimpfung von Sozialismus und Liberalismus, von Homophobie, einer brutalen und rassistischen Bekämpfung von Migration, die sich insbesondere gegen Muslime richtet, vom Ausschluss von Roma aus der ungarischen Gesellschaft und einem offenen Antisemitismus der sich zuletzt besonders deutlich in einer staatlichen Hetzkampagne gegen den jüdischen Milliardär und zivilgesellschaftlichen Förderer George Soros zeigte.

    Das Verdrehen und Vergessen der eigenen Geschichte gehört in Ungarn zum guten Ton und zur Verfassung. Ein Denkmal steht im Herzen von Budapest, das einen Adler zeigt, der auf den Erzengel Gabriel herabstößt. Es ist ein Sinnbild für Deutschland, das das wehrlose Ungarn attackiert, der verbildlichte Versuch sich von der eigenenVerantwortung im Holocaust reinzuwaschen.

    Es überrascht vor diesem Hintergrund kaum, dass die Organisatoren des riesigen Marsches zur Glorifizierung der SS und des Nationalsozialismus in Ungarn mit einem staatlichen Zuschuss von 70 Millionen HUF (ca. 18 000 Euro) gefördert wurden. Einer der beiden Hauptorganisatoren der Wanderung verfügt sogar über eine familiäre Verbindung zur Regierungsspitze. Er ist der Schwiegersohn des Vizepräsidenten des Parlaments. Darüber hinaus erhielten die beiden Hauptorganisatoren der Wanderung anlässlich des Nationalfeiertags am 20. August 2023 das Ritterkreuz des Ungarischen Verdienstordens, unter anderem für die vermeintliche „Förderung von Naturwanderungen“. Das sind nur zwei von vielen Fällen, die verdeutlichen, wie fließend die Grenzen zwischen der Regierungspartei und der extremen Rechten in Ungarn sind.

    Gleichzeitig sehen wir, wie mit unseren Mitbeschuldigten in Ungarn umgegangen wurde und wird. Sie waren teilweise über viele Monate hinweg in Isolationshaft, ihnen wurde monatelang der Kontakt zu Angehörigen und auch zu allen anderen Personen verweigert. Sie wurden von Wärtern angeschrien, beleidigt und bedroht. Von den Umständen in ungarischer Haft, unter denen alle Gefangenen dort zu leiden haben, ganz zu schweigen. In der ungarischen Presse wurden wir als gemeingefährliche Gewalttäter dargestellt, die wahllos Passanten angegriffen hätten. Orban selbst und diverse Vertreter seiner Regierung verkündeten bereits ihre Urteile in den Medien, stellten uns als schuldig dar und forderten harte Strafen. Jahrelange Schauprozesse, schlechte Haftbedingungen und mediale Vorverurteilung sind Ergebnis dieses politisch motivierten Vorgehens.

    Für Maja ist dieser Zustand nach wie vor Alltag. Im Kampf gegen die Haftbedingungen ist Maja so weit gegangen, das eigene Leben im Zuge eines Hungerstreiks zu riskieren. Dieser brachte zwar viel Aufmerksamkeit, aber keine Aussicht auf Besserung. Verantwortlich für Majas Lage ist nicht nur die ungarische Justiz, sondern auch das Kammergericht Berlin, die zuständigen Beamt_innen das LKA Sachsen und die BAW, denen wir mehr als nur Gleichgültigkeit gegenüber den Folgen der Auslieferung unterstellen. Maja sitzt alleine auf einer Anklagebank, in einem Prozess in dem sie schon vor der Anklage von Orban selbst und diversen Vertreter_innen seiner Regierung für schuldig befunden wurde. Maja schafft es trotz der Widrigkeiten und des Hasses, dem man als antifaschistische und queere Person ausgesetzt ist, ungebrochen Mut, Stärke und Haltung zu zeigen. „Mir bleibt nur, davon zu berichten, zu widersprechen und an alle zu appellieren es ebenfalls zu tun.“

    6. Doch zurück nach Deutschland. Als die Nazis in den 1930er Jahren an die Macht kamen, taten sie das zunächst auf legalem Wege und mit maßgeblicher Unterstützung durch konservative Parteien. Sie kamen nicht durch einen Staatsstreich an die Macht, sondern hatten die Unterstützung relevanter Teile der Bevölkerung und anderer parlamentarischer Fraktionen. Beispiele sind die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Hindenburg, die Beteiligung an der von Hitler geführten Regierung, die Verordnungen des Reichspräsidenten und die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz im Deutschen Reichstag 1933. Verbindendes Element zwischen der NSDAP und den konservativen Parteien war dabei der Antikommunismus.

    Wir leben heute in einer anderen Zeit und wollen keine undifferenzierten historischen Analogien aufmachen. Dennoch ist es wichtig, sich der Geschichte bewusst zu sein und Schlüsse aus ihr zu ziehen. Einen dieser Schlüsse hat die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano in einemmittlerweile viel zitierten Satz prägnant zusammengefasst: „Wer gegen die Nazis kämpft, kann sich auf den Staat überhaupt nicht verlassen.“ Dabei handelt es sich nicht um eine ideologisch motivierte Feststellung, sondern um eine reale historische Erfahrung, die sich auch in den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen widerspiegelt.

    Diese Erfahrung besteht in der Steigbügelhalterfunktion, die Teile des Staatsapparates, der Polizei, des Militärs und des Parlaments für die Machtübernahme der Nationalsozialisten spielten. Sie besteht in der unzureichenden Aufarbeitung dieser Tatsache und den beschriebenen Kontinuitäten über 1945 hinaus.Der Faschismus selbst ist eine in sich gewaltvolle Ideologie, die auf Basis der Vorstellung der Ungleichzeitigkeit der Menschen die Unterdrückung bestimmter Bevölkerungsgruppen zugunsten anderer zum Ziel hat. Gewalt ist in der faschistischen Ideologie grundsätzlich angelegt. Ein gewaltloser Faschismus – egal ob in der Opposition oder an der Macht – ist nicht denkbar.

    Vor diesem Hintergrund in Anbetracht antifaschistischer Interventionen von einer Gewaltspirale zwischen links und rechts zu sprechen und gar den Antifaschist_innen zu unterstellen, dieseGewaltspirale voranzutreiben, ist eine geschichtsvergessene Verdrehung der Realität. Rechte Gewalt findet statt, das ist ein Fakt. Die Frage ist, wie man ihr begegnet und ob man sich dabei auf den Staat verlässt. Rechte Gewalt ist aber keine Reaktion auf linke Gewalt, im Gegenteil. Sie ist wie ein Feuer, das permanent gelöscht werden muss, und wenn man aufhört es zu löschen, dann kann es sich schnell zu einem Flächenbrand ausbreiten. Und das ist es auch, was wir gegenwärtig beobachten.

    7. Auch wenn gewaltvoller Widerstand gegen Nazis heute von vielen moralisch abgelehnt wird, kann seine historische Bedeutung nicht geleugnet werden. Es ist leicht, moralische Urteile über jene zu fällen, die Gewalt anwenden. Doch vor dem Hintergrund der beschriebenen historischen Erfahrungen ist die Frage, die sich alle Demokratinnen und Demokraten stellensollten, bis zu welchem Punkt man das staatliche Gewaltmonopol schwerer gewichtet, als die Notwendigkeit, Faschismus zu bekämpfen. Denn eines steht fest: Wenn der Faschismus erst einmal an der Macht ist, dann wird er sich nicht durch Diskussionen wieder davon abbringen lassen. Nur durch die Überzeugung, aber auch die Gegengewalt all der Menschen, die Widerstand gegen den Faschismus geleistet haben, konnte der Faschismus historisch besiegt werden. Zurecht stehen noch heute in vielen Ländern Denkmäler für jene, die mit Gewalt gegen Inhumanität und Unterdrückung ausgegangen sind.

    Heute, im Jahr 2025, stellt sich allen Menschen, die sich als Antifaschist_innen begreifen, ganz konkret die Frage, wie sie dem Wiedererstarken des Faschismus begegnen wollen. Antifaschistische Praxis darf niemals sinnstiftend sein und Selbstzweck werden. Sie bedarf immer einer kritischen Reflexion. Es sollte ihr nicht um Rache, nicht um Bestrafung, nicht um Selbstjustiz gehen. In erster Linie sollte sie wirkungsvoll sein. Und zwar in dem Sinne, dass sie Nazis daran hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht daran hindert: diejenigen bedrohen und nach Möglichkeit umbringen, die nicht in ihre beschränkte Welt passen.

    In diesem Sinne ein paar Worte von Bertolt Brecht zum Abschluss: „Dabei wissen wir ja: Auch der Haß gegen die Niedrigkeit verzerrt die Züge. Auch der Zorn über das Unrecht macht die Stimme heiser. Ach, wir, die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit konnten selber nicht freundlich sein. Ihr aber, wenn es soweit sein wird, daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist, gedenkt unsrer mit Nachsicht.“